Ausstellung

Kunst als Ventil für traumatische Kriegserlebnisse

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Ingebeth Clausen, Stefan Kuhlmann, Christine Seifert und Roy Hansen beim Aufhängen der ersten Gemälde.

Zu Lebzeiten verarbeitete der Kieler Künstler Josef Vogler seine Erlebnisse als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Seine in Ekensund lebende Tochter stellt seine Werke nun aus und möchte einige von ihnen für einen guten Zweck versteigern.

Als der Kieler Künstler Josef Vogler 2011 verstarb, hinterließ er seiner Tochter Christine Seifert Hunderte von Aquarell-, Öl-, und Pastellgemälden, die die schönsten Seiten von Schleswig-Holsteins Natur zeigen. Josef Vogler hatte einst seine fürchterlichen Kriegserlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg mithilfe von Staffelei, Malblock, Bleistift und Pinsel verarbeitet. Er schuf etwas, das ihm und anderen Kraft und Energie geben sollte. In seinen Werken hielt er immer das Gute und Schöne in der Natur fest.

Ausstellung und Auktion

80 Bilder des früheren Modellmachers aus Kiel werden in den kommenden Wochen im früheren Rathaus „Broagerhus“ zu sehen sein.

Stadtratsmitglied Christel Leiendecker (Schleswigsche Partei) leitet am heutigen Mittwoch, 8. Januar, um 16.30 Uhr, offiziell die Ausstellung des lokalen Initiators Get-Together in Broacker ein.

Die Ausstellung hat im kommenden Monat jeden Mittwoch von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Wer die Werke zu anderen Zeitpunkten besichtigen möchte, kann dies nach Absprache mit Roy Hansen, Tel. 22 90 05 84, royhansen13a@outlook.com, oder Liss Lindholm, Tel. 26 87 02 09, lisslind@icloud.com.

Christine Seifert verkauft 80 Werke ihres Vaters bei einer Auktion.

Ganz im Sinne des Vaters

Christine Seifert, die vor drei Jahren nach Ekensund (Egernsund) zog, hat sehr viele Kunstwerke geerbt - und sich daher dazu entschlossen, einige zu verkaufen. In einem Monat – am 8. Februar – findet von 15 bis 16 Uhr im Broagerhus eine Auktion statt. Der Erlös fließt in einen wohltätigen Zweck.

„Das ist auch im Sinne meines Vaters“, so Christine Seidler. Das Aufhängen der vielen Werke ist für sie keine Herausforderung. Josef Vogler hat seine Arbeiten schon oft mithilfe seiner Tochter Christine bei größeren und kleineren Ausstellungen in und um Kiel einem breiten Publikum präsentiert. Jedes einzelne Werk wird mit einer Nummer und einem Preis ausgestattet.

Meinem Vater war es auch immer wichtig, dass seine Bilder in gute Hände kommen.

Christine Seifert

Für sie ist der Verkauf der Werke ihres Vaters keine schwere Entscheidung. „Ich habe zu Hause ja auch noch viele. Man muss auch einfach loslassen können. Meinem Vater war es auch immer wichtig, dass seine Bilder in gute Hände kommen“, meint sie lächelnd. Christine Seifert ist ein aktives Mitglied des lokalen Treffpunkts für Zuzüglerinnen und Zuzügler im Broacker, Get-Together.

Die Kunstwerke werden in großen Kästen transportiert.

Josef Vogler widmete sich als junger Mann dem Weben und Textildesign, bis der deutsche Reichsarbeitsdienst ihn 1938 nach Rendsburg (Rendsborg) schickte. Bei seinem dortigen Aufenthalt beeindruckte ihn die großartige Natur Schleswig-Holsteins. Vogler hatte stets einen Zeichenblock dabei. Selbst im Zweiten Weltkrieg, bei dem er von 1939-1945 als Soldat im Einsatz war. Als der Krieg zu Ende ging, verschwanden leider all seine damaligen Skizzen, Bilder und Designs, so die Tochter.

Josef Vogler

1919 im früheren Sudetenland (heute Tschechoslowakei) geboren

2011 in Kiel gestorben

1938 nach Rendsburg vom Deutschen Reichsarbeiterdienst einberufen

1939-1945 Soldat im Zweiten Weltkrieg

1945-1950 als Kriegsgefangener in Neustadt/Holstein

1950 Heirat und Familie gestiftet

Bis 1982 Modellmacher im öffentlichen Dienst

1973-1985 Lehrkraft für Kunst an der Erwachsenenlehrstätte Kiel

Ingebeth Clausen und Christine Seifert diskutieren, wie die verschiedenen Werke am vorteilhaftesten ausgestellt werden.