Deutsch-dänisch

Hans verlor mit seiner Brieftasche das Glück seines Lebens

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Ein Blick auf den Hafen von Hotel Alsik’s Point of View

Im Oktober 1982 legte das Segelschulschiff „Schwansen“ aus Damp in Sonderburg an. Ein Mitglied der Crew traf in einer Kneipe die ganz große Liebe. 42 Jahre später sucht er nun nach der schönen Sonderburgerin Inga.

Es ist eine Geschichte, wie aus einem Spielfilm. Für Hans aus Düsseldorf wurde ein 300-Meilen-Törn der deutschen Segelschule „Kapitän Strombeck“ im Oktober 1982 auf den Gewässern des dänischen Königreichs zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Beim Erwerb des Segelführerscheins war er an Bord des Segelschulschiffs „Schwansen“, und dieses Schiff legte für eine Nacht im Sonderburger Hafen an. Die achtköpfige Crew ging an Land, und in einer Kneipe traf der junge Mann eine Frau, die ihn magisch anzog.

Er war voller Liebe

Sie hieß Inga, sprach kein Wort Deutsch und er ebenso wenig Dänisch. Sie verständigten sich auf Englisch. Die anderen Crew-Mitglieder waren Stunden später schon zurück zur „Schwansen“ gegangen. „Aber ich konnte und wollte mich nicht trennen. Es war schon weit nach Mitternacht, da schlug Inga vor, zu ihr nach Hause zu gehen – was wir auch taten“, so Hans. „Der Nordschleswiger“ kennt seinen Nachnamen.

Ingas Vater wartete am Küchentisch sitzend auf seine Tochter. Warum? Darauf erhielt Hans schnell eine Antwort: Er wurde in ein kleines Kinderzimmer geführt, wo ein vier- bis sechs Monate alter kleiner Junge friedlich in seinem Bettchen schlief. Inga sagte nichts, aber der junge Mann verstand ihre Botschaft: Mich gibt es nur zusammen mit dem Kind. „Ich war irritiert – und gerührt und voller Liebe zu dieser wunderschönen jungen Frau“, erinnert er sich. Nach einer gemeinsamen Nacht wurden am nächsten Morgen Telefonnummern und Adressen ausgetauscht.

Aber das neue Glück in Dänemark sollte nur wenige Tage später abrupt enden. Hans verlor seine Brieftasche, die in einem unachtsamen Moment im Wasser unter dem Segelschulschiff verschwand. Die Sonderburgerin konnte ihn nicht erreichen, weil er in den folgenden Wochen zu einem längeren Auslandseinsatz abkommandiert worden war.

In den vergangenen Jahrzehnten ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich nicht an Inga gedacht habe.

Hans

Hochzeit und Karriere

Hans kam nie wieder nach Sonderburg zurück. „Es war wohl das Gedränge des Lebens“, wie es der 70-Jährige heute ausdrückt. Der junge Seemann aus Düsseldorf heiratete und war jahrelang im aktiven Justizdienst tätig. Er und seine Frau bekamen eine Tochter. Nebenbei ist Hans in einer sechsköpfigen Band der feste Schlagzeuger. Er kommt viel herum – aber die schöne Inga hat er nie vergessen.

„Ich glaube, ich habe mit der Brieftasche das Glück meines Lebens verloren. In den vergangenen Jahrzehnten ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich nicht an Inga gedacht habe“, sagt Hans. Das will er nun ändern.

Hans ist seit Jahren der Schlagzeuger in einer Band.

Die Frau seiner Träume – seiner Familie und auch Bekannten hat er nie von der schönen Inga aus Sonderburg erzählt – würde er nur zu gern wieder treffen. „Wenn sie sich meldet, dann würde ich kommen. Auf jeden Fall“, sagt er.

Inga selbst, oder wer Hinweise hat, darf sich gerne in der Sonderburger Lokalredaktion des „Nordschleswigers“, Tel. (0045) 7442 4241, melden.