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Hochwasser: Sommerhausbesitzende wappnen sich

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Frauen, Männer und Kinder schaufelten in dem Container den Sand in die Strandschutzsäcke.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser in Wenningbund erwarten das Schlimmste. Die Kommune Sonderburg warnt auch andernorts vor möglichen Konsequenzen – unter anderem auch beim Deich in Richtung Kekenis.

Normalerweise passiert an einem kühlen und verregneten Oktobervormittag mitten in der Woche nur sehr wenig in dem Touristen-Paradies Wenningbund (Vemmingbund). Fast keine Autos und alles still und besinnlich. Wer an diesem Donnerstag vom Flensborg Landevej abbog und hinunter zu den an der Hafenkante liegenden Sommerhäusern in Vemmingbund fuhr, durfte sich auf ein ganz anderes Bild gefasst machen.

Ein schweres Hochwasser und stürmisches Wetter hatten die Meteorologinnen und Meteorologen angekündigt und die Menschen strömten nach Vemmingbund, um dort ihr Hab und Gut vor den Wassermassen zu schützen.

In den folgenden Tagen soll der Wasserpegel laut den neuesten Meldungen von DMI (Dansk Meteologisk Institut) um bis zu 2,40 Meter ansteigen. Im Ferienort Wenningbund würde das für viele Häuser schwere Konsequenzen bedeuten. „Das haben wir noch nie erlebt“, meint auch der Leiter der Sonderburger Bereitschaftsabteilung, Allan Dalager Clausen.

Die Wellen zischten am Strand von Wenningbund schon am Vormittag an Land

Es wurde überall schwer gearbeitet

In dem kleinen sonst so beschaulichen Ort nordöstlich von Broacker (Broager) wurde daher vor und in den Häusern schwer geschuftet. Auf einem großen Container schaufelten Männer, Frauen und Kinder Sand in die vor dem Restaurant Minigolf ausgelieferten Wasserschutzsäcken.

Diese Säcke sollen bei den einzelnen Häusern das Eindringen von Wasser verhindern. Auf der schmalen Straße schlängelte sich ein Auto nach dem anderen durch das Sommerhausgebiet. Einige hatten einen Anhänger voller gefüllter Wasserschutzsäcke hinter ihren Wagen gespannt.

Die Feuerwehrleute sollten diesmal nicht die sonst so gängigen Watertubes – hohe mit Wasser aufgefüllte Plastikschlangen – als Schutz platzieren. Diese werden an anderen Orten mit einer kritischen Infrastruktur eingesetzt, wie die Kommune bekannt gab. Die Wassermassen in Wenningbund sollen mithilfe 350 großen Strohballen entlang der Straße gestoppt werden.

Von Ølgod nach Wenningbund

Von Ølgod waren auch die beiden Sommerhausbesitzer Hanne und Jan Mikkelsen nach Wenningbund gefahren. „Wir haben uns gestern Abend mit der Bereitschaft unterhalten. Jetzt geht es los“, erklärt Hanne Mikkelsen, die sich von ihrem Mann in schneller Folge einen mit Sand gefüllten Wasserschutzsack aushändigen ließ. Diese wurden in einer geraden Linie um das Haus gelegt.

Die Hausbesitzerin ärgerte sich, dass die Sonderburger Kommune nicht wie vor einigen Jahren bei Hochwasser in Wenningbund eine schützende Watertube an den Strand gelegt hat. „Das wäre ein Beweis der rechtzeitigen Fürsorge. Ich hoffe, dass einige jetzt rein politisch erwachen und etwas tun“, so die klare Aufforderung von Hanne Mikkelsen.

Hanne Mikkelsen aus Ølgod war trotz der schwierigen Situation in Wenningbund zuversichtlich.

Aber ein solcher Ernstfall schweißt auch zusammen. „Hier halten wir zusammen, und selbst die Touristen haben uns Hilfe bei der Sicherung der Häuser angeboten. Hier sind wir ein klares Beispiel der Nächstenliebe. Das spürt man gerade jetzt“, meinte die Sommerhausbesitzerin lächelnd. Aber sie hat viel zu tun. Schnell packt sie den von ihrem Mann gereichten Sack und platziert diesen trotz strömendem Regen vor dem Sommerhaus.

Gegenstände sichern

Die Kommune hat Donnerstag Warnungen für die anderen Gebiete Sonderburgs bekannt gegeben. Die Bewohnerinnen und Bewohner in Skovmose auf Südalsen (Sydals) riskieren trotz des Deiches Wasserschäden. Auch dort sollten die Bewohnenden sicherheitshalber ihre wertvollen Gegenstände sichern und zwischen Freitag und Sonnabend nicht in Skovmose übernachten.

Bei Kekenis (Kegnæs) könnte der Damm bei hohem Wasserstand für einige Stunden abgesperrt werden. Bei einem Wasserpegel von 2,10 Metern über dem normalen Stand wäre das der Fall. Das würde unter anderem auch die Heimpflegerinnen bei ihrem Transport nach Kekenis behindern. Auch in Sandacker (Sandager) werden die Bewohnerinnen und Bewohner dazu aufgefordert, ihre Häuser von Freitag auf Sonnabend zu verlassen. Für alle niedrigen Landebenen gilt: Tiere, Menschen und Wertgegenstände sichern. Autofahrer sollten nicht in niedrig gelegenen Gegenden parken. Und noch ein Tipp: Nie mit dem Auto durch die Wassermassen in den überschwemmten Geländen fahren.

Dieses Sommerhaus in Wenningbund wurde beim Hochwasser im Oktober 2023 mit Wasserschutzsäcken ausgestattet.

Fähren bleiben an Land

Die Transformerstationen werden gesichert, die Straßenbeleuchtung nachts möglichst nicht ausgeschaltet. Das Multikulturhaus bleibt aus sicherheitsmäßigen Gründen ab Freitagmorgen zu, bis die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind.

Die Fähren Bitten zwischen Ballebro und Hardeshoi (Hardeshøj) und Alslinjen bleiben ab Freitagmorgen vertäut.

Das Museum Sønderjylland kündigte an, dass auch das Sonderburger Schloss am Freitag und Sonnabend geschlossen bleibt.

Zusammen sind sie stark: Hanne Mikkelsen (r.) und ihre beiden Nachbarn, Erik und sein Vater Søren Nielsen.