Brexit

30 Prozent des dänischen Fischfanges kommen aus britischen Fahrwassern

30 Prozent des dänischen Fischfanges kommen aus britischen Fahrwassern

30 Prozent des dänischen Fischfanges kommen aus britischen Fahrwassern

DT
Kopenhagen
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Ohne ein Abkommen mit Großbritannien würde die dänische Fischerei hart getroffen. Foto: dpa

Das dänische Außenministerium hat die Anlandungsmengen von Fängen der dänischen Fischerei untersuchen lassen. Eine Schließung britischer Hoheitsgewässer könnte Dänemark hart treffen, so Fischerei-Ministerin Eva Kjer Hansen (Venstre).

In einer von der dänischen Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchung fand das Institut für Nahrungs- und Ressourcen-Wirtschaft, Institut for Fødevare- og Ressourceøkonomi, an der Universität in Kopenhagen heraus, dass bis zu 30 Prozent des dänischen Fischfanges aus britischem Fahrwasser stammen.

Der aktuelle Bericht untersuchte die dänischen Fänge der Jahre 2016 bis 2018, teilt das dänische Außenministerium gegenüber der Presse mit.

Die dänische Regierung beauftragte das Institut mit der Studie, um herauszufinden, welche möglichen Konsequenzen der britische Ausstieg aus der EU für die Fischerei eventuell haben kann.

„Ein Brexit ohne Zugang zu britischen Fahrwassern wird möglicherweise ernste Konsequenzen für die dänischen Fischer haben. Das macht mir Sorgen“, sagt Fischerei-Ministerin Eva Kjer Hansen, Venstre.

Der Brexit könne ebenfalls Konsequenzen für die Fischindustrie, die daran geknüpfte Wirtschaft und die Menschen vor Ort haben.

„Örtlich können mehrere Hundert Arbeitsplätze in Gefahr geraten“, so Eva Kjer Hansen.

Am stärksten betroffen seien große Trawler, die freischwimmende Fischarten wie Hering und Makrele fischen, sowie die Industrie-Fischerei, die Tobias-Fische (Tobis) erntet.

Außerdem gebe es gewisse Fangmengen von Dorsch, Strahlenflossern, Kohlfischen und Seeteufeln – Fischarten, die vor allem in Nähe des Meeresbodens gefangen werden.

Im Einzelfall bis 60 Prozent Fangverlust

Der Bericht analysiert auch, welche Fahrzeuge am meisten davon berührt wären, wenn es keinen Zugang zu britischen Fahrwassern mehr gäbe, und kommt zu dem Schluss, dass in Einzelfällen bis zu 60 Prozent Fangverlust zu befürchten sind.

Für dieses Jahr sei zunächst die Lösung, früher als geplant zu fischen, um auf der sicheren Seite zu sein. „Die dänischen Makrelen-Quoten sind bereits zum großen Teil genutzt worden“, so die Ministerin. Auch die Wittlinge-Fischerei (Dorschart) sei vorgezogen worden.

Die Regierung will „weiter hart daran arbeiten“, dass die dänische Fischerei auch nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU weiterhin Zugang zu britischen Hoheitsgewässern hat. Zugleich wird untersucht, ob andere Fanggebiete als Ersatz gefunden werden können.

Die Schließung der britischen Gewässer wird als „Worst-Case-Szenario“ bezeichnet.

„Das künftige Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien in Bezug auf die Fischerei wird als Teil eines Freihandelsabkommens verhandelt werden. Wir sind aber bereits jetzt im Dialog mit der EU-Kommission und den anderen Mitgliedsländern, die von einem Brexit ohne Abkommen auf dem Fischerei-Sektor berührt wären“, erklärt die Ministerin aus Nordschleswig.

  • Das Institut an der Kopenhagener Universität hat die Fangmengen dänischer Fischerei in britischen, norwegischen und färischen Hoheitsgewässern untersucht.
  • Die dänischen Fischer landen aus britischen Gewässern jährlich Fänge im Wert von ca. einer Milliarde Kronen an (30 Prozent aller dänischen Fänge), aus norwegischen ca. eine halbe Milliarde Kronen (14 Prozent der Fänge), während aus färischen Gewässern nur kleinere Fänge angelandet werden.
  • Als NegativSzenarien wurden die Folgen einer möglichen Schließung britischer, norwegischer und färischer Hoheitsgewässer analysiert.
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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Pforte nach Europa “