ZUSCHRIFT

Strukturen für ein starkes Minderheiten-Wir

Stephan Kleinschmidt

Wie bleibt Zugehörigkeit sichtbar – ohne neue Hürden? Stephan Kleinschmidt plädiert in seiner Zuschrift für eine freiwillige Basismitgliedschaft als Einladung zur Mitgestaltung und Chance für mehr Zusammenhalt.

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Zuschriften

Dieses ist eine Zuschrift. Leserinnen und Leser können sich auf diese Weise auf die Berichterstattung des „Nordschleswigers” beziehen und ihre Sicht der Dinge schildern. Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen geben nicht unbedingt die Haltung der Redaktion wieder.

Die Jahres- und Generalversammlungen unserer Minderheit zeigen in diesen Wochen, was uns trägt: Engagement, Verantwortungsbewusstsein und der Wille, Gemeinschaft aktiv zu gestalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich unsere Strukturen verändern. Generationen wechseln und Lebensrealitäten werden vielfältiger. Nicht alle, die unsere Einrichtungen selbstverständlich nutzen, sind auch formell im Bund Deutscher Nordschleswiger organisiert.

Im Rahmen meiner Kandidatur für den Hauptvorsitz habe ich dazu viele Gespräche geführt. Eine Frage begegnet mir immer wieder: Wie können wir Zugehörigkeit sichtbarer und erlebbarer machen, ohne neue Hürden zu schaffen? Die Erfahrungen aus Sonderburg, Hadersleben und Gravenstein zeigen, dass eine aktive, aber freiwillige Information über eine Mitgliedschaft Wirkung entfaltet. Hier steigen die Mitgliedszahlen. Einladung überzeugt mehr als Erwartung.

Unsere Schulen, Kindergärten und kulturellen Einrichtungen sind das Fundament der Minderheit. Familien vertrauen ihnen ihre Kinder an; viele fühlen sich Sprache und Kultur verbunden – auch ohne formelle Mitgliedschaft. Aber eben hier entsteht eine Lücke zwischen gelebter Nähe und organisatorischer Zugehörigkeit. Diese Lücke neu zu denken, heißt nicht: mehr Zwang und mehr Formalitäten. Es heißt, Verantwortung ernst zu nehmen. 

Wer Verantwortung für die Zukunft der gesamten Minderheit beansprucht, muss auch Wege eröffnen, diese Zukunft demokratisch mitzugestalten. Eine Basismitgliedschaft kann dafür ein Instrument sein – nicht als Automatismus, sondern als Einladung zur Beteiligung. Genau darum geht es: Beteiligung ermöglichen. Denn unsere Minderheit lebt vom Mitmachen. Damit Engagement wachsen kann, braucht es verlässliche und zeitgemäße Strukturen. Jetzt ist der Moment, sie behutsam weiterzuentwickeln – für mehr Zusammenhalt, Solidarität und ein starkes „Minderheiten-Wir“.