Porträt

Irene Feddersen: Ein Herz für Menschen, Pflanzen – und leckere Torte

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Typisch für die 65-Jährige – zuerst an andere denken.

Ringreiten, Kinder hüten, Ausflüge planen: Das Leben der Tonderanerin ist alles andere als ereignisarm. Tagein, tagaus legt sich Irene Feddersen, Mitarbeiterin des Sozialdienstes Nordschleswig, ins Zeug, damit andere eine gute Zeit haben. Aber da gibt es auch die kleinen Dinge – vermeintlich unbeobachtete Momente im Auto oder kulinarische Rituale mit ihrem Mann, in denen es um sie geht. Und gegebenenfalls natürlich auch um ihn.

Irene Feddersen hätte eigentlich schon vorzeitig in Rente gehen können – den Bescheid dafür hat sie längst. Doch sie entschied sich, weiterzuarbeiten, bis zur Pension.

Eine solche Entscheidung kann wohl nur jemand treffen, der seine Arbeit aus tiefster Überzeugung macht – jemand, dessen Herzensangelegenheit es ist, anderen Gutes zu tun. „Der Sozialdienst hat in meinem Leben eine hohe Priorität und liegt mir sehr am Herzen“, sagt die 65-Jährige mit einem Lächeln.

Deutsche Minderheit mit Irene seit 1984

Die gebürtige Apenraderin kam erst 1984 durch ihren Mann Fedder Feddersen mit der deutschen Minderheit in Berührung. Seit 1995 ist sie als Bezirksvertreterin von Tondern im Vorstand aktiv, seit 2018 arbeitet sie hauptamtlich im Sozialdienst Nordschleswig.

Bis auf mittwochs – da kümmert sie sich alle 14 Tage um den Bezirksverein – fährt sie also jeden Tag von der Westküste nach Apenrade, zu ihrem Schreibtisch im Haus Nordschleswig, an dem sie die Computermaus täglich über ein Pad mit dem Porträt ihres verstorbenen Hundes bewegt. „So ist er immer noch bei mir“, sagt sie.

Irene Feddersen ist Herzlichkeit – dieses Wort möchte man der Tonderanerin bei einer Begegnung zweifellos recht schnell anheften. Sie sendet diese Herzlichkeit mit ihren Mails, und sie strahlt sie ihrem Gegenüber entgegen, sowohl im beruflichen als auch im privaten Rahmen.

Der Sozialdienst hat in meinem Leben eine hohe Priorität und liegt mir sehr am Herzen.

Irene Feddersen

Und so passt es doch ins Bild, dass Irene selten jemandem eine Antwort schuldig bleibt oder ebendiese tagelang hinauszögert. Feddersen ist selbst außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar – denn Menschen mit Respekt zu begegnen, ist ihr ein echtes Anliegen.

Erst die anderen – und dann sie

Besonders am Herzen liegt ihr, Leute zusammenzubringen. „Ich liebe es, Dinge auf die Beine zu stellen und Freizeitangebote zu organisieren“, erzählt sie. Tagesausflüge mag sie besonders – wenn sie ein Ausflugsziel im Auge hat, versucht sie, dieses gleich als Angebot des Sozialdienstes aufzunehmen. Denn es wäre nicht Irene, wenn sie nicht sofort an andere denken würde.

Sie erzählt von einem Erlebnis, das sie besonders berührt hat und ziemlich genau beschreibt, was die Arbeit beim Sozialdienst für sie zur Passion macht: „Bei einem 90. Geburtstag erzählte mir eine Person, dass sie gerne an Veranstaltungen teilnehmen würde, es aber nicht mehr kann. Wir haben daraufhin alle unsere älteren Treuen ins Haus Quickborn eingeladen und den Transport organisiert. Der Nachmittag war fantastisch und hat mich sehr gerührt.“

So sehr sie ihren Beruf liebt – noch näher am Herzen liegen der 65-Jährigen sechs kleine Verwandte. Denn die Zeit, die unter der Woche die Aufgaben beim Sozialdienst einnehmen, gehört am Wochenende – oder wann auch immer sonst Oma-Bedarf ist – ihren sechs Enkelkindern. „Ich bin liebend gerne Kindermädchen“, sagt sie und lächelt.

Irene Feddersen liebt es, Ausflüge zu planen und Menschen zusammenzubringen.

