Umwelt & Natur

Globale Analyse zur Artenvielfalt - dramatischer Bericht erwartet

Globale Analyse zur Artenvielfalt - dramatischer Bericht erwartet

Globale Analyse zur Artenvielfalt - dramatischer Bericht erwartet

dpa
Paris/Berlin
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Ein Rotwildpaar steht im Wildgehege auf dem 1064 Meter hohen Pfänder oberhalb von Bregenz (Vorarlberg). Foto: Felix Kästle/dpa

Die Berichte des Weltrats IPCC zum Klimawandel sind längst fest etabliert. Auf ähnliche Weise soll ein mit Spannung erwartetes Papier einen international akzeptierten Konsens zum Zustand von Arten und Ökosystemen schaffen. Gute Nachrichten sind kaum zu erwarten.

Erstmals seit 14 Jahren gibt es einen umfassenden Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt. Eine rund 40-seitige Zusammenfassung mit Kernaussagen wird am Montag (13.00 Uhr) in Paris vorgestellt. Ähnlich den Papieren des Weltklimarats IPCC für den Klimawandel soll der Artenvielfalt-Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) einen weltweit akzeptierten Sachstand zur Lage und zu möglichen Lösungen schaffen. Experten und Umweltschützer erwarten dramatische Aussagen zum Zustand der Natur.

„Noch können wir zu einem Wirtschaften in den natürlichen Grenzen der Erde zurückfinden“

Seit 1992, als die Weltgemeinschaft in Rio de Janeiro die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt verabschiedete, habe sich die Situation maßgeblich verschlechtert, sagte Georg Schwede von Campaign for Nature im Vorfeld. Es sei sehr gut, dass der IPBES-Bericht auch das Wissen indigener Völler einbeziehe. „Die haben einen viel besseren Job gemacht, Natur zu schützen, als Nationalstaaten.“

Derzeit verbrauche die Menschheit weit mehr Nahrungsmittel und andere Ressourcen als innerhalb eines Jahres wieder nachwachsen könnten - so als habe sie 1,7 Erden zur Verfügung, hat die Organisation Global Footprint errechnet. „Noch können wir zu einem Wirtschaften in den natürlichen Grenzen der Erde zurückfinden“, betonte Jörg-Andreas Krüger, Naturschutzexperte der Umweltschutzstiftung WWF.

„Dafür müssen wir schrittweise die Rahmenbedingungen für unser Finanz- und Wirtschaftssystem verändern und Ernst machen mit einem Fokus auf die Wiederherstellung von geschädigten Landschaften.“ Bundesregierung und EU müssten endlich Taten sehen lassen, Wirtschaft und Verbraucher ihre Verantwortung ernst nehmen.

Für den Bericht des Weltbiodiversitätsrates - eine Organisation der Vereinten Nationen - hatten rund 150 Experten aus 50 Ländern drei Jahre lang vorhandenes Wissen aus Tausenden Studien zusammengetragen. Sie prüften unter anderem, wie weit die Welt bei bereits vereinbarten Artenschutz-Zielen gekommen ist. Anschließend debattierten bei einer Weltkonferenz in Paris Delegierte der 132 IPBES-Mitgliedsstaaten über die Kernaussagen des Berichts und die genauen Formulierungen dazu.

Wissen und Beweise als Grundlage

Nach knapp einer Woche Beratungen verabschiedeten sie am Sonnabend eine Zusammenfassung. Die umfassende Analyse wird erst später veröffentlicht. Beteiligte Forscher hoffen, dem Artenschutz neuen Aufwind verleihen und einen Wandel Richtung nachhaltige Entwicklung anstoßen zu können.

„Politische Maßnahmen, Anstrengungen und Handlungen werden - auf allen Ebenen - nur erfolgreich sein, wenn sie auf bestem Wissen und Beweisen beruhen“, sagte der IPBES-Vorsitzende Sir Robert Watson. Und genau diese Grundlage stelle der neue Bericht bereit.

Besonders wichtig ist der Report für die Weltartenschutzkonferenz 2020 in China. Dort sollen die Eckpunkte für den weltweiten Artenschutz nach 2020 festgelegt werden. Die zugrundeliegende Artenschutzkonvention (Convention on Biological Diversity/CBD) wurde zusammen mit der Klimarahmenkonvention 1992 auf dem Erdgipfel in Rio verabschiedet.

„Naturschutz und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen, um unseren Planeten zu bewahren“, forderte Christoph Thies von Greenpeace im Vorfeld der IPBES-Veröffentlichung.

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