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Julius Beck will sich in der Serie A festbeißen

Julius Beck will sich in der Serie A festbeißen

Julius Beck will sich in der Serie A festbeißen

Hadersleben/Haderslev
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Julius Beck beim Heimaturlaub in Hadersleben. Foto: DN

Mit 16 Jahren und 12 Tagen war er der drittjüngste Debütant der Superliga-Geschichte. Wenige Wochen später stand der Haderslebener Julius Beck allein auf weiter Flur in Italien. Nach einem lehrreichen Jahr in der besten Nachwuchs-Mannschaft von Spezia Calcio will der 17-Jährige in der kommenden Saison in der Serie A angreifen.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser, als Julius Beck im Sommer 2021 den Alltag in Hadersleben mit einem Dasein in La Spezia an der italienischen Riviera zwischen Genua und Pisa austauschte. Mit nur 16 Jahren zog der Haderslebener von zu Hause weg, um einen Dreijahresvertrag bei Spezia Calcio aus der italienischen Serie A anzutreten.

Für den U17-Nationalkicker ist es bislang ein italienisches Abenteuer mit Hindernissen gewesen, aber nach einem schweren Start ist die Zahl der Erfolgserlebnisse und auch die Zuversicht gewachsen. Julius Beck hat die erste Hürde gemeistert und wird nach dem ersten Jahr in der „Primavera“, der besten Nachwuchs-Mannschaft, die Saisonvorbereitung mit dem Serie-A-Team von Spezia Calcio absolvieren.

Julius Beck kam im Mai 2021 zu seinem Superliga-Debüt. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

„Mein Ziel ist es, mich im Kader der Serie-A-Mannschaft festzubeißen und später in der Saison zur Startelf zu gehören. Ich mag es, mir hohe Ziele zu stecken, damit ich etwas anzupeilen habe. Das ist mein Antrieb. Und ich habe auch das Gefühl, dass es für mich möglich ist. Ich habe dreimal mit der Serie-A-Mannschaft mittrainiert und weiß, dass ich auf diesem Niveau bestehen kann. Ich werde jetzt die Saisonvorbereitung mitmachen und muss meine Chance nutzen“, sagt Julius Beck im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Die erste Zeit ist nicht einfach gewesen, hat ihn aber abgehärtet und reifer werden lassen.

„Ich habe in meinem ersten Jahr viel gelernt, es ist mitunter auch schwer gewesen, aber mit der Zeit ist es einfacher geworden, und ich bin jetzt gelandet. Mein Start wurde auch dadurch erschwert, dass ich mit einem Schlüsselbeinbruch nach Italien gekommen bin und die ersten vier Wochen nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Die Leute waren anfangs alle sehr zurückhaltend, kaum einer konnte Englisch. Ich habe einfach versucht, mit meinem Italienisch Gas zu geben, obwohl nicht alles richtig war. Wenn man akzeptiert werden will, muss man selbst etwas dafür tun. Das wurde schnell deutlich, aber nach ein paar Monaten wurde es besser, und als ich dann auch spielen konnte, habe ich den Respekt bekommen. Das war gut für mich“, so der 17-jährige Haderslebener.

Der Klub hatte vor Weihnachten Italienischunterricht angeboten, nach Weihnachten war er sich selbst überlassen, wie in vielen anderen Belangen auch.

Nur dreimal spielte Julius Beck in der Superliga im SønderjyskE-Trikot, bevor er nach Italien wechselte. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

„Es ist begrenzt, was ich an Italienischunterricht bekommen habe. Ich habe eigentlich am meisten im Alltag gelernt, wenn ich das Gespräch suche. Es läuft mittlerweile ganz gut. Vom Klub kommt wenig Hilfe, wir sind im Großen und Ganzen uns selbst überlassen, auch was den Alltag angeht. Ich wohne mit drei bis vier anderen Spielern in einem Wohnheim, wo ein Erwachsener ein Auge auf uns hält. Mittag- und Abendessen bekommen wir dort, aber ansonsten müssen wir selbst alles regeln“, erzählt der 17-Jährige.

Julius Beck will sich zur neuen Saison mit einem isländischen Mannschaftskameraden eine eigene Wohnung suchen und auch sportlich den nächsten Schritt machen. Ein Schritt, den er gerne schon früher gemacht hätte.

„Ich weiß nicht, ob es so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hätte gerne mehr Trainingseinheiten mit der ersten Mannschaft gemacht. Das hätte ich nach den gezeigten Leistungen auch verdient gehabt, aber es ist wie es ist. Ich habe auf jeden Fall viel dazugelernt, auf und neben dem Platz. Der Fußball und die Mentalität ist in Italien ganz anders als in Dänemark, nicht nur in den Spielen, sondern auch beim Training. Wir laufen mehr ohne als mit dem Ball, alles ist taktisch sehr organisiert. Die Leute gehen in Italien ganz anders ins Tackling, daran habe ich mich erst gewöhnen müssen. Ich hatte das Gefühl, dass ich ein aggressiver, zweikampfstarker Spieler sei, aber in Italien haben sie mich eher als guten Fußballspieler bezeichnet. Ich habe im körperlichen Bereich zulegen müssen, und das habe ich auch getan“, so der Mittelfeldspieler, der auf der Sechser-Position eingesetzt wird.

Julius Beck hat im körperlichen Bereich zulegen müssen. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

„Anders ist auch die Mentalität, das Auftreten der Italiener, die alle sehr laut und gestenreich sind. Ich mag das“, sagt Julius Beck, der allerdings auch hat erkennen müssen, dass es in Italien im Vergleich zu Dänemark eher ein Haifischbecken ist, wo jeder in erster Linie an sich selbst und die eigene Karriere denkt.

„Der Konkurrenzkampf ist ausgeprägt, da versucht sich jeder nach vorne zu drängen. Der Konkurrent auf deiner Position ist wirklich dein Konkurrent. Das spürt man beim Training, wo ein Tackling mit beiden Beinen in Schienbeinhöhe keine Seltenheit ist. Ich habe gelernt dagegenzuhalten. Manchmal geht es zu weit, und manchmal gehe auch ich zu weit, aber es muss schon schlimm sein, bevor einer eingreift“, so der Mittelfeldspieler, der mit der „Primavera“-Mannschaft vor jedem Auswärtsspiel ins Hotel geht und davor auch mal 14 Stunden im Bus sitzt.

Der Haderslebener genießt derzeit den Heimaturlaub. Am 4. Juli muss er wieder in La Spezia antreten, nachdem er Anfang Juni mit der dänischen U17-Auswahl an der Europameisterschaft in Israel teilnahm. Nach einem 1:2 zum Auftakt gegen Schweden gab es zwei 3:1-Siege gegen Schottland und Portugal, bevor die Dänen im Viertelfinale nach einem 1:2 gegen Serbien ausschieden.

Julius Beck war bei der U17-EM Kapitän der dänischen Auswahl. Foto: Sports Press Photo/SIPA/Ritzau Scanpix

„Die Serben haben sehr körperbetont gespielt, damit sind viele von uns nicht klar gekommen. Das war aber ein wahnsinnig tolles Erlebnis. Die Endrunde ist für die Mannschaft und auch für mich sehr gut gelaufen“, sagt der Mannschaftskapitän der dänischen U17-Auswahl.

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