Bildung

Auf den Spuren der Vergangenheit: Schulkinder entdecken archäologische Funde

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Schulkinder aus Tondern schlüpfen in die Rolle von Archäologinnen und Archäologen. Museumspädagoge Lars Nielsen (r.) begleitet die Kinder bei der Forschungsmethode.

Keramik oder Knochen: Wie fühlt es sich an, einmal Indiana Jones zu spielen? Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern besuchen das Museumsmagazin in Rothenkrug und bringen historische Stücke aus Tonderns Erdreich ans Licht. Eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit.

„Wir haben gerade einen großen Knochen gefunden – darüber sind wir sehr stolz“, sagt der zwölfjährige Schüler Jonas Maximilian Grimmert aus Tondern (Tønder). Einmal in die Arbeit eines Archäologen schlüpfen? Viele stellen es sich vor wie in einem Indiana-Jones-Film, aber in der Realität sieht es ein wenig anders aus: Mit Schaufeln und Sieben ausgestattet, stehen die jungen „Forschenden“ der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern vor unscheinbaren weißen Säcken voller Erde im Museumsmagazin von Museum Sønderjylland in Rothenkrug (Rødekro) – und doch wissen sie genau, was sich dahinter verbirgt.

Es handelt sich um Erden aus Tonderns Stadtmitte. Diese Erden können Relikte aus der Vergangenheit Tonderns freigeben, die seit mehreren hundert Jahren im Verborgenen lagen. Und jeder kleine Splitter aus Keramik, jeder kleine Knochen oder jede winzige Fischgräte können die Geschichte von Tondern erzählen und wie die Menschen vor mehreren hundert Jahren lebten, verrät Museumspädagoge Lars Nielsen, der eigentlich ausgebildeter Schullehrer und sehr an Archäologie interessiert ist.

Aktion im Museum Sønderjylland in Rothenkrug

  • Das Museum Sønderjylland in Rothenkrug sei kein gewöhnliches Museum: Im Magazin würden rund 300.000 Gegenstände aufbewahrt, erklärt Nielsen.
  • Das Naturschutzzentrum Südjütlands (Bevaringscenter Sønderjylland) sei für die „Lagerung, Konservierung und Kommunikation unter einem Dach“, wie es auf ihrer Website steht, zuständig.
  • Schülerinnen und Schüler erhalten einen Einblick und werden durch das Magazin geführt. Dabei treffen sie auf Mitarbeitende der Archäologie und des Konservatoriums.

Von Keramik, Muscheln bis hin zu einem menschlichen Zahn

„Die Kinder werden von Anfang an gut einbezogen“, sagt Klassenlehrerin Lilian Jensen. Zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler in Tondern eine Führung mit Harald Christensen in Tondern und haben das Hafenprojekt kennengelernt. Man könne sich heutzutage kaum vorstellen, dass Tondern vor fast einhundert Jahren eine Hafenstadt gewesen sei, staunt auch Jensen. Die Kinder würden viel über die Lokalgeschichte lernen. Die Aktion sei „Geschichtsunterricht zum Anfassen“.

Vor einigen Jahren habe es Ausgrabungen in Tondern gegeben, erzählt Nielsen. Es wurden fast 10.000 Gegenstände gefunden, unter anderem Nüsse, Austern, Keramik, Knochen von Tieren wie Schafen, Kühen, Schweinen oder Fischgräten – und ein menschlicher Zahn. „Dann wird die Historie ganz besonders“, sagt Nielsen.

Es ist gut, dass wir Hintergrundwissen bekommen. Es ist wichtig, dass die Kinder die Gegend kennen, aus der sie herkommen.

Lilian Jensen

Die Schulkinder werfen sich geeignete Regenmäntel um und gehen zu den weißen Säcken, die mit Erde gefüllt sind. Die Erde stammt von der Stadtsanierung in Tonderns Stadtmitte, wo vor fast einhundert Jahren der zugeschüttete Hafen lag.

Museumspädagoge Lars Nielsen erklärt den Schülerinnen und Schülern die Arbeitsmethoden und welche Gegenstände bereits gefunden wurden.

Die Schülerinnen und Schüler sind die Ersten, die die Gegenstände berühren. Die Letzten, die diese Gegenstände berührt haben, sind Menschen vor 400 Jahren in Tondern.

