Corona-Virus

Alltagssituationen – Wo riskiere ich eine Ansteckung?

Alltagssituationen – Wo riskiere ich eine Ansteckung?

Alltagssituationen – Wo riskiere ich eine Ansteckung?

Morgana Pfeifer/shz.de
Hamburg
Zuletzt aktualisiert um:
Masken bleiben das A und O in der Pandemie. (Symbolbild) Foto: imago images/IPA Photo

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Experten ordnen 10 Alltagssituationen ein und erklären, wo und wann eine Infektion mit der B.1.1.7. Mutante droht.

Auch nach über einem Jahr Pandemie herrscht immer noch große Unsicherheit, wenn es um die Frage geht: Wo und wann bin ich im Alltag einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt? Vor allem der Umgang mit der ansteckenderen B.1.1.7.-Mutante wirft viele Fragen auf. Drei Hygieneexperten erklärten unlängst im "Spiegel", welche Verhaltensweisen durch die Mutanten des Coronavirus mittlerweile überholt sind und an welche Regeln man sich unbedingt weiter halten sollte.

Infektionsrisiko: Sechs Alltagssituationen im Check

1. Das Treppenhaus: Sollte man im Treppenhaus eine Maske tragen?

Da das Risiko einer Infektion in geschlossenen Räumen höher ist als an der frischen Luft, rät Walter Popp, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, auch im Treppenhaus zum Tragen einer Maske. Vor allem beim Plausch mit Nachbarn sei eine Maske ratsam, um eine Übertragung des Virus per Tröpfcheninfektion vorzubeugen. Hier gilt wie überall: auch bei kurzen Begegnungen einen großzügigen Abstand zum Gesprächspartner einhalten.

Doch wie riskant ist es, wenn zwei Personen nacheinander ohne Maske das Treppenhaus betreten? Hier bestehe die Gefahr einer Übertragung über Aerosole, so Walter Popp. Muss ein Nachbar beispielsweise in den fünften Stock, so stößt er bei zunehmender Anstrengung mehr der winzigen Partikel aus, als die Nachbarin, die im ersten Stock lebt. Die Ansteckungsgefahr sei darum für jede weitere Person, die ebenfalls kurz darauf in den fünften Stock muss, entsprechend höher.

2. Die öffentlichen Verkehrsmittel: Wie gefährlich sind Bus und Bahn?

Vor allem zu Stoßzeiten ist der Kontakt von vielen Fahrgästen im öffentlichen Nahverkehr für das Gesundheitsamt nicht nachvollziehbar. Somit ist fast nicht messbar, wie hoch die Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen tatsächlich ist. Grundsätzlich gilt hier jedoch verstärkt: Abstand zu anderen halten und bei der Maskenwahl am besten zur FFP2-Maske greifen. Dabei darauf achten, dass die Maske an allen Seiten mit dem Gesicht gut abschließt, sonst kann beim Atmen ungefilterte Luft durch die Zwischenräume eindringen.

3. Der Supermarkt: Worauf muss ich beim Einkaufen achten?

Abstand und Maske schützen auch im Supermarkt vor Tröpfcheninfektion. Hier empfiehlt sich ebenfalls eine gut sitzende FFP2-Maske. In geschlossenen Räumen kommt jedoch zu dem Kontakt mit anderen Kunden das Problem der Aerosole hinzu. Das Risiko ließe sich pauschal schwer einschätzen, jedoch verteilten sich die ausgestoßenen Aerosole zumindest auf einen relativ großen Raum, so Marco Binder, Virologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ). Die Dauer des Aufenthalts und die Größe des Geschäfts seien hierbei entscheidend. Je kürzer die Dauer des Einkaufen und je größer der Verkaufsraum desto geringer die Gefahr einer Infektion.

Wenig Ansteckungsgefahr über Flächen

Auch die Frage nach der Wichtigkeit der Desinfektion von Flächen und Händen ist immer wieder präsent und lässt sich für Walter Popp leicht beantworten: "Wir wissen inzwischen, dass die Übertragung hauptsächlich über die Luft stattfindet". Die Gefahr der Ansteckung über Flächen schätzen die Experten als sehr gering ein.

4. Der Spaziergang: Sollte man beim Spazieren eine Maske tragen?

Im Freien ein paar Runden drehen und anschließend auf der Parkbank mit der Freundin schnacken. Spaziergänge sind mangels besserer Alternativen zum neuen kollektiven Lieblingshobby geworden. Doch auch hier gibt es verschiedene Situationen, die bestimmter Schutzmaßnahmen bedürfen.

Zu zweit nebeneinander zu spazieren wird auch ohne Maske von den Experten als sicher eingestuft. Kleinere Tropfen und Aerosole werden durch die Luft stark verdünnt und stellen somit wenig Gefahr dar. Trotzdem müsse auch hier weiterhin auf genügend Abstand geachtet werden. Jogger sind durch ihre Geschwindigkeit und den Wind, den sie erzeugen, keine große Gefahr. Anders verhält es sich beim Plausch auf der Parkbank: Durch das Sitzen können Tröpfchen und Aerosole nicht ausreichend verdünnt werden, deshalb sei hier das Tragen einer Maske trotz Mindestabstand ratsam.

Auch Kinder können Sars-CoV-2 weitergeben

5. Der Spielplatz: Wie schütze ich mein Kind?

Kinder haben zwar laut der Experten selbst ein geringeres Ansteckungsrisiko, können das Virus jedoch gleichermaßen weitergeben. Daher gelten auch für Kinder ähnliche Schutzmaßnahmen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Der enge Kontakt mit anderen Kindern kann auch im Freien zur Ansteckung führen, daher sei Abstand halten und das Meiden von großen Spielgruppen wichtig.

6. Das Zuhause: Wie gefährlich sind Treffen in Innenräumen?

Die Ansteckungsgefahr in Innenräumen ist 20-mal höher als im Freien, so der Experte Marcus Binder. Da sich Aerosole für den Menschen unsichtbar und geruchlos beim Atmen und Sprechen im Raum ausbreitet, reiche der Mindestabstand in geschlossenen Räumen nicht. Regelmäßiges Lüften entzerrt die Belastung ein wenig und FFP2-Masken helfen vor Tröpfchen und ansteckenden Partikeln in der Luft, jedoch empfiehlt es sich vor allem, Treffen mit Freunden und der Familie nach draußen zu verlegen.

Abstand und Maske bleiben unerlässlich

Fazit: Auch nach Aufkommen der Mutanten gilt es, zu anderen Abstand zu halten und Maske zu tragen, resümieren die Experten. Auch im Freien ist eine Maske sinnvoll, wenn man sich nicht bewegt oder mit anderen spricht. Treffen in Innenräumen bergen auch mit Abstand und Lüften eine große Infektionsgefahr und sollten lieber nach draußen verlegt werden.

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