Lebensmittel

„Too Good To Go“: Mit einer App Essen vor dem Müll retten

„Too Good To Go“: Mit einer App Essen vor dem Müll retten

„Too Good To Go“: Mit einer App Essen vor dem Müll retten

Katja Elsberger
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Verkäuferin Charlotte Sørensen freut sich, wenn Brot und Gebäck durch „Too Good To Go“ einen neuen Besitzer finden. Foto: Katja Elsberger

Weltweit landen zu viele Lebensmittel einfach im Müll. Dabei kann Essen retten so einfach sein. Zum Beispiel die App „Too Good To Go“ – auch in Nordschleswig gibt es viele Partnerläden.

„Essen retten, Geld sparen und die Welt verbessern“ ist das Ziel der App „Too Good To Go“. „Wenn wir nur die Hälfte des weggeworfenen Essens vor der Tonne retten würden, könnten wir die ganze Welt satt bekommen“, sind sich die App-Entwickler sicher.

Auch in Nordschleswig wird „Essen retten“ mehr und mehr zum Trend. Ob Bäckereien, Supermärkte, Restaurants, Tankstellen oder Süßwarengeschäfte – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Viele Angebote findet man in Hadersleben/Haderslev, Rothenkrug/Rødekro, Sonderburg/Sønderborg und Pattburg/Padborg. In der interaktiven Karte in der App variieren die Anbieter täglich.

Zu viele Lebensmittel landen im Müll

„Global wird mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen“, so Victoria Prillmann, Pressesprecherin von „Too Good To Go“ in Berlin.

In Dänemark landen mehr als 700.000 Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll. Informationen der App-Betreiber zufolge, habe das Essen einen Wert von etwa 13,5 Mrd. Kronen. Fast zwei Millionen Menschen sind in Dänemark bereits bei „Too Good To Go“ aktiv – etwa 4,5 Millionen Mahlzeiten wurden so allein in Dänemark vor dem Müll bewahrt.

Viele Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr im Müll. Foto: Adobe Stock

Eine dänische Idee

Die App ist eine dänische Erfindung. Entstanden ist die Idee vom Essenretten im Jahr 2016, als fünf Freunde in Kopenhagen in einem Restaurant gegessen haben. „Als das Restaurant schloss, waren noch große Mengen Essen am Büfett übrig. Die fünf Unternehmer fanden es schade, dass das restliche Essen im Müll landet – so entstand die Idee einer App, um das große Problem mit Lebensmittelabfällen zu lösen“, erzählt Prillmann.

Mittlerweile gibt es „Too Good To Go“ neben Deutschland und Dänemark auch in vielen anderen Ländern in Europa. 17,5 Millionen Nutzer hat die App europaweit. „Bislang wurden dadurch international schon über 28 Millionen Mahlzeiten gerettet und im Zuge dessen über 70.000 Tonnen CO2 eingespart", heißt es von der Pressestelle in Berlin.

Kunden, Geschäfte und die Umwelt profitieren

„Die Kunden können ein tolles, preiswertes Essen genießen, nachhaltig konsumieren und lernen neue Restaurants und Geschäfte in ihrer Stadt kennen“, so Prillmann.

Die Kunden können ein tolles, preiswertes Essen genießen, nachhaltig konsumieren und lernen neue Restaurants und Geschäfte in ihrer Stadt kennen.

Victoria Prillmann, „Too Good To Go“, Berlin

Zudem profitieren auch die Geschäfte, denn „der gastronomische Betrieb kann seine wertvollen Lebensmittel verkaufen, anstatt sie entsorgen zu müssen. Damit kann er neue Kunden gewinnen, seinen Umsatz steigern und sich vor allem nachhaltig und sozial engagieren“, so Prillmann. Kein Gastronom sei glücklich, Essen im Müll zu sehen, ist sie sich sicher.

Wissenschaftlich untersucht wurde „Too Good To Go“ bislang nicht. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass Läden extra für „Too Good To Go“ produzieren, so Gerold Hafner vom Lehrstuhl für Abfallwirtschaft und Abluft der Universität Stuttgart. Inwieweit dies tatsächlich stattfinde, kann der Diplomingenieur jedoch nicht beurteilen. „Grundsätzlich ist jede Aktivität zu begrüßen, die dabei hilft die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren“, betont Gerold Hafner.

Grundsätzlich ist jede Aktivität zu begrüßen, die dabei hilft die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Dr. Ing. Gerold Hafner, Universität Stuttgart

Mit dabei: Bäckerei Nielsen in Pattburg

Auch die Bäckerei Nielsen in Pattburg und Woyens macht bei „Too Good To Go“ mit. „Wir legen in unserer Bäckerei großen Wert auf Umweltfreundlichkeit, wir verwenden nachhaltige Zutaten – wir sind eine grüne Bäckerei“, so die Geschäftsführerin Mette Nielsen. Und das Konzept von „To Good To Go“ sei optimal, um Brot und Gebäck vor der Entsorgung zu bewahren und Ressourcen zu schonen. Nach nformationen der App-Betreiber werden mit jedem Kilo nicht verzehrten Brots 1.000 Liter Wasser verschwendet.

Schnell sein ist gefragt

Die „Too Good To Go“-Tüten der Bäckerei Nielsen können gegen 17 Uhr von den Angemeldeten abgeholt werden. Die Nachfrage ist groß: „Wir haben jeden Tag zehn Tüten – die sind fast immer ausverkauft“, so Mette Nielsen. Wer bei der Bäckerei Nielsen eine „Überraschungstüte“ erwischen möchte, sollte sich diese frühzeitig sichern – „so ab 14 Uhr ist meistens alles reserviert.“

In die Tüten packt die Bäckerei allerlei, was an dem Tag in der Filiale nicht verkauft wurde. „Es kommt darauf an, was übrig bleibt – Brot ist immer in der Tasche, manchmal auch ein bisschen Kuchen.“ 35 Kronen kostet eine „Überraschungstüte“ bei „bageri Nielsens“ – „das ist etwa ein Drittel vom Originalpreis“, so die Geschäftsführerin.

