Lokalgeschichte

Hoyers Chronist Claus Rolfs: Erinnerung an den Schöpfer eines Meisterwerkes der Heimatgeschichte

Generationen von Konfirmanden hat Pastor Rolfs eingesegnet. Das Foto zeigt den Jahrgang 1925, aufgenommen von Laurids Matthiesen im letzten Amtsjahr des Pastors.

Am 14. März 1926 nahm der Tod dem „lieben Pastor“ die Feder aus der Hand. Das umfangreiche Werk des 1856 in Dithmarschen geborenen Theologen und Historikers versorgt bis heute die lokalhistorische Szene in Nordschleswig mit wertvollen Einblicken in die deutsch-dänische Vergangenheit: 1998 erschien eine Übersetzung ins Dänische der „Geschichte des Kirchspiels und Fleckens Hoyer“.

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Im lokalhistorischen Archiv in Hoyer wird an Pastor Claus Rolfs erinnert, der die umfassende „Geschichte des Kirchspiels und Fleckens Hoyer“ verfasst hat.
  • Seine Chronik behandelt Kirchen-, Schul- und Sozialgeschichte sowie Sturmfluten, Gerichtswesen und wirtschaftliche Entwicklung der Region.
  • Das Werk gilt bis heute als unersetzliches Nachschlagewerk, liegt seit 1998 auch auf Dänisch vor und ist weiterhin im Archiv in Hoyer erhältlich.

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In der Kommune Tondern (Tønder) gibt es in den zugehörigen Städten und Dörfern nicht weniger als 14 lokalhistorische Archive.

In Hoyer (Højer) befindet sich das lokalhistorische Archiv in Nachbarschaft zur Mühle im Gebäude des Museumscafés. 

In diesen Tagen erinnert das dortige Team, das jeweils dienstags von 10 bis 12.30 Uhr Anfragen bearbeitet oder Archivalien entgegennimmt, an Pastor Claus Rolfs, der bis zu seinem Tode am 14. März 1926, unermüdlich die Geschichte von Hoyer und Umgebung, aber auch die seiner Heimat Dithmarschen erforscht hat. 

Die Veröffentlichung seines Meisterwerkes der Heimatgeschichte, der „Geschichte des Kirchspiels und Fleckens Hoyer“, hat er nicht mehr erlebt. 

Kurz vor der Fertigstellung des 605 Seiten umfassenden Buches nahm der Tod dem mit dem Ehrendoktortitel der Universität Kiel ausgezeichneten Pastor die Feder aus der Hand, so Pastor Ernst Michelsen, Klanxbüll (Klangsbøl) im Vorwort des im Juli 1926 veröffentlichten Werkes. 

Ein beeindruckender Fundus zur Vergangenheit

Alle, die sich mit der Lokalhistorie Hoyers und des westlichen Nordschleswigs befassen, finden darin bis heute einen beeindruckenden Fundus zur Vergangenheit des Küstenstreifens. 

Denn Rolfs hat nicht nur das Kirchenwesen mit der Erbauung der Hoyeraner Kirche um 1200 oder dem Untergang einer Kirche im Bereich Ruttebüll (Rudbøl) um 1400 erforscht.

Ein Gemälde von Pastor Claus Rolfs ist in der Hoyeraner Kirche zu finden.

Seine Chronik umfasst auch umfangreiche Darstellungen zum Schulwesen des Ortes, der während der Regierungszeit König Christian VI. mit der Erhebung zum Flecken im Herzogtum Schleswig sonst nur Städten zugestandene Privilegien wie Marktrechte und die Tätigkeit von Handwerkern erhielt. 

Der Pastor widmete sich auch der Lokalgeschichte

Der in einem Nachruf des Hoyeraner Hauptlehrers, Küsters und Ratmanns Peter Riggelsen als „unser lieber Pastor“ gewürdigte Theologe hat sich bei den jahrzehntelangen Studien zur Geschichte Hoyers ausgiebig auch mit der „Sozialgeschichte“ seines Heimatortes befasst, in den er 1893 als Gemeindepastor gezogen war. 

Auffallend umfangreich sind die Kapitel über das „Armenwesen“, Stiftungen und auch das Medizinalwesen, einschließlich des Wirkens des Krankenpflegevereins.

Die Kirche zu Hoyer mit ihrer über 800-jährigen Geschichte, war Wirkungsstätte von Claus Rolfs.

Riggelsen gibt Hinweise auf das große Interesse Rolfs an sozialen Fragen im schon seit Jahrhunderten von Selbstverwaltung und Eigeninitiative geprägten Gebiet von Hoyer und Umgebung. Das Gebiet hatte sich 1848 im Ersten Schleswigschen Krieg auf die Seite der schleswig-holsteinischen Unabhängigkeitsbewegung und deren freiheitlichen Verfassung gestellt. 

