Gleichberechtigung

Mut, Widerstand, Triumph: Eine Statue für Dänemarks erste Ärztin

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Nielsine Nielsen hat 1885 als erste Frau in Dänemark ihr Medizinstudium abgeschlossen.

Vor 150 Jahren wurde Nielsine Nielsen als erste Frau an der Universität Kopenhagen zum Studium aufgenommen. Auf ihrem Weg zur Medizinerin musste sie etliche Widerstände überwinden. Jetzt soll eine Statue an ihre Pionierleistung erinnern.

Nielsine Nielsen öffnete vor 150 Jahren die Pforten der Universität Kopenhagen (in jener Zeit die einzige Universität in Dänemark) für Frauen.

Die damals 24-Jährige stellte 1874 einen Antrag an das Kirchen- und Unterrichtsministerium, zum Medizinstudium aufgenommen zu werden. Laut „Dansk Kvindebiografisk Leksikon“ schickte sie ihn jedoch nicht direkt an das Ministerium, sondern an den Arzt und nationalliberalen Politiker C. E. Fenger, der ihr Anliegen unterstützte und weiterleitete.

Ein Jahr später erhielten Frauen per königlichem Dekret das Recht, sich an der Universität immatrikulieren zu lassen. 1885 bestand Nielsen ihr abschließendes Examen mit der höchsten Note. Jetzt soll eine Statue am medizinischen Museum „Museion“ ihre Pionierleistung würdigen.

„Ihr Kampf für den Zugang zur Universität war der Startschuss für eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist“, sagt Anne-Sofie Stampe, Kuratorin am „Museion“, laut einer Pressemitteilung der Universität Kopenhagen.

Gegen den Widerstand des Vaters

Zu den Gegnern von Nielsens akademischer Laufbahn zählte ihr eigener Vater, der Seemann Lars Nielsen. Sie war das jüngste von sechs Geschwistern und wuchs in Svendborg auf Fünen (Fyn) auf. Bereits als 17-Jährige sehnte sie sich weg aus dem 5.000-Seelen-Ort.

An den Vater gerichtet fand die junge Frau in ihrem Tagebuch deutliche Worte: „Männlichkeit, ich verspotte dich. Du, mit deiner eingebildeten Stärke, die uns an geistiger Kraft überlegen sein soll. Nein, bei Frauen findet man Ausdauer und seelischen Adel.“

Die Universität Kopenhagen hat die Auszüge aus dem Tagebuch in einem Porträt von Nielsine Nielsen veröffentlicht. Aus der Beschreibung geht hervor, dass ein klein gedruckter Artikel in einer Zeitung den Traum in ihr weckte, Ärztin zu werden. Hier konnte sie lesen, dass Frauen in den USA Medizin studieren durften.

Der Umweg über den Beruf als Lehrerin

Nach einigen Auseinandersetzungen mit ihrem Vater gelang der erste Schritt: Sie zog nach Kopenhagen. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin an einer Mädchenschule. Gleichzeitig schrieb sie Briefe an Frauen in anderen Ländern, um Ratschläge zu erhalten, wie sie ans Medizinstudium gelangen könnte.

Eine schwedische Ärztin riet ihr, Kontakt mit dem bereits erwähnten C. E. Fenger aufzunehmen. Er war nämlich bekannt dafür, dass er sich für Bildungsmöglichkeiten für Frauen einsetzte. Er ebnete ihr zunächst den Weg zum Abitur als Voraussetzung für das Studium.

„Gegen die Gesetze der Natur“

Etliche Ärzte in Kopenhagen sprachen sich dagegen aus, dass eine Frau Medizin studiert. Einer meinte, ihr Wunsch sei ausschließlich ein Ausdruck von Eitelkeit.

In ihrem Tagebuch notierte Nielsen, die Ärzte würden abstreiten, dass sie die Konkurrenz einer Frau fürchten: „Nein, sie liebten ihre Wissenschaft so sehr, dass ihre Ausübung verringert würde, wenn Frauen sich aufdrängen würden.“

Als sie 1874 mit Fengers Hilfe das Ansuchen an das Ministerium schickte, gab es erneut Widerstand. Der Medizinprofessor Mathias Saxtorph meinte, es würde nicht nur gegen die Gesetze der Natur gehen, sondern auch gegen Anstand und Moral. Der Gedanke erfülle ihn mit „Ekel“.

Nielsen stellte hohe Ansprüche an sich selbst

Die Mehrzahl der Mediziner an der Universität unterstützte jedoch Nielsine Nielsen, und so erließ der König 1875 das Dekret, dass Frauen an der Universität studieren dürfen.

Als sie 1877 erstmals den Hörsaal betrat, saßen dort 200 männliche Studierende und blickten sie an. Die Situation war ein wenig bedrückend für sie. Die angehende Ärztin hatte jedoch eine Stütze an ihrer Seite: Marie Gleerup, die gemeinsam mit ihr das Abitur gemacht hatte.

„Ich hatte das Gefühl, mich in einem Außnahmezustand zu befinden, und ich musste meine Dinge gut machen, damit unsere Gegner nicht triumphieren konnten.“

Medizin wird zum Frauenberuf

1885 wurde Nielsine Nielsen Dänemarks erste Ärztin. Ein Jahr später schloss Marie Gleerup ihr Medizinstudium ab.

Das Museum „Museion“ hat 750.000 Kronen von „Statens Kunstfond” für die Statue von Dänemarks erster Ärztin erhalten. Sie soll 2026 an zentraler Stelle aufgestellt werden.

„Wir hoffen, dass die Statue nicht nur ein historisches Monument wird, sondern auch ein wichtiger Katalysator für wichtige Gespräche über Repräsentation und Gleichberechtigung – heute und in der Zukunft“, so Kuratorin Anne-Sofie Stampe.

2024 waren 68 Prozent der neuen Medizinstudierenden an der Universität Kopenhagen Frauen. Der Anteil der Frauen in einer Position als leitende Oberärztin ist laut „Ugeskrift for Læger“ zwischen 2008 und 2020 von 21 auf 41 Prozent gestiegen.