Lars Nielsen

Mit einer Schaufel nehmen sie die Erde und entleeren sie in Siebe, die sich über einem großen Container mit Wasser befinden. Mit einem Schlauch wird die Erde nass gemacht und nach Fundstücken gesucht. Das Museum lädt seit 2023 Schulklassen zu solchen Aktionen ein. Im vergangenen Jahr kamen 18 Klassen. Dieses Jahr sind 23 aus verschiedenen Schulen angemeldet – die fünfte Klasse der LAS ist eine von ihnen.

„Dass wir alte Sachen finden können, die es schon vor vielen Jahren gab, wie zum Beispiel Spielzeug“, findet Schüler Jonas Maximilian Grimmert besonders spannend.

Auch Lærke Bucka, 11, aus Hostrup macht die Aktion Spaß. Gelernt hat sie, „dass die Erde, in der wir graben, 100 bis 400 Jahre alt ist“, sagt die Schülerin.

Auf den Spuren von Tonderns Geschichte suchen Schulkinder der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern Fundstücke in verschiedenen Säcken mit Erde.

Ich finde es cool, Sachen auszugraben.

Jonas Maximilian Grimmert

Insgesamt 629 Fundstücke aus der Vergangenheit

Im Anschluss werden die historischen Fundstücke von den Schulkindern gezählt und sortiert. Insgesamt wurden 629 Gegenstände gefunden, davon 227 Knochen und 199 Muscheln.

Die Schulkinder finden viele Knochen von Kühen, Schafen und anderen Tieren. Selbst Essensreste und Keramik holen sie aus der Erde Tonderns. Nielsen vermutet, dass die Fundstücke etwa 300 bis 400 Jahre alt sind. Andere dänische Schulklassen aus Tondern hätten Spielzeug oder Pfeifen gefunden. Es sei unterschiedlich, je nachdem, welchen Sack man nehme, erklärt der Museumspädagoge. Um sicherzugehen, dass keine Fundstücke übersehen werden, kontrolliert Nielsen die Siebe der Kinder und schüttet Irrelevantes wie Steine in den mit Wasser gefüllten Container.

Die gefundenen Gegenstände würden anschließend von Archäologinnen und Archäologen des Museums untersucht. „Vielleicht brauchen wir die Gegenstände später zur Forschung“, sagt Nielsen. Es könne beispielsweise herausgefunden werden, welche Tiere von den Menschen gegessen wurden.

Die Kinder wissen, wonach sie suchen sollen. Sie wissen, wie sich die Gegenstände anfühlen und erkennen sie an den Farben.

Lars Nielsen

Gegenstände werden im Museum konserviert

„Wenn gegraben wird, dann kommen die Gegenstände zu mir“, erklärt Karen Louén. Sie ist Konservatorin im Museum und arbeitet fast ausschließlich mit der Archäologie zusammen. Die Gegenstände für die Forschung müssen bis auf die Grundform gereinigt werden, damit die Archäologinnen und Archäologen diese untersuchen können. Damit die Gegenstände so aussehen, wie hinter der Glasscheibe im Museum, werden sie geröntgt und gereinigt. Im Magazin werden die Gegenstände dann aufbewahrt, erklärt Louén: Es handelt sich um archäologische Gegenstände aus ganz Nordschleswig bis nach Kolding.

Wie Indiana Jones mit Regenmänteln?

Karen Louén ist Konservatorin in Rothenkrug.

„Sie sind Mitforschende“, sagt Nielsen über die Schulkinder der Tonderner Schule. Die jungen Schülerinnen und Schüler arbeiten nach den Forschungsmethoden der Archäologie. Er hofft, bei ihnen die Begeisterung für das Fach zu wecken. In den kommenden Wochen werden noch weitere Schulkinder in die Rolle von Archäologinnen und Archäologen schlüpfen. Die Nachfrage sei groß und es gebe viele positive Rückmeldungen, erzählt Nielsen.

Wie in einem Spielfilm, in dem Protagonistinnen und Protagonisten der Vergangenheit auf der Spur sind, entdecken die Schülerinnen und Schüler historische Fundstücke aus der ehemaligen Hafenstadt Tondern – und forschen wie echte Archäologinnen und Archäologen.