Mona Sønnichsen, Angestellte in der Bäckerei Nielsens in Pattburg, reicht eine „Wundertüte“ über den Tresen. Foto: Katja Elsberger

„Man sollte mehr an die Umwelt denken“

„In Dänemark ist 'Too Good To Go' sehr populär“, so Mette Nielsen. Man könne viel Brot und Gebäck für relativ wenig Geld bekommen und gleichzeitig Lebensmittel retten. „Ich finde, dass man 'Too Good To Go' probieren sollte – es ist der richtige Weg nach vorne, denn man sollte mehr an die Umwelt denken.“ Einen Versuch sei es auf jeden Fall wert, meint Mette Nielsen.

Für „Wundertüten“ von Bäckereien hat Prillmann einen Tipp: „Wenn zu viel Brot in der Wundertüte ist, kann man es entweder an die Kollegen verschenken oder einfrieren.“

Wenn zu viel Brot in der Wundertüte ist, kann man es entweder an die Kollegen verschenken oder einfrieren.

Victoria Prillmann, „Too Good To Go"

Pflanzen retten mit „Too Good To Go“

Nicht nur Lebensmittel, sondern auch Pflanzen landen in Containern, wenn sie nicht mehr perfekt aussehen. Blumenhändlerin Charlotte Sørensen von CS Havedesign & Blomster in Rothenkrug wollte die Blumen in ihrem Laden nicht mehr einfach entsorgen und packt daher seit September fast täglich mehrere „Wundertüten“ für „Too Good To Go“.

„Wir können die Pflanzen kaum mehr verkaufen, wenn sie nicht mehr ganz frisch sind – dann geben wir sie besser her. Wir finden es besser, unsere Schnittblumen und Topfpflanzen günstiger herzugeben, als sie zu entsorgen“, erzählt Sørensen.

Ihre Tochter Stephanie hat Charlotte Sørensen inspiriert, bei „Too Good To Go“ teilzunehmen. Foto: Katja Elsberger

Auf die Idee, den Blumenladen in der App anzumelden, habe sie ihre Tochter Stephanie gebracht. „Meiner Tochter ist es sehr wichtig, dass nicht so viel weggeschmissen wird.“ Auch bei CS Havedesign variiert sehr stark, was sich in den Taschen befindet.

„Ich war neugierig und habe es jetzt einfach mal probiert – ich finde es gut, dass keine Sachen entsorgt werden, die man noch gebrauchen kann“, erzählt Kundin Dorte Dransfeldt, die sich am Mittwochabend eine „Wundertüte“ im Blumenladen abgeholt hat.

Ich war neugierig und habe es jetzt einfach mal probiert – ich finde es gut, dass keine Sachen entsorgt werden, die man noch gebrauchen kann.

Dorte Dransfeldt, Kundin

Die App „Too Good To Go“ gibt es für Apple und Android und kann kostenlos im „Google Play Store“ und „App Store“ heruntergeladen werden.

Weitere Informationen finden Interessierte unter toogoodtogo.de/de.

Einfache Anwendung der App

Wie die App funktioniert, ist einfach zu erklären: Zuerst lädt man sich die App „To Good To Go“ auf sein Handy. Dann gibt man den gewünschten Standort an und sucht sich die Angebote in der Nähe heraus. „Die Kunden können sich bequem über die App einen Laden in ihrer Umgebung aussuchen und filtern, worauf sie gerade Lust haben“, so Victoria Prillmann, Pressesprecherin von „To Good To Go“ in Berlin.

Mahlzeiten online reservieren

Hat man ein interessantes Angebot entdeckt, kann man seine „Wundertüte“, wie die gepackten Taschen von „Too Good To Go“ genannt werden, reservieren. „Der Preis einer Portion beträgt maximal die Hälfte des Originalpreises und durchschnittlich 3 Euro“, so die Pressestelle in Berlin.

„Die Kunden bestellen und bezahlen über die App und brauchen ihre Portion dann nur noch im angegebenen Zeitfenster im Laden abzuholen“, so Prillmann. Die Abholzeit, meistens vor Ladenschluss, bestimmen die Anbieter. Beim Abholen bestätigen die Verkäufer den Verkauf – und fertig. Dann können die geretteten Lebensmittel genossen werden. Die Quittung wird dem App-Nutzer im Anschluss per E-Mail zugesendet.

Ziel: im ländlichen Raum bekannter werden

Die Mitarbeiter der „Retter“-App wollen das Konzept weltweit verbreiten, eine „global Community“ aufbauen. „Es ist ein Prozess. Inzwischen ist unser Team größer – wir gehen Schritt für Schritt und Mahlzeit für Mahlzeit.“

In großen Städten, zum Beispiel in Kopenhagen, kennen viele Menschen die App bereits. Auf der Agenda der „Too Good To Go“-Entwickler steht, die App auch in ländlichen Gebieten bekannter zu machen. „In Städten ist das gastronomische Angebot höher“, so Prillmann. Daher gebe man sich in ländlichen Gebieten große Mühe, aktiv auf Läden zuzugehen und das Konzept vorzustellen.

„Je mehr Menschen davon wissen, desto einfach wird's", versichert Prillmann. Es müsse noch viel Aufklärungsarbeit zum Thema Lebensmittelverschwendung geleistet werden.

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