Online-Umfrage

EU-Wahl: Dänische Wähler fordern Besteuerung internationaler Konzerne

EU-Wahl: Dänische Wähler fordern Besteuerung internationaler Konzerne

EU-Wahl: Dänische Wähler fordern Besteuerung internationaler Konzerne

Dirk Thöming
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Vom 23. bis 26. Mai finden in 27 Ländern Wahlen zum EU-Parlament statt. An einer Online-Hörung zu den Wünschen der Wähler haben sich 1,5 Millionen Menschen beteiligt. Foto: Yves Herman / Ritzau Scanpix

29.000 Bürger in Dänemark nahmen an einer großen Online-Umfrage darüber teil, welche Themen das EU-Parlament nach der Wahl Ende Mai behandeln sollte.

In einer großen Umfrage haben 1,5 Millionen Wähler in den Ländern der Europäischen Union ihre Erwartungen zur Arbeit des EU-Parlamentes geäußert.

In Dänemark nahmen immerhin 29.000 Bürger an der Online-Befragung teil.

„Wir haben über Pressemitteilungen und Radiomeldungen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht. Darüber hinaus hatten wir Botschafter, die es in sozialen Netzwerken teilten. Aber Letzteres hatte nur einen geringeren Effekt“, sagt Merete Kabel, die die Abstimmung in Dänemark organisiert hat.

Sie ist mit der Beteiligung sehr zufrieden. Die dänischen Bürger hätten sich aus eigener Initiative auf der Homepage WeEuropeans.eu eingeloggt.

Zwei Gruppen von Teilnehmern

„Grob gesagt, gab es offenbar zwei Motivationen zur Teilnahme. Die eine Gruppe findet, die EU ist eine gute Sache, und ist in dem Sinne mit Vorschlägen für politische Themen gekommen. Die andere Gruppe steht der EU eher kritisch gegenüber“, so Merete Kabel gegenüber dem „Nordschleswiger“.

Top 1 in Dänemark ist die Forderung, dass internationale Konzerne in den Ländern, in denen sie in der EU tätig sind, besteuert werden können. Auf Platz zwei des Rankings fordern die Teilnehmer in Dänemark, dass die Gesundheit zum Beispiel gegenüber der Arbeit von Chemiekonzernen Priorität hat. Die Konzerne müssten garantieren können, dass ihre Produkte unschädlich gegenüber allem Leben auf der Erde seien.

Weitere Forderungen zielen vorwiegend auf die Arbeit der EU selbst ab, in der Machtmissbrauch und Geldverschwendung verhindert werden sollen.

Frei formulierbar

Alle teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger konnten eigene Vorschläge in ihrer Landessprache frei formulieren. Diese wurden dann für die anderen Teilnehmer sichtbar gemacht und konnten dann gevotet werden. Die Vorschläge, die letztlich die meisten Stimmen erhielten, werden jetzt in die nächste Abstimmungsrunde nach Brüssel gesendet.

„Das bedeutet, dass wir als Veranstalter die gesamten handgeschriebenen Vorschläge nicht durchgegangen sind. Am Ende gab es eine Liste der zehn Ideen, für die am meisten Bürger in Dänemark stimmten. Diese haben wir uns angesehen“, sagt Merete Kabel.

Zweite Runde folgt

Die Umfrage wurde von den nicht staatlichen und unabhängigen Initiativen Make.Org und Civico Europa durchgeführt und finanziert. Heute sollen die jeweiligen zehn Top-Vorschläge aus den 27 Mitgliedsländern bei einem Kongress im EU-Parlament präsentiert werden. Danach kommt es zu einer weiteren Abstimmungsrunde, um die besten zehn Vorschläge EU-weit zu finden.

Die knapp 30.000 dänischen Teilnehmer formulierten insgesamt 590 eigene Vorschläge und voteten 146.000-mal. Die dänischen Top 10 sind auf WeEuropeans.eu direkt einsehbar.

Die Wahlen zum europäischen Parlament finden vom 23. bis 26. Mai statt – in Dänemark Sonntag 26. Mai.

Was meinen Sie zur EU-Wahl, fragte "Der Nordschleswiger" in der Fußgängerzone in Apenrade. Foto: AFP PHOTO / FREDERICK FLORIN / Ritzau Scanpix

Was sagen Sie zur bevorstehenden EU-Wahl?

Bei einer kleinen Umfrage des „Nordschleswigers“ in der Fußgängerzone in Apenrade zeigte sich ein buntes Bild von mehr oder weniger EU-interessierten Bürgern.

Leo Jensen
Leo Jensen. Foto: Lana Riedel

„Ich habe mich noch nicht sehr damit beschäftigt, aber ich bin für die EU“, sagte Leo Jansen, der aus Skive zu Besuch in Apenrade war“ und das Wahldatum – 26. Mai – kannte. „An dem Tag ist dann ja auch Folketingswahl“, sagte er voraus.

„Ich weiß nicht richtig. Für mich ist die EU eine ärgerliche Sache“ („noget bøvl“), sagte die Apenraderin Helle Olesen.

„Ich weiß nichts weiter darüber. Von der Wahl habe ich nicht gehört“, meinte Monique, eine junge Frau aus Apenrade, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte.

Ebenfalls anonym und ohne Foto bleiben wollte Anders, ein jüngerer Mann, der aber eine klare Haltung einnahm: „Wir sollten nicht in der EU sein. Eine nordische Zusammenarbeit wäre besser. Eine Volksabstimmung würde bedeuten, dass die Dänen gegen die EU stimmen. Aber davor haben die Politiker Angst“, sagte er.

Mette Klingenberg
Mette Klingenberg und Tochter Julia. Foto: Lana Riedel

„Ich habe mich gar nicht mit der Wahl beschäftigt. Ich erfahre es über meinen Mann. Er berichtet mir immer über einige Dinge, wenn er nach Hause kommt“, sagte Mette Klingenberg aus Aggerschau, die mit ihrer Tochter Julia (10 Monate) auf Einkaufsbummel war.

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Gwyn Nissen Chefredakteur
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