Wirtschaft

Povl Davidsen – der leise Macher aus Woyens

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Povl Davidsen (rechts) ist jetzt Baumarktunternehmer im Ruhestand. Dennoch besucht er regelmäßig Niederlassungen im ganzen Land. Auf dem Foto ist er in der Woyenser Filiale zu sehen.

In den 80ern gönnte sich Baumarktunternehmer Povl Davidsen einen Saab 9.000 Turbo. Das Schild mit der Aufschrift Turbo ließ er entfernen – zu protzig, fand er. Ein Detail, das viel über den leisen Macher aus Woyens erzählt: bescheiden im Auftritt, doch mit Antrieb.

Povl Davidsen wartet im Woyenser Baumarkt, der seinen Namen trägt. Wie so viele andere Niederlassungen in ganz Dänemark. „Moin, Povl!“ – Alle dort nennen ihn beim Vornamen. Spätestens seit der langjährige Fußball-Mäzen auch Miteigentümer des regionalen Fußballklubs wurde, kennt ihn fast jeder.

Über 50 Jahre hat Povl Davidsen das Unternehmen als Chef und Vorstandsvorsitzender geprägt. Seit dem Verkauf an den finnischen Konzern „Kesko“ könnte er die Füße hochlegen, doch das ist nicht sein Ding. Dafür steckt zu viel von ihm in dem Unternehmen, das er zu einer nordschleswigschen Marke gemacht hat.

Eigene Wege

Der Journalist Tom Okke hat ein Buch über Davidsen geschrieben. Es sei auf Initiative seiner Schwiegertochter entstanden, verrät Povl Davidsen: „Sie meinte, es müsse ein Buch über Davidsen geschrieben werden, solange ich mich noch an alles gut erinnern kann.“ Hier ist der Unternehmer a. D. vor einer Fotowand mit den zahlreichen Niederlassungen der Baumarktkette zu sehen.

Der Generationswechsel ist somit für das frühere Familienunternehmen „Davidsen“ kein Thema mehr. „Meine drei Söhne haben andere Berufe gewählt und sind glücklich damit.“

Sie beherzigten den Rat des Vaters und sind auf eigenen Wegen unterwegs. „Es ist kein Drama, wenn die nächste Generation etwas anderes machen möchte. Ein Drama wäre es, würde sie es nur meinetwegen tun.“

Für Davidsen zeigt sich das Dilemma vieler Familienunternehmen exemplarisch bei Thomas Manns „Buddenbrooks – Verfall einer Familie“: „Mit jeder Generation wächst die Gefahr, dass die Dynamik nachlässt – vor allem, wenn Geld keine Rolle mehr spielt.“

Teamgeist lässt sich nicht verordnen

Povl Davidsen hat stets ein offenes Ohr für die Belange seiner Angestellten – auch im Ruhestand.

Povl Davidsen hat das Unternehmen, dessen Grundstein sein Vater Christian 1944 in einem ehemaligen Sommerstedter Hotel legte, zu einer landesweiten, prosperierenden Kette aufgebaut – in einer hart umkämpften Branche noch dazu. Er ist dabei ohne Ellbogen ausgekommen. Eine Eigenschaft, die Menschen um ihn zu schätzen wissen.

Er führt leise, doch mit Wirkung. „Für mich ist Davidsen wie eine zusätzliche Familie, Inspiration und Vorbild“, schreibt eine langjährige Mitarbeiterin auf LinkedIn. Sie habe erlebt, was er meint, wenn Povl Davidsen meint: „Allein sind wir gut – gemeinsam am besten.“

„Es macht mich froh, wenn ich das lese“, sagt der Unternehmer.

Das Erfolgsgerüst

Über 50 Jahre stand Povl Davidsen an der Spitze des Familienunternehmens.

„Gemeinsam sind wir am besten“ – das ist auch der Titel des Buches, das der aus Tingleff stammende Journalist Tom Okke just über ihn geschrieben hat. Es beschreibt den Mann hinter dem Wirtschaftswunder von Woyens von den Anfängen bis heute.

