Verkehr

Plötzlich sind die Graffiti-Wagen weg: Neun IC2-Züge nach Jahren aus Tingleff abgefahren

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Das war's dann: Neun der zehn IC2-Züge, die jahrelang in Tingleff standen, sind am Montag nach Rumänien abgefahren. Allerdings nicht aus eigener Kraft, sondern zum Beispiel mithilfe dieser alten DSB-Lok aus schwedischer Produktion.

Fotoserie: Vom Abstellgleis nach Rumänien – fast neue Züge, die in Dänemark aussortiert wurden, sind auf dem Weg in den Süden. Im Herzen Nordschleswigs war das „Altmetall“ schon ein gewohnter Anblick.

Jahrelang standen zehn moderne IC2-Züge in Tingleff auf dem Abstellgleis – am Montag hieß es dann für neun von ihnen: Abfahrt! Wie die DSB dem „Nordschleswiger“ bestätigen, geht es für die neun Sätze, bestehend aus jeweils zwei zusammengekoppelten Wagen, nach Rumänien.

Die Geschichte der IC2-Züge in Dänemark ist eine Geschichte der Missverständnisse – und der Verzögerungen. Sechs Jahre nachdem die Züge, die einst Dänemarks öffentlichen Fernverkehr modernisieren sollten, aus dem Verkehr gezogen wurden, ist nun auch der letzte, der zum Verkauf stand, weg.

Gewohnter Anblick: Vom Übergang aus, wo es zu den Gleisen geht, vom Bahnhof selbst oder aus dem Zugfenster haben Tinglefferinnen und Tingleffer sowie Reisende über Jahre die alten, neuen Züge auf dem Abstellgleis betrachtet.

Verkauft wurden die Züge nach Rumänien, wohin schon früher der Großteil der insgesamt 23 von DSB in Italien bei der Firma Ansaldo Breda bestellten Züge weiterverkauft wurde.

Vor 20 Jahren bestellt, 4 Jahre unregelmäßig im Einsatz

Mit alter schwedischer Technik von Nydqvist & Holm aus Trollhättan wurden die einst hochmodernen IC2-Züge aus Tingleff abgeschleppt.

Die Dänischen Staatsbahnen DSB hatten die IC2-Züge vor 20 Jahren, 2002, in Italien bestellt, um als kleinere und flexiblere Lösung neben den 83 ebenfalls in Italien bestellten IC4-Zügen eingesetzt werden zu können. Die Züge sollten 2004 bis 2005 ausgeliefert werden und mit den IC4-Zügen kompatibel sein.

Die Dieselzüge wurden vom DSB-Designteam in Zusammenarbeit mit dem legendären italienischen Designerbüro Pininfarina gestaltet und sollten die moderne Ära des Bahnverkehrs in Dänemark einläuten.

Edles Design – inzwischen mit Graffiti-Kunst verfeinert – aber unzuverlässige Technik zeichnen die IC2-Züge aus. Der rumänisch-amerikanische Astra-Konzern traut sich zu, die Züge wieder auf Vordermann zu bringen.

Doch sechs Jahre nach der ursprünglich vereinbarten Lieferfrist hatten die Arbeiten an den neuen Zügen nicht einmal begonnen, und die DSB wollten 2011 bereits aus dem Vertrag aussteigen – was jedoch nicht möglich war.

Erst Ende 2012, zehn Jahre nach der Bestellung, fuhr der erste IC2 dann in Dänemark im Regelbetrieb zwischen Kolding und Vejle. Im Oktober 2013 wurde schließlich der letzte der 23 bestellten Züge ausgeliefert.

2016: Endstation Tingleff?

Eine der Schwächen der IC2-Züge war, neben ihren vielen technischen Problemen, dass sie aufgrund ihrer zulaufenden Enden nicht zu von vorne bis hinten durchgängigen Zügen gekoppelt werden konnten. Dennoch sind sie mit anderen Zügen, zum Beispiel IC4, koppelbar.

Nachdem immer wieder technische Probleme den regelmäßigen Betrieb verhindert hatten, wurde 2016 entschieden, sämtliche 23 IC2-Züge sowie 5 der verwandten IC4-Züge aus dem Verkehr zu ziehen und die bisherigen Kosten als Verlust abzuschreiben. Zehn der Züge landeten letztlich auf dem Abstellgleis in Tingleff. Dort gehörten sie und die bunten Graffitis, mit denen sie nach und nach verziert wurden, schon fast zum Ortsbild.

2017 wurde bekannt, dass der rumänische Eisenbahnbetreiber Astra Trans Carpatic unverhofft einige der Züge übernehmen und in den Werken von Astra Vagoane Călători herrichten würde. Der rumänische Astra-Konzern gehört inzwischen mehrheitlich dem US-Unternehmen The Greenbrier Companies.

Mit der Abfahrt am Montag sind nun sämtliche Züge, die zum Verkauf standen, bereits in Rumänien oder auf dem Weg dorthin. Ein Zug befindet sich im Dänischen Eisenbahnmuseum.

Und Tschüs: Abfahrt nach Rumänien am Montag – gezogen von einer alten Lok.

Einer von zehn Zügen ist in Tingleff zurückgeblieben – weshalb, konnte „Der Nordschleswiger“ am Montag noch nicht erfahren.