Ein Auto ist nicht genug

Im Sommer dürfen alle sechs zeitgleich bei Oma und Opa Feddersen Ferien machen und das Programm bestimmen: „Röm ist da natürlich hoch im Kurs.“ Dafür muss auch schon mal das Nachbarauto her, denn der Qashqai allein reicht nicht aus, um die ganze Bande zu transportieren.

Und die kinderfreien Tage? An denen mangelt es dem Ehepaar Feddersen nicht an Unternehmungsideen. „Wir setzen uns auf die E-Bikes und machen Touren – allein oder mit einem Freundespaar. Besonders gerne nach Deutschland, da gibt es die besten Torten“, sagt sie, und setzt ein Grinsen auf, bei dem ihre sympathischen Lachfältchen, die sich wie ein Fächer um ihre Augenwinkel legen, noch deutlicher zum Vorschein kommen.

Neben deutscher Torte gibt es ein weiteres kulinarisches Highlight, das sie – statt es in Deutschland zu genießen – nach Hause exportiert: geräucherten Fisch vom Husumer Wochenmarkt. Sobald der Fisch über die Theke gereicht ist, geht die Aufforderung an ihren Mann zu Hause raus: „Stell schon mal Bier und Schnaps kalt.“ So lassen sie es sich gut gehen. Es ist ihr gemeinsames Ritual, das sie seit Jahren primär in der Urlaubszeit pflegen.

Irenes Auto fährt „mit Schwung“

Wir haben ein ruhiges und gutes Leben.

Irene Feddersen

Die gelernte Bürokauffrau hat also immer etwas um die Ohren – und Musik auf den Ohren hilft ihr dann, den Kopf freizubekommen. „Ich mag deutsche Schlager sehr gerne. Aber Schwung müssen sie haben.“ Das bedeutet also, dass eine gute Chance besteht, Irene Feddersen im Auto auf ihrem Arbeitsweg beim Trällern und Wippen zu Blue Hawaii von Die Wikinger zuerwischen. Aber Vorsicht an alle Griesgrame: Die Ausgelassenheit ist trotz hochgekurbelter Scheiben womöglich ansteckend.

Auch die Folk-Musik auf dem Tønder Festival lässt sich die Mutter von zwei Töchtern und einem Sohn nur ungern entgehen. Aber es gibt nun mal etwas anderes, das in den Sommermonaten klar Vorrang hat: die Ringreiterfeste in Nordschleswig.

„Wir sind eine Ringreiter-Familie. Jedes Wochenende von Mai bis September sind wir in ganz Nordschleswig unterwegs – besonders gerne auch auf den kleinen Ringreiterfesten wie zum Beispiel in Renz“, erzählt sie.

Da ihre drei Kinder in Nordschleswig leben, werden die Ringreiterwochenenden regelmäßig zum Familienausflug. Richtig ambitioniert betreiben ihre beiden Enkelinnen Mathilde, 8 Jahre, und Ida, 12 Jahre, den Lanzensport. Und auch ihr Mann hat vor zwei Jahren nach 25 Jahren wieder mit dem Sport begonnen. Ein bisschen wehmütig wird Irene Feddersen da schon: „Ich habe das auch gemacht, und ich würde sehr gerne wieder aufs Pferd steigen, aber das lassen meine beiden neuen Kniegelenke gerade noch nicht zu.“

Früher betrieb das Ehepaar Feddersen neben einer Landwirtschaft eine Pferdezucht. Den Hof gibt es heute nicht mehr – die Zucht hat Tochter Renate übernommen.

Irene im Tortenhimmel – hier 2021 bei einem Kuchenfestival (Archivbild)

Ob ihr die Landwirtschaft heute fehlt? „Nein“, antwortet sie prompt. „Wir haben nun ein ruhiges und gutes Leben.“

Die drei Herzen der Irene

Ein bunter Garten aber ist ihr geblieben. Und wen soll es überraschen, dass sie neben einem Herz für Menschen und einem für Tiere auch noch ein Pflanzenherz hat? „Oh, ich bin eine Blumenfreundin“, gesteht sie.

Hortensien sowie andere Stauden und Sträucher verschiedenster Gattung haben es ihr angetan – und es kommen regelmäßig neue hinzu. „Manchmal zieht mein Mann mich dann an Blumenständen vorbei, aber wenn ich eine Pflanze sehe, die ich noch nicht habe, muss die mit.“ Da gibt es keine Diskussion. Ob wohl die Strauchrose Irene von Dänemark in ihrem Garten blüht?

Die Grünpflege übernimmt jedenfalls ihr Mann – schließlich kümmert sich Irene schon um ganz Nordschleswig.