Seniorenpolitik

Älterenrat Sonderburg nimmt Altersdiskriminierung ins Visier – und vieles andere

Kirsten Bielefeldt und Dieter Jessen arbeiten in ihrer zweiten Wahlperiode als Vorsitzende und stellvertretender Vorsitzender zusammen für den Älterenrat.

Menschen über 60 haben ihre eigenen Herausforderungen. Der Älterenrat in Sonderburg nimmt diese Fälle auf, vermittelt in Konflikten und nutzt sein Netzwerk in Verwaltung und Pflegezentren, um Lösungen für Seniorinnen und Senioren zu finden. Im Interview sprechen die Vorsitzende Kirsten Bielefeldt und ihr Stellvertreter Dieter Jessen über die Aufgabe.

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Zusammenfassung

  • Der Älterenrat Sonderburg nimmt Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt für Menschen über 60 in den Blick.
  • Er berät Seniorinnen, Senioren und Angehörige bei Alltagsproblemen und vermittelt zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung und Pflegezentren.
  • Schwerpunkte sind faire Arbeitsbedingungen, Barrierefreiheit oder Aufklärung über Reformen und Gesetze.

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Wenn auf einer Bewerbung „60+“ steht, sortieren Betriebe Bewerberinnen und Bewerber oft aus – obwohl viele vom „grauen Gold“ sprechen. Dieses Beispiel nennt die Vorsitzende des kommunalen Älterenrats, Kirsten Bielefeldt. Diese Altersdiskriminierung ist eine von vielen Aufgaben, die der Rat in Sonderburg (Sønderborg) hat.

Wenn das „graue Gold“ keine Chance bekommt

Kirsten Bielefeldt und Dieter Jessen richteten in der neuen Amtsperiode 2026-2029 zusammen mit sieben Ratsmitgliedern den Blick auf Menschen über 60. Der Älterenrat ist von den Bürgerinnen und Bürgern über 60 gewählt und arbeitet mit vielen verschiedenen Alltagsfragen.

Seniorinnen, Senioren, Angehörige und Nachbarinnen oder Nachbarn melden sich und fragen: „Wir erleben das so, kann das richtig sein?“ Die Ratsmitglieder besprechen solche Anliegen und leiten sie an die zuständigen Stellen weiter. Prüfen, ob sich daraus ein grundsätzliches Thema ergibt.

Wenn es Probleme gibt, ist es wichtig, sich an den Rat zu wenden. Denn wir kennen die zuständigen Stellen und können helfen, Lösungen zu schaffen.

Kirsten Bielefeldt

Beispielsweise besagte Altersdiskriminierung von Menschen, die noch im Berufsleben stehen oder kurz vor der Rente stehen. Der Rat fragt nach: Wie können Betriebe Seniorinnen und Senioren besser einbinden und unterstützen? Fragt Unternehmen, was sie tun, um ältere Beschäftigte zu halten, welche Bedingungen sie bieten und ob sich Arbeitszeiten reduzieren lassen.

Kirsten Bielefeldt sagt, dass ihr die Aufgabe als Vorsitzende „eine unglaublich große Menge Inhalt“ in ihr Leben bringt und sie sehr stolz darauf ist, was der Rat bewirken kann.

„Überspitzt gesagt: Damit etwa ein Maurer mit 72 Jahren nicht mehr alle Steine schleppen muss. Ältere Menschen sollen weiterhin ordentlich behandelt werden, und die Aufgaben sollen zu ihrer körperlichen Verfassung passen, wenn Betriebe sie im Arbeitsleben halten wollen“, so Kirsten Bielefeldt. „Viele reden vom grauen Gold, aber einige sortieren Bewerbungen aus, sobald 65 daraufsteht. Niemand sagt das offen, aber alle wissen es.“

Für Menschen um die 60, die noch arbeiten, möchte sie Angebote schaffen, damit sie sich auf die Zeit nach dem Berufsleben vorbereiten können. Große Unternehmen und Pensionskassen böten solche Programme bereits an, in kleinen Betrieben fehlen sie oft. Für diese Gruppe kann sie sich gut vorstellen, dass der Älterenrat etwas auf die Beine stellt, unterstreicht die Vorsitzende.