Rolfs verlor früh seine Eltern

Riggelsen notierte zu Rolfs Lebensgeschichte: „Als fünfjähriger Knabe verlor er seinen Vater und kurze Zeit darauf seine Mutter. Die Waisenkinder wurden von dem Großvater aufgenommen und nach dessen baldigem Tode von einem Onkel in Erziehung und Pflege genommen.“ 

Nach dem Schulbesuch in Ostrohe, wo er als Sohn eines Kleinbauern geboren wurde, kam er nach dem Unterricht in der Rektorklasse in Heide ans Gymnasium in Flensburg (Flensborg). 

Im Lokalhistorischen Archiv kann Material über Pastor Claus Rolfs eingesehen werden.

 „In Flensburg sind ihm die nordschleswigschen Verhältnisse und die dänische Sprache zunächst nahegetreten“, so Pastor Michelsen. Nach dem Abitur studierte Rolfs in Kiel Theologie. 

Zur „sozialen Ader“ des Pastors, der in Hoyer begabten Kindern Unterricht in Latein und Griechisch erteilte und damit den Besuch eines Gymnasiums ermöglichte, schrieb Riggelsen: „Es ist unzweifelhaft, dass diese Kinderjahre, in denen doch viel Sonnenschein fehlte, das Gemüt des Knaben und des Mannes geprägt haben. Hat doch Pastor Rolfs zeitlebens ein teilnehmendes Herz gezeigt für alle Gemeindemitglieder, über deren Lebensgang die mannigfachen Schatten des Lebens sich breiteten.“ 

Und weiter heißt es: „Bei aller Zurückhaltung gegenüber Andersdenkenden hat er die Liebe zu seiner dithmarsischen Heimat und zu seinem deutschen Vaterlande bis ans Ende treu bewahrt.“

Durch seine Frau mit den dänischen Verhältnissen vertraut

Pastor Rolfs war mit Caroline, geborene Sparrevohn (1852-1921), der Tochter eines dänischen Pastors, verheiratet. Durch seine Frau war er eng mit den dänischen Verhältnissen vertraut, und so konnte er vor Propst Kier in Tondern beim Wechsel von seiner ersten Pastorenstelle in St. Annen bei Lunden nach Hoyer ein dänisches Sprachexamen ablegen. 

Pastor Rolfs wirkte im heutigen Mitbürgerhaus, dem „alten Bürgermeisteramt“. Dieses diente Hoyer seit Jahrhunderten bis 1945 in Nachbarschaft zur Kirche als Pastorat der örtlichen Kirchengemeinde, zu der auch die südlich gelegenen Köge und das Dorf Ruttebüll zählten.

In Hoyer predigte er vor der Volksabstimmung 1920 im deutschen Kirchenwesen in beiden Sprachen. Ebenso nach 1920, als Hoyer trotz eines Votums von rund 75 Prozent der Stimmberechtigten für einen Verbleib bei Deutschland entsprechend den Abstimmungsbedingungen Teil Dänemarks wurde. Die Gemeinde votierte für Rolfs als Pastor für Deutsche und Dänen unter dem Dach der dänischen Volkskirche.

Ein unersetzliches Nachschlagewerk

Rolfs Chronik ist bis heute ein unersetzliches Nachschlagewerk für lokalhistorisch Interessierte in Nordschleswig. In den 1990er Jahren übersetzten neben dem Gründer des „Højeregnens Lokalhistoriske Arkiv“ Folmer Christiansen, Herbert Matzen und Mette Bossen Rolfs Werk ins Dänische. 

Finanziert vom Sparkassenfonds in Hoyer wurde die Chronik nicht nur in dänischer Version 1998 veröffentlicht. Es wurde auch eine Neuauflage der deutschen Ausgabe ermöglicht. Exemplare können bis heute im lokalhistorischen Archiv in Hoyer erworben werden. 

Der Grabstein des unvergessenen Pastors ist auf dem Hoyeraner Kirchhof erhalten

Rolfs hat zahlreiche historische Artikel und Bücher verfasst. In der Hoyer-Chronik sind besonders beeindruckend die Passagen zu den vielen Sturmfluten, die die Gegend heimgesucht haben. 

Zwischen Gerichtswesen, Adelsherren und Eindeichungen

Auch das Gerichtswesen und die Adelsherren, Grafen, Herzöge und Könige, die Hoyer als wohlhabenden Ort zur Kasse baten, aber auch Eindeichungen vorantrieben, werden ebenso wie Schifffahrt, Handel und „Gruselthemen“ wie ein Hexenprozess im Jahre 1648 vorgestellt.

Besonders aktiv war Rolfs im Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Groß war die Freude beim Hoyeraner Pastor, als er anlässlich des 400-jährigen Reformationsjubiläums zum Ehrendoktor der theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ernannt wurde.

Claus Rolfs, dessen Grabstein auf dem Hoyeraner Friedhof erhalten ist, hinterließ seine Tochter Margrethe Rolfs (1889–1962), die in Hoyer den ersten Kindergarten, die „Wartheschule“, geleitet hat.