Deutsche Minderheit

Nicole Nissen: „Ein bisschen Nordschleswig in Hongkong“

Nicole Nissen kommt ursprünglich aus Wollerup (Vollerup), lebt jetzt in Kopenhagen und wohnte während ihres Praktikums drei Monate lang in Hongkong.

International: Wie fühlt es sich an, in Hongkong zu leben? Nicole Nissen absolvierte dort ein dreimonatiges Praktikum bei Jebsen & Co. Sie erzählt, wie sie selbst bei rund 9.000 Kilometern Entfernung von zu Hause ein Stück Heimat in der Metropole gefunden hat.

Veröffentlicht

Zusammenfassung

  • Nicole Nissen absolvierte ein dreimonatiges Marketingpraktikum bei Jebsen & Co. in Hongkong.
  • Sie arbeitete im Bereich „Wines & Spirits“ mit einigen Abend- und Wochenend-Events.
  • Trotz der großen Entfernung fand sie durch die dänischen Wurzeln der Firma und Begegnungen mit Nordschleswigern ein Stück Heimat in Hongkong.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

„Ich würde es jedem aus Nordschleswig empfehlen. Das ist eine so große Chance“, sagt Nicole Nissen über ihr Praktikum in Hongkong, das ihr im vergangenen Jahr durch die Jes-Schmidt-Stiftung ermöglicht wurde. 

Von August bis Oktober war ihr Wohnort nicht mehr Kopenhagen, sondern Hongkong. Ihr Praktikum absolvierte die 25-Jährige in der Marketingabteilung von Jebsen & Co., da sie durch ihren vorherigen Nebenjob schon erste Erfahrungen in dem Bereich gesammelt hatte. Von den vier Unternehmenszweigen – Getränke, Motoren, Kapital und Konsumenten – entschied sie sich in Absprache mit der Firma für die Getränke- beziehungsweise die „Wines & Spirits“- Abteilung. 

Gruppe steht hinter einem Jebsen-Weinstand mit vielen Flaschen und Gläsern
Nicole Nissen (Vierte von rechts) und ihr Team beim „Wine & Dine“-Festival

Auch wenn die Vermarktung von Medizinprodukten und die von Alkohol nicht unterschiedlicher sein könnten, sagt Nissen rückblickend: „Ich finde schon, dass ich mich da gut hineingefunden habe.“ 

Ein großer Vorteil war für sie, dass sie stark in die Projekte eingebunden wurde: „Das war super cool. Ich hatte sogar Events, die ich fast ab meinem ersten Praktikumstag bis zum letzten begleitet habe“, erzählt Nicole Nissen. Eins davon war das „Wine & Dine“-Festival, welches auch eines ihrer persönlichen Highlights im Praktikum darstellte. 

45-Stunden-Woche und zusätzliche Nachtschichten 

Zum Arbeitsfeld der Praktikantin gehörte alles, was im Marketingbereich getan werden musste, sprich: Zielgruppenanalyse, Vermarktung, Eventplanung, Konkurrenzbeobachtung und Nachbetrachtung. 

Das ist eine City mit ganz viel Schwung.

Nicole Nissen

Neun Stunden Arbeit hieß es am Tag, und dazu kamen die Events, die auch mal bis spät in die Nacht gehen konnten. Zudem standen durchschnittlich zwei Events pro Woche an. Viel Zeit zum Langweilen blieb dabei nicht. 

Nicole Nissen ging jedoch mit Freude zu den Events: „Man macht es ja gerne. Das ist auch das Interessante, in der Vorbereitung und vor Ort dabei zu sein.“

Touristin oder Einheimische? 

Am Wochenende blieb trotzdem genug Zeit, um eine Pause in der Natur zu machen. Bei 30 Grad und gefühlt 100-prozentiger Luftfeuchtigkeit zog es Nissen in die Berge. „Ich war fast alleine auf den Wanderrouten, da sich kein anderer Touri das angetan hätte“, erinnert sie sich lachend. 

Person auf Küstenwanderweg mit Blick auf Meer, Inseln und grüne Hügel bei Sonnenschein
Nicole Nissen bei einem ihrer Ausflüge am Wochenende

Als Touristin hat sie sich ohnehin nur selten wahrgenommen. „Ich glaube, ich hatte fast keine Zeit, mich wie ein Touri zu fühlen, da ich jeden Tag arbeiten war.“ 

In das Hongkong-Leben habe sie sich zudem gut eingefunden. Ein Grund dafür war auch die Gastfreundlichkeit, mit der sie in Hongkong begrüßt wurde. Zudem hätte es kaum sprachliche Barrieren gegeben, da in Hongkong fast überall sehr gutes Englisch gesprochen wird. 

