Leitartikel

Schnell wie der Blitz

Schnell wie der Blitz

Schnell wie der Blitz

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: dpa

Blitzschnell folgte am Montag die Reaktion von schleswig-holsteinischen Politikern, als im dänischen Folketing der Wildschweinezaun an der deutsch-dänischen Grenze beschlossen wurde. Die Verschwörungstheorien von deutscher Seite grenzen schon an trumpsche Naivität, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Jäger wissen es nur allzu gut: Wildschweine sind schlau und lernen schnell. Die Jungs mit den Orangefarbenen Cape und mit der Büchse in der Hand, muss man austricksen und so ist die Wildschweinjagd eine Herausforderung für jeden Jäger. Blitzschnell laufen sie vom Maisfeld ins schützende Dickicht. Da muss der Jäger schon sehr schnell reagieren.

Fast genau so schnell folgte am Montag die Reaktion von schleswig-holsteinischen Politikern, als im dänischen Folketing aufgrund der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest der Wildschweinezaun an der deutsch-dänischen Grenze beschlossen wurde. Von dänischer Abschottung ist die Rede. Sozialdemokraten und Grüne unterstellen der dänischen Regierung, dass es ein Zaun gegen Flüchtlinge ist und auch der NDR-Journalist, der am Sonntag Regierungschef Lars Løkke Rasmussen interviewte, fragte, ob es wirklich nur ein Zaun gegen Wildschweine sei.

Die Verschwörungstheorien von deutscher Seite grenzen schon an trumpsche Naivität. Ja, gewiss von Seiten der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei gab es anfangs noch eine Anfrage, ob man bei gleicher Gelegenheit nicht einen höheren Zaun errichten könne. Aber es ist keine Mauer. Es ist ein Wildschweinezaun – den man auch gern diskutieren kann. Daniel Günther brachte es allerdings auf den Punkt: Es sei Dänemarks Recht, einen Zaun zu errichten – Schleswig-Holstein und Deutschland hätten beim Thema eine andere Sichtweise, nämlich dass die Schweinepest am ehesten durch Personen übertragen werde. (Wobei es auch in Deutschland Landwirte gibt, die gerne einen Zaun im Osten des Landes hätten).

Einige machen sich lustig über den Wildschweinezaun. Aber er ist todernst gemeint. Ja, das schlaue Wildschwein wird auch Wege am den Zaun vorbei finden – über den kleinen Grenzübergang oder über die Förde. Aber zu 90 Prozent werde der Zaun die Wildschweine am Übergang zurückhalten. Also besser als gar nichts, so die dänische Devise.

Und ja, es dauert noch eine Weile, bevor Wildschweine, die mit der afrikanischen Schweinepest infiziert sind, bis an die deutsch-dänische Grenze gelangen. Aber darum geht es gar nicht, sondern es dreht sich darum, das Dänemark ein Signal an die Märkte schickt, die die EU als Ganzes betrachten. In dem Augenblick, wo es in einem EU-Land einen Ausbruch der Schweinepest gibt, besteht das Risiko, dass die internationalen Händler europäischem Schweinefleisch den Rücken kehren. In der Situation wird Dänemark auf den Zaun verweisen und für eine Investition in Höhe von 70-80 Millionen Kronen den Milliardenhandel mit Schweinefleisch retten können. Dänemark tut hier aktiv was für die eigenen Bauern.

Man kann den Zaun und dessen Nutzen diskutieren. Aber Abschottung und Menschenfeindlichkeit in die Diskussion mit einzubringen, schadet der deutsch-dänischen Zusammenarbeit mehr, als der Zaun an sich.

Mehr lesen

Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Pforte nach Europa “

Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Lars locker Rasmussen“