Konkrete Hilfe im Alltag

Der Älterenrat kümmert sich um den Alltag der Menschen über 60. Ein Fall um das Bad im eigenen Zuhause, der in der Presse landete, zeigt die Herausforderung. „Eine Angehörige kritisierte öffentlich, dass ihre Mutter kein Bad bekomme; im Gespräch stellte sich heraus, dass es um das Arbeitsmilieu für das Personal ging“, erklärt Kirsten Bielefeldt. 

„Natürlich sollte die Ältere ein Bad bekommen“, sagt Bielefeldt. Der Rat fand damals mit der Verwaltung eine andere Lösung. „Wenn es Probleme gibt, ist es wichtig, sich an den Rat zu wenden. Denn wir kennen die zuständigen Stellen und können helfen, Lösungen zu schaffen.“ Ihr Rat: „Miteinander reden, statt das über die Presse zu diskutieren.“

Dieter Jessen mag an seiner Aufgabe besonders, dass er als zweiter Vorsitzender Sitzungen leitet, organisatorisch die Fäden in der Hand hält und so dazu beiträgt, dass die Arbeit des Älterenrats verlässlich läuft.

Ihr Tipp an unzufriedene Bürgerinnen und Bürger: „Sagt es laut – zu den Politikerinnen und Politikern, zur Verwaltung oder zum Älterenrat. Dann können wir helfen.“ Nicht alle Wünsche lassen sich erfüllen, „aber wir können eine Lösung finden, mit der sich Zufriedenheit erreichen lässt“.

Starkes Vorsitzenden-Duo und klare Struktur

Kirsten Bielefeldt und Dieter Jessen bilden das Vorsitzenden-Team des Älterenrats. „Wir haben einen Vorsitz, der gut im Planen ist, und generell eine gute Zusammenarbeit“, sagt Jessen, der ebenso wie die Vorsitzende 71 Jahre alt ist.

Etwa 14 Tage vor jeder Sitzung des Älterenrats treffen sich beide mit der Verwaltung, gehen eine vorbereitete Tagesordnung durch und diskutieren, „welche Themen auf der Tagesordnung stehen und ob Thomas etwas Neues aus der Direktion mitbringt“. Thomas Dam ist der neue Chef für Pflegezentren und Verträge der Kommune Sonderburg.

Dieter Jessen übernimmt gerne die Sitzungsleitung und hält „den Faden“. Er sorgt dafür, dass Sitzungen nicht ausfallen, wenn eine Person verhindert ist, und erinnert das Gremium an vereinbarte Themen. Jessen setzt zusätzlich auf das Thema Wohlfahrtstechnologie und Barrierefreiheit.

Das Führungsduo mit dem Chef der zuständigen Verwaltungseinheit, Thomas Dam

Er möchte über verfügbare Hilfsmittel informieren und vertritt den Älterenrat in der kommunalen Barrierefreiheitsgruppe. Besucht Wege, Anlagen und Paketboxen und fragt: „Wie kommt man hin, ist es sichtbar, wie lässt es sich bedienen?“ Sein Ziel: Lösungen, die Menschen mit Behinderungen helfen. „Denn diese Lösungen sind dann auch gut für alle anderen.“

Ein Schwerpunkt lautet Mitbestimmung in der Pflege: Bürgerinnen und Bürger sollen ihr Recht auf Mitbestimmung kennen, Pflegekräfte sollen den Alltag im Dialog planen.

Zusammenarbeit mit Verwaltung und Pflegezentren

Der neue Chef für Pflegezentren und Verträge, Thomas Dam, sieht den Älterenrat als Partner und als wichtige Anhörungsstelle. Er hebt hervor, dass der Rat „die Bürgerperspektive“ einbringt, auf Themen wie Einsamkeit hinweist und kündigt feste monatliche Treffen sowie die Möglichkeit an, ihn jederzeit zu kontaktieren: „Der Älterenrat kann sich immer an mich wenden.“

Die Mitglieder suchen die Zusammenarbeit mit der Verwaltung: „Wir stellen uns nicht gegen die Kommune, sondern suchen gemeinsam nach Lösungen“, verspricht Jessen. „Wir haben unser gutes Netzwerk und nutzen es.“