Von der dänischen Gelassenheit zur chinesischen Schnelllebigkeit

„Das ist eine City mit ganz viel Schwung“, sagt Nissen lachend über den Lebensstil in der chinesischen Großstadt. Die ganze Stadt bringe ein hohes Tempo mit sich: in den Straßen, der Arbeit und auch in den Restaurants. Mit dabei ist auch immer der Lärm. „Doch das ist auch der Charme daran“, ergänzt sie. 

Ich bin super dankbar für die vielen positiven Erlebnisse, die mir die Jes-Schmidt-Stiftung ermöglicht hat.

Nicole Nissen

Im Hongkonger Arbeitsalltag fiel Nissen vor allem das Tempo bei den Arbeitsaufgaben auf. „Auf meiner Arbeit wurden alle Aufgaben schnell nacheinander abgehakt.“ Zudem sind enge Deadlines ständige Begleiter ihrer Arbeit gewesen. 

Der Arbeitsdruck habe sie jedoch nicht gestört. Die 25-Jährige war einen schnellen Arbeitsprozess auch schon von ihrem vorherigen Nebenjob gewohnt.

Die Heimat in Hongkong finden

Auch wenn sie die dänische Gelassenheit nicht in Hongkong wiederfand, hat sie ein Stück Heimat in der Metropole gefunden. 

In ein gewisses Heimatgefühl habe auch die Firma mit hineingespielt, sagt Nissen. Da Jebsen & Co. einst von den Nordschleswigern Jacob Jebsen und Heinrich Jessen gegründet wurde, trägt es immer einen Teil Nordschleswigs in sich. Ein Indiz dafür ist auch das Firmenlogo, welches sich an dem Wappen der Kommune Apenrade (Aabenraa) orientiert. Mit dem kleinen Jebsen-Detail, dass die mittlere Makrele in die andere Richtung schwimmt.

Frau steht in Bürolounge vor einem Jebsen-Logo und hält einen grünen Becher
Nicole Nissen vor dem Firmenlogo mit den bekannten drei Makrelen

Doch das Unternehmen war nicht das Einzige, was Nissen während ihres Auslandsaufenthaltes mit ihrer Heimat verband. Denn selbst im weit entfernten Hongkong traf sie auf eine Bekannte aus Nordschleswig.

Anna Fuglsang kommt ebenfalls aus der deutschen Minderheit und ist für ihr Studium nach Hongkong gegangen. „Das war fast wie ein bisschen Nordschleswig in Hongkong“, sagt Nissen über ihre Treffen. 

Drei Menschen stehen auf einer Terrasse vor einer bewachsenen Villa mit rundem Brunnen im Vordergrund.
Nicole Nissen, wie sie das Ehepaar Hans Michael Jebsen und Desirée Jebsen in deren Haus in Hongkong besucht.

Anna Fuglsang blieb jedoch nicht die einzige Bekanntschaft aus Nordschleswig. Während ihres Praktikums wurde Nicole Nissen von dem Firmenvorsitzenden Hans Michael Jebsen und seiner Frau Desirée Jebsen zu ihnen nach Hause eingeladen. „Man hat sich direkt zu Hause gefühlt. Sie waren mega lieb“, sagt Nissen über den Besuch.                         

Ein riesengroßes Dankeschön

2024 bekam Nicole Nissen die Zusage, dass es für sie im kommenden Jahr nach Hongkong gehen werde. Zu dem Praktikumsplatz kam sie durch die Jes-Schmidt-Stiftung, die jedes Jahr ein dreimonatiges Praktikum in Kooperation mit Jebsen & Co. und dem Unternehmen Jebsen & Jessen vergibt.

Als sie die Zusage per E-Mail bekam, konnte sie es erst gar nicht glauben: „Das war ein totaler Schock. Ich habe mich sehr gefreut, aber man glaubt es nicht in dem Moment.“

Nissen ist seit knapp vier Monaten zurück in Kopenhagen und erzählt mit einem Strahlen von ihrer Zeit in Hongkong. „Ich bin super dankbar für die vielen positiven Erlebnisse, die mir die Jes-Schmidt-Stiftung ermöglicht hat.“ 

Besonders gefiel ihr, ihre Wahrnehmungen von Hongkong mit ihren eigenen kulturellen Werten zu verbinden. Es sei eine eindrucksvolle Erfahrung gewesen, die deutsch-dänische Kultur mit der chinesischen vergleichen zu können, erzählt Nissen. Und genau deshalb empfiehlt sie allen jungen Menschen aus Nordschleswig, denen sich die Chance bietet, sich um das Praktikum zu bewerben.