Interview

Generalkonsulin Annette Lind: „Ich will Frauen mit an den Tisch bringen“

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Annette Lind ist seit März 2024 Generalkonsulin für das dänische Königreich in Flensburg.

Annette Lind ist seit März 2024 Dänemarks Generalkonsulin in Flensburg. Inzwischen bezeichnet sie ihre Beziehung zu den Minderheiten als eine enge Freundschaft. Ihre Arbeit im Konsulat versteht sie als Bindeglied zwischen Dänemark und Deutschland, das sie aber noch stärker nach außen hin öffnen möchte.

Nach gut zehn Monaten im Amt trifft „Der Nordschleswiger“ Annette Lind zum Interview im Generalkonsulat im Nordergraben in Flensburg. Sie hat sich gut eingelebt und erzählt im Interview, was sie ausmacht, und was sie mit ihrer Arbeit bewirken möchte.

Annette, du bist seit März Generalkonsulin. Oft ist so, dass jemand erst zum Ende der politischen Laufbahn ins Generalkonsulat wechselt. Du aber hast dich mitten in deiner Karriere als Folketingsabgeordnete für den Wechsel ins Generalkonsulat nach Flensburg entschieden. Warum?

Ich war fast 13 Jahre lang Folketingsabgeordnete und das habe ich auch richtig gerne gemacht. Aber die Regierung hatte mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, hier in Flensburg das Generalkonsulat zu übernehmen. Ich habe viel Erfahrung mit grenzüberschreitender Arbeit. Vor allem durch meine Mitgliedschaft im Nordischen Rat, wo ich auch Wortführerin war und mich viel mit dem Abbau von Grenzhindernissen beschäftigt habe. Die Themen, mit denen ich mich die vergangenen Jahre beschäftigt habe, passen sehr gut zu der Arbeit im Generalkonsulat in Flensburg. Also habe ich Ja gesagt und es seitdem nicht bereut.

Du hast das Generalkonsulat von Kim Andersen übernommen. Welche Veränderungen bringst du mit?

Ich denke, dass mit einer neuen Person immer auch ein neues Profil des Generalkonsulats entsteht. Aber ich denke, eine große Veränderung, an der ich arbeite, ist die Öffnung des Generalkonsulats nach außen hin. Wir organisieren Treffen, zu denen wir Menschen hier in das Generalkonsulat einladen – aus den Minderheiten, aber auch aus anderen Teilen der Bevölkerung von nördlich und südlich der Grenze. Es passiert ja richtig richtig viel hier im Grenzland – sei es Grænseforening, wirtschaftliche Zusammenschlüsse, Konferenzen und so weiter. Das Generalkonsulat ist Teil davon. Ich möchte gerne ein Bindeglied für Dänemark und Deutschland sein, aber auch für die Minderheiten beiderseits der Grenze.

Du bist sehr präsent in den sozialen Medien. Ist das Teil deiner Öffnungs-Strategie?

Ja, das ist es. Ich möchte die sozialen Medien gerne nutzen, um allen zu zeigen, was wir hier machen. Deshalb haben wir auch jemanden für die Öffentlichkeitsarbeit eingestellt.

Seitens der Politik wird häufig betont, dass man die grenzüberschreitende Arbeit sowie auch die enge Verbindung der deutschen und dänischen Minderheit stärken möchte. Du hast das ja auch gerade gesagt, aber wie genau sieht das eigentlich aus?

Hier in der Grenzregion gibt es ja vier anerkannte Minderheiten – die dänische, die deutsche, die friesische und die Sinti und Roma. Ich versuche, einen regelmäßigen Kontakt mit allen zu pflegen und lade sie hier ins Generalkonsulat ein.

Als Generalkonsulin repräsentierst du das dänische Königreich. Welche Rolle spielt die deutsche Minderheit in Nordschleswig bei deiner Aufgabe?

Die deutsche Minderheit ist ja ein Teil Dänemarks. Aber gerade wenn es um die grenzüberschreitende Arbeit geht, ist die deutsche Minderheit natürlich eine wichtige Akteurin und Teil sehr vieler Themen, mit denen ich mich beschäftige.

Was für Themen sind das denn zum Beispiel jetzt gerade?

Jetzt gerade sprechen wir über das anstehende 70. Jubiläum der Bonn-Kopenhagener-Erklärung. Vor wenigen Minuten endete ein Treffen, bei dem es um die Zukunft der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ging, da kam auch ein Vertreter der deutschen Minderheit. Ich würde sagen, ich habe jede Woche Treffen mit Vertretern aus einer der vier Minderheiten – aber vor allem der deutschen und oder dänischen. Wenn es um die grenzüberschreitende Arbeit geht, haben wir alle dieselben Interessen und die Tatsache, dass wir gemeinsam dafür arbeiten, hat eine große Bedeutung.

Frauen sind keine Minderheit, aber eine marginalisierte Gruppe, die oft um Gehör kämpfen muss. Du hast gerade erst Frauen aus Nord- und Südschleswig zu einem Frauennetzwerk hier ins Generalkonsulat eingeladen. Warum?

Ja, das stimmt! Hättest du Lust, auch dabei zu sein? Genauso funktioniert das nämlich. Ich treffe in meiner Arbeit viele Frauen und dachte, ich könnte sie dazu einladen, sich mehr zu vernetzen. Es gibt so viele Treffen, bei denen wichtige Verhandlungen geführt werden, und da kommen viele Männer zusammen. Ich erlebe es so oft, dass ich an einem großen Tisch die einzige Frau oder eine von wenigen bin. Also habe ich gedacht, es könnte eine gute Idee sein, die Frauen, die ich auf meinem Weg in den ersten Monaten hier getroffen habe, einzuladen, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Das klingt so banal und das ist es auch. Aber es ist auch so wichtig.

An der Spitze eines Generalkonsulats sieht man Frauen selten. Macht es einen Unterschied, dass du weiblich bist?

Ja, ganz bestimmt. Gerade weil ich in meiner Funktion oft an Tischen sitze, an denen überwiegend Männer zusammenkommen, hat es eine Bedeutung, dass ich eine Frau bin, weil ich manchmal die einzige oder eine von wenigen bin, die eine weibliche Perspektive mitbringen. Ich empfinde das auch als eine Verantwortung anderen Frauen gegenüber. Und es ist schließlich der Grund, warum ich nicht nur Menschen aus den Minderheiten und der Mehrheitsbevölkerung nördlich und südlich der Grenze zusammenbringen will, sondern auch explizit Frauen.