Schleswig-Holstein

Bund schiebt Marschbahn-Ausbau nach Sylt auf 2045

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Bahnhof Klanxbüll: Von hier bis Niebüll ist die Marschbahnstrecke bisher nur eingleisig – ebenso wie zwischen Tinnum und Morsum auf Sylt.

Schock für Zugreisende an der Westküste: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn zwischen Niebüll und Sylt in weite Ferne schieben. Sein Kieler Kollege Claus Madsen schlägt Alarm – zumal auch andere Projekte im Land auf die lange Bank sollen.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will wichtige Schienenbauprojekte in Schleswig-Holstein auf 2045 oder noch später verschieben. Betroffen ist allen voran der zweigleisige Ausbau der Marschbahn zwischen Niebüll (Nybøl), Klanxbüll (Klangsbøl) und Sylt (Sild).

Dies hat auch Auswirkungen auf Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger, die mit dem Zug über Tondern (Tønder) nach Süden reisen wollen.

Aber auch die Elektrifizierung der Strecken Wilster-Brunsbüttel und Lübeck-Büchen-Lüneburg sowie der vierte Bahnsteig in Elmshorn kommen auf die lange Bank.

Der drastische Aufschub geht aus einem Gutachten hervor, mit dem Schnieder seine Schienenbauprojekte sortiert und diejenigen vorzieht, die für den „Deutschlandtakt“ zur bundesweiten Verbesserung der Zugverbindungen besonders wichtig sind. Das Gutachten hat er gerade den Ländern und der Branche präsentieren lassen. Es liegt dem „sh:z“ vor.

Demnach gehören weder der Marschbahn-Ausbau noch die drei anderen genannten Projekte zu den bis 2035 fertigzustellenden Vorhaben. „In Etappe 2035 nicht enthaltene Elemente“, steht in der Studie. Auch für 2040 sind die Projekte nicht eingeplant.

Madsen: „Planungen werden wertlos, Kosten explodieren“

Schnieders Kieler Kollege und CDU-Parteifreund Claus Ruhe Madsen ist darüber entsetzt und warnt nun, dass die Projekte so frühestens im Jahr 2045 kommen. Das sei „unakzeptabel“ und „ein Rückfall in Zeiten, in denen Schleswig-Holstein vernachlässigt wurde“, wettert Madsen nach einer Anfrage des „sh:z“. Zudem drohten jetzt fertige Planungen durch den langen Aufschub „wertlos zu werden“ und „Kosten zu explodieren“.

Besonders stört Madsen der Stopp des Marschbahn-Ausbaus, dessen Planung schon läuft und vom Land vorfinanziert wird. „Es ist unbegreiflich, dass das Projekt nicht vor 2045 verwirklicht werden soll“, schimpft er und kritisiert, dass das 300-Millionen-Euro-Projekt damit „faktisch eingestellt“ werde. Das sei umso dramatischer, als die Bahnverbindung für Sylt „die einzige Lebensader zur Versorgung der Insel“ sei.

Auch könne er „nicht verstehen“, warum das Gutachten den vierten Elmshorner Bahnsteig „in die Etappe bis 2045 verschiebt“. Die Vorplanung sei fertig und der Bahnsteig nötig, damit der vom Land geplante Bau zweier Zusatzgleise zwischen Elmshorn und Pinneberg funktioniere.

Elektrifizierungen erst ab 2050 vorgesehen

Die Elektrifizierungen der Linien Wilster-Brunsbüttel und Lübeck-Lüneburg seien sogar erst ab 2050 vorgesehen, klagt Madsen. Er hat daher einen Brief an Schnieder geschrieben. Darin bitte er ihn, so sagt er, „sich für eine deutlich schnellere Realisierung der Projekte einzusetzen“.

Auf eine Anfrage des „sh:z“ zum Marschbahn-Ausbau lässt Schnieder ausrichten, er könne wegen des frühen Stadiums des Projekts noch „keine Aussage zur Fertigstellung“ treffen. Gleiches teilt auch die Deutsche Bahn mit.