Historie

Ausgrabung Norburg: Archäologen bis zu den Knien im Matsch

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In dem matschigen Loch wurde fleißig gebuddelt.

An der weit unten liegenden Ausgrabungsstelle an der Storegade 32 stehen viele und schauen vom Zaun aus nach unten in das triefend nasse Loch. Die Archäologen fanden unter anderem Keramik aus Deutschland.

Es war ein Geotechniker des Architekt- und Ingenieurunternehmens Sweco, der vor einigen Wochen bei der Ausgrabung des früheren Fakta-Grundstücks an der Storegade 12 plötzlich auf die Überreste eines aus Mönchs-Steinen errichteten alten Kellers stieß.

Unter dem Gelände, wo eigentlich der neue kleine Stadtpark spätestens im Sommer entstehen soll, kamen ein Fußboden aus Pickelsteinen und Löcher von Eichenpfosten zum Vorschein. Auf dem Gelände, wo vor Jahrhunderten der Norburger Kanal zum Schloss verlief, wurde im 17. Jahrhundert ein Eigenheim einer recht wohlhabenden Familie errichtet.

Das meinen der Ausgrabungsleiter und Museumsinspektor der archäologischen Abteilung des Museum Sønderjylland, Anders Hartvig, und seine Kollegen Niels Michaelsen und Museumsinspektor Peter Kahr Jørgensen.

Das Wetter hätte besser sein können. Aber Peter Kahr Jørgensen schwärmt trotzdem: „Es ist selten, dass wir eine Stelle mit einer so fantastischen Geschichte finden. Hier erhalten wir einen Einblick in das Mittelalter und die Renaissance.“

Keramik aus Deutschland

Anders Hartvig leitet die Ausgrabung auf dem früheren Fakta-Grundstück in der Storegade 32.

Es ist selten, dass wir eine Stelle mit einer so fantastischen Geschichte finden. Hier erhalten wir einen Einblick in das Mittelalter und die Renaissance.

Peter Kahr Jørgensen

Die Historiker haben vor Ort Keramik aus Deutschland und auch holländische Majolika gefunden. Infolge historischer Quellen hat in der Storegade 32 im Jahr 1671 ein Amtmann gelebt, der vor dem großen Brand 1665, der einst ganz Norburg zerstörte, im Schloss lebte.

Für die Ausgrabung des Museum Sønderjylland sind einige Wochen eingeplant – trotz der ungewöhnlich vielen Millimeter Niederschlag. So auch am Dienstagvormittag. Im strömenden Regen stehen die Männer mitten in einem eingezäunten großen metertiefen matschigen Loch neben der Storegade und müssen schwer kämpfen, um in ihren Gummistiefeln vorwärtszukommen.

Für Überdachung zu klein

Eine mobile Überdachung wäre perfekt gewesen. „Aber dafür ist das Projekt zu klein. Wir sind hier ja nur einige Wochen. Das wäre zu teuer geworden“, so Anders Hartvig. Also graben sie mit den Schaufeln die verschiedenen Erdschichten und verschiedene Mauern frei.

Anders Hartvig (l.), Niels Michaelsen und Peter Jørgensen

Der Matsch reicht ihnen bis zu den Knien, aber sie lachen. Niels Michaelsen zeigt mit der einen Hand auf eines der tieferen von Wasser gefüllten Löcher: „Da mussten wir gestern Anders rausziehen. Er saß fest in seinen Stiefeln.“

„Schau dort drüben. Da liegt ein größerer Pfosten. Mit ihm wurde das feuchte Gelände für den Bau des Hauses vorbereitet“, erklärt Anders Hartvig. Die Archäologen fanden auch eine Münze, die aber erst noch konserviert werden muss.

Die Archäologen hätten sich gewünscht, dass die Arbeiten der Geotechniker mit dem Schaufelbagger vor ihrer Ankunft nicht so umfangreich gewesen wären. Die weißen Zettel an den verschiedenen Lagen der Erde sind Markierungen der Geotechniker.

„Wenn es mal aufhört zu regnen, dann können wir auch die Fundamente von anderen Gebäuden erkennen. Aber manchmal wissen wir nicht, welche Mauer zu welchem Haus gehört“, meint Peter Jørgensen. Sie legen alles frei, ob Mönchs- oder später Ziegelsteine. Vom Norburger Brand im Jahre 1792 fanden sie eine schwarze Kante, die Überreste des verbrannten großen Hauses.

Eine matschige Angelegenheit: Stiefel und Kleidung voller Spritzer

Entwicklungsforum zahlt

Die Männer arbeiten weiter. „Mit dem Regen wird es mal aufhören. Irgendwann“, kann sich Anders Hartvig nicht verkneifen.

Die Ausgrabung des Museum Sønderjylland kostet 301.622 Kronen. Sie wird mithilfe des Entwicklungsforums Nordalsen finanziert, für die die Sonderburger Kommune 3 Millionen Kronen abgesetzt hat. Das Entwicklungsforum hat zusätzlich 200.000 Kronen für eventuelle Ausgaben bei der Wiederherrichtung des Geländes reserviert. Damit soll gesichert sein, dass der neue Park wie gewünscht schon im Sommer eingeweiht werden kann.

Niels Michaelsen zeigt auf den großen Pfosten, mit dem das feuchte Gelände stabilisiert wurde, bevor das alte Haus errichtet wurde.
Mit einem Zaun wurde die Ausgrabungsstätte abgesichert. Viele schauen von oben hinunter zu den arbeitenden Männern.
Das frühere Stadtratsmitglied Niels Ole Bennedsen (Soz.) verfolgte ebenfalls die Ausgrabung vom Zaun aus.
Das viele Wasser wird von einer Pumpe aufgesaugt.