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Petri Schule: Wo sich Deutsch und Dänisch seit 450 Jahren begegnen

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Marlene Erhardt und Bjørn Bolvinkel Andersen sind Schülersprecherin und Schülersprecher an der Petri Schule.

Marlene Erhardt und Bjørn Bolwinkel Andersen besuchen die älteste deutsche Auslandsschule, nämlich die in Kopenhagen. In ihrer Biografie wie in ihrer Denkweise vereinen sie die beiden Kulturen.

Die beiden Schülersprechenden verkörpern gemeinsam so etwas wie die Essenz der Sankt Petri Schule in Kopenhagen. Marlene Erhardts Eltern sind deutsch, Bjørn Bolvinkel Andersens dänisch.

Die Jugendlichen selbst sind beides: deutsch und dänisch; mit unterschiedlicher Gewichtung. Sie besuchen die 9. Klasse an der Schule im Zentrum von Kopenhagen.

Marlene Erhardts Eltern zogen vor ihrer Geburt nach Dänemark. Als sie ins Schulalter kam, war die Petri Schule für ihre Eltern die richtige Wahl. „Sie wollten gerne, dass ich Deutsch und Dänisch lerne“, sagt sie.

Die Mutter lernte Deutsch zu lieben

Und daher besucht Marlene seit der 0. Klasse die älteste deutsche Auslandsschule. Dasselbe gilt für Bjørn Bolvinkel Andersen. Der Anstoß war, dass seine Mutter ein Jahr lang in Österreich lebte und dort die deutsche Sprache lernte.

„Ihr gefiel es, Deutsch zu sprechen, und sie fand die Sprache gut. Deshalb wollte sie, dass ihre Kinder auch Deutsch sprechen“, so Bolvinkel Andersen.

Als Kind erforderte das Deutschelernen zunächst einigen Einsatz von ihm. Auch die Kultur war anders, als die. die er kannte.

„Ich fand es spannend, in das deutsche Milieu einzutauchen. Jetzt finde ich es toll, Deutsch gelernt zu haben“, so sein Blick auf fast zehn Jahre Schulzeit.

Zweisprachigkeit als das Verbindende

Für Erhardt ist es umgekehrt wichtig gewesen, dass sie das Dänische auch nach der Krippe und dem Kindergarten weiter pflegen konnte. Der Unterricht an der Schule ist zweisprachig. Die Lehrkräfte unterrichten in ihrer jeweiligen Muttersprache.

„Ich finde es toll, dass so gut wie alle Schülerinnen und Schüler Dänisch und Deutsch sprechen. Dadurch haben wir etwas gemeinsam, es macht unsere Gemeinschaft aus“, sagt sie.

Die Petri-Welt als Heimat

Georg Miller ist seit 25 Jahren Lehrer an der Petri Schule. Er ist seinerzeit aus Deutschland nach Kopenhagen gekommen. Auch ihm bedeute das Deutsch-Dänische viel.

„Das ist meines Erachtens für viele Mitarbeitende so, die bereits länger in Dänemark sind. Diese Sankt-Petri-Welt ist eine Art Heimat für viele“, sagt er.

Die Schulleiterin lernte andere Pädagogik kennen

Schulleiterin Svenja Kuhfuss ist im Vergleich zu den anderen dreien ein regulärer Neuling an der Schule. Sie hat ihre Stelle 2021 angetreten. Zuvor hat die erfahrene Pädagogin ein großes Gymnasium in Deutschland geleitet.

Bereits unmittelbar nach ihrer Ankunft hat sie festgestellt, dass die Pädagogik an der Petri Schule eine andere ist, als sie es bisher gekannt hatte: „Ich war sofort davon beeindruckt, wie sehr die Lehrkräfte die einzelnen Schülerinnen und Schüler wahrnehmen.“

Svenja statt Frau Kuhfuss

Das in Dänemark gängige „Du“ war für sie zunächst gewöhnungsbedürftig. „Wenn jemand Svenja sagt, dachte ich: ‚Wie? Heißt hier noch jemand Svenja?‘ Bis ich gemerkt habe, dass ich gemeint war.“

Sie hat sich jedoch schnell daran gewöhnt, dass die Kinder sie nicht „Frau Kuhfuss“ nennen und sieht dies auch als ausgesprochen positiv: „Es bedeutet etwas. Man spricht persönlicher mit den Schülerinnen und Schülern.“

Die Anrede ist für die Schulleiterin ein Beispiel dafür, dass man an der Petri Schule das Beste aus beiden Welten wählt. Das deutsche wie das dänische Bildungssystem prägen den Lernalltag.

Es ist häufig so, dass die deutschen Kolleginnen und Kollegen meinen, es ist zu dänisch, und die dänischen, es ist zu deutsch.

Georg Miller

Überdurchschnittliche Ergebnisse

Für sie persönlich bedeutete das, dass sie ihren Unterricht umstellen musste. Aus Deutschland war sie es gewohnt, dass Bildungspläne und Lernziele das Wichtigste waren. Auf Sankt Petri geht es in höherem Maß um das Wohlbefinden des einzelnen Kindes und um gute Klassengemeinschaften.

„Das heißt, dass man die Pädagogik in den Vordergrund stellt und die Fachlichkeit an die zweite Stelle. Und trotzdem erreichen die Schülerinnen und Schüler am Ende auch die deutschen Lernziele“, betont Kuhfuss. Und sie überbieten die Lernziele sogar. Die Zensuren beim mittleren Abschluss liegen höher als der Durchschnitt an deutschen Schulen.

Zusammenstoß der Kulturen

So ist die Petri Schule seit 450 Jahren eine Begegnungsstätte für deutsche und dänische Kultur. Doch bisweilen begegnen sich die Welten nicht nur, sondern prallen aufeinander. Da kann die Diskussion im Lehrerzimmer schon einmal etwas hitziger werden, berichtet Personalratsvorsitzender Georg Miller.

„Es ist häufig so, dass die deutschen Kolleginnen und Kollegen meinen, es ist zu dänisch, und die dänischen, es ist zu deutsch“, sagt er.

Doch letztlich siege die Offenheit, und man gehe aufeinander zu. Und so werden die Deutschen etwas dänischer und die Dänen etwas deutscher, so wie es auch bei der Schülersprecherin und dem Schülersprecher der Fall gewesen ist.

Bjørn Bolvinkel Andersen und Marlene Erhardt moderierten die Festveranstaltung in der deutschen Botschaft.

Die Sprache der Träume

Gemeinsam moderierten sie Ende März die Festveranstaltung anlässlich des 450-jährigen Bestehens der Schule – und haben für ihren Einsatz großes Lob von ihrer Schulleiterin erhalten. Und da macht es weniger, wenn die Träume etwas unterschiedlich sind.

„Ich habe wohl ein paar Mal auf Deutsch geträumt, aber das geschieht nicht so oft“, sagt Bjørn Bolvinkel Andersen.

„Ich bin mir da unsicher. Ich glaube, ich träume auf Deutsch, auf Dänisch und gelegentlich auch auf Englisch. Das ist sehr bunt“, so Marlene Erhardt.