Er habe sich nie für den besten, aber für einen ziemlich neugierigen Unternehmer gehalten. Dass die Baumarktkette „Davidsen A/S“ – 81 Jahre nach Gründung – ein landesweiter Anlaufpunkt für Baufirmen und Privatleute ist, hat der Unternehmer nicht zuletzt seinem loyalen Team zu verdanken.

Wichtige Entscheidungen, sagt Davidsen, habe er immer im Team getroffen. Dazu gehörte auch, neue Wege zu gehen – etwa, als er vorschlug, drei konkurrierende Einkaufsgesellschaften der Branche zusammenzuschließen, um Synergien zu schaffen. Eine klassische Win-win-Situation – und typisch für einen pragmatischen Blick auf das große Ganze.

Baumarkt-Matador, doch kein Häuslebauer

Sein Vater Christian gründete das Unternehmen 1944 in Sommerstedt (Sommersted) in einem ehemaligen Hotel. Ein Foto von den Anfängen hängt heute in der Woyenser Niederlassung.

Mit Empathie, einem Sinn fürs Wesentliche und einem verlässlichen Team ist Davidsens Tømmerhandel unter seiner Leitung zu einem der größten Akteure der Baumarktbranche avanciert. Kurioserweise ist der Baumarktunternehmer selbst weder Häuslebauer noch ein Baumeister Bob. Er könne zwar einen Hammer schwingen, aber handwerkliche Arbeiten überlasse er gern Menschen, die sich auskennen.

„Ich hatte dafür auch nie Zeit. Ist das nicht eine glaubwürdige Entschuldigung?“, fragt er rhetorisch und lacht.

Ein Geschenk ans Grenzland

Povl Davidsen vor einer Zeitleiste, die die Entwicklung des Familienunternehmens zeigt. Diese ist auch Gegenstand des soeben erschienenen Buches. Der Unternehmer im Ruhestand verschenkt ein Exemplar an die etwa 1.500 Mitarbeitenden, signiert das Werk auf Wunsch und bringt es auch noch selbst vorbei.

Dafür versteht Povl Davidsen etwas vom Fußball: Er hat in seinen 20ern für Sommerstedt und Woyens gekickt, bis sein Knie ihn ins Abseits schickte.

Jahrzehnte war sein Unternehmen der Hauptsponsor der Elitesportorganisation von SønderjyskE. Als deren Fußballsparte das Wasser bis zum Hals stand, war die Familie Davidsen Retter in der Not: Vor drei Jahren kauften sie und der Hauptgesellschafter Morten Kristensen aus Hedensted „Sønderjyske Fodbold“.

Was die nordschleswigsche Marke „Davidsen“ für die Baubranche ist, das ist „Sønderjyske Fodbold“ für Fußballbegeisterte im deutsch-dänischen Grenzland – und nicht nur dort. Die Fans danken es der Familie, dass der Klub seit drei Jahren wieder in nordschleswigschen Händen ist. Dabei habe die Familie Davidsen nie vorgehabt, Miteigentümer des Fußballklubs zu werden. Als sich die Gelegenheit bot, ergriff sie diese beim Schopf und erwarb 33 Prozent.

„So können wir den vielen Menschen, die zu Davidsens Erfolg beigetragen haben, etwas zurückgeben“, sagt er.

Kein Turbo, aber Antrieb

Seine nächste große Aufgabe? „Zu Hause etwas mehr anpacken“, sagt Davidsen schmunzelnd – und betritt damit wieder einmal Neuland. Mit Turbo oder ohne: Sein Antrieb lässt nichts zu wünschen übrig.

„Sammen er vi bedst – Fortællingen om Davidsen Tømmerhandel“

Der aus Tingleff stammende Journalist Tom Okke erzählt die Geschichte des Familienunternehmens unter dem Titel „Sammen er vi bedst – Fortællingen om Davidsen Tømmerhandel“. Das gebundene Buch ist im Verlag Lindhardt og Ringhof erschienen, kostet im Buchhandel 300 Kronen und umfasst 300 Seiten. Povl Davidsen schenkt jedem der etwa 1.500 Angestellten eine Ausgabe und signiert diese auf Wunsch. Mehr noch: Er bringt sie auch persönlich in die einzelnen Niederlassungen.