Wissenschaft

Schrecken der Meere: Die Tongrube Gramm erhält internationale Aufmerksamkeit

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Die Rekonstruktion eines Megalodon-Gebisses im Naturhistorischen Museum in Gramm

Das urzeitliche Meer, das vor rund zehn Millionen Jahren die Grammer Gegend bedeckte, war Lebensraum von kleinen und großen Lebewesen. Zu den ganz Großen gehört mit Sicherheit der