Vogelsterben

Briten: Dänische Fischer schuld an Massentod der Papageientaucher

cvt/Ritzau
London/Kopenhagen
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Papageientaucher sind heute ein selten werdender Anblick. Foto: Robert F. Bukaty/Ritzau Scanpix

Der Bestand an Papageientauchern an der Nordsee geht drastisch zurück – weil dänische Fischer den Sandaal-Bestand überfischen, meinen britische Ornithologen. Die Dänen wehren sich.

Die Papageientaucher mit ihrem charakteristischen Schnabel werden ein immer seltenerer Anblick an der Nordsee. Und die Ornithologen der Königlichen Gesellschaft zum Schutz der Vögel (RSPB) in Großbritannien meinen zu wissen, weshalb: Sie glauben, dass dänische Fischer den Vögeln die Nahrung stehlen, indem sie die Sandaale überfischen, schreibt die Sunday Times. Die befürchtete Folge: Die Papageientaucher könnten aussterben. Auch die Dreizehenmöwe sei in ihrem Bestand gefährdet, so die Briten.

„Wir raten zu einem totalen Fischereiverbot von Sandaalen und anderen Fischarten, die zu Fischmehl oder Öl verarbeitet werden, wie Sprotten, die die Seevögel als Alternative zu Sandaalen im britischen Teil der Nordsee fressen“, sagt RSPB-Berater Euan Dunn laut der Londoner Wochenzeitung.

Dänemark verwaltet 94 Prozent der Sandaal-Quote Großbritanniens und hat 2016/2017 laut Sunday Times die EU dazu „überredet“, die Jahresquote von 82.000 auf 458.000 Tonnen zu verfünffachen.

Dänische Fischer wehren sich – Schuldzuweisung sei Brexit-Propaganda

Niels Wichmann, Geschäftsführer des Dänischen Fischereiverbandes, meint jedoch, dass die Quote dieses Jahr in der kurzen Saison zwischen dem 1. April und dem Johannistag (24. Juni) mehr als halbiert wurde. Die britischen Medien würden die Sache verkehrt darstellen – wegen der Brexit-Verhandlungen, sagt er der Nachrichtenagentur Ritzau.

„Wir haben die EU nicht zu der Quote ,überredet'. Sie folgt der Ratgebung der Forscher des ICES, des internationalen Rates für Meeresforschung“, sagt Wichmann – und räumt zugleich ein, dass die dänischen Fischer stark davon abhängig seien, in britischen Gewässern fischen zu dürfen. 30 Prozent des Gesamtfangs der dänischen Fischereiflotte stammen aus britischem Hoheitsgebiet.

Doch was die britischen Medien nicht berichten sei, dass die Briten 60 Prozent der Dorschquote der Nordsee halten, meint Wichmann – und zwar aus denselben historischen Gründen, aus denen die Dänen die meisten Sandaale fangen dürfen.

Der Großteil des Sandaal-Fanges aus der Dogger-Bank wird als Nahrungszusatz in Form von Fischöl oder als Futter in der Fischzucht genutzt. Früher ging der Großteil in die dänische Nerzzucht.

Erst vor zwei Wochen sprach der britische Umweltminister Michael Gove davon, dass der Brexit eine „gute Gelegenheit“ sei, die heimische Fischerei neu aufzustellen.

Ein bei einem Sturm verendeter Papageientaucher an der westfranzösichen Küste. Foto: XAVIER LEOTY/Ritzau Scanpix

Genaue Untersuchungen zum Verhalten der Vögel fehlen

Mark Desholm, Abteilungsleiter beim Dänischen Ornithologenverband, bestätigt derweil, dass der Bestand der Papageientaucher in Europa im freien Fall befindlich sei. „Da spielen viele Faktoren mit rein. Neben der Fischerei sind es Klimaveränderungen, die nachweisbar schlecht für die Vögel sind. Wenn Sprotten und Sandaale umziehen, besonders bei den Laichplätzen, wird es schwer für sie, Nahrung zu finden. Die globale Erwärmung sorgt zudem dafür, dass die Winterstürme heftiger werden“, sagt er zu Ritzau. Wenn dann noch Überfischung dazu komme, könne das das Fass zum Überlaufen bringen.

„Das ist ein generelles Problem bei Seevögeln und muss international gelöst werden“, sagt er.

Papageientaucher verbringen zwei Drittel des Jahres auf See und gehen nur zur Fortpflanzung an Land. Es mangele an detaillierten Studien zu ihrem Verhalten, um genauere Aussagen über die Zusammenhänge treffen zu können, sagt Desholm.

Auch aus Deutschland hatte es zuletzt Klagen über die dänische Fischereipolitik gegeben. Sie behindere die Schaffung von Meeresschutzgebieten in der Nordsee, kritisieren deutsche und dänische Umweltpolitiker und -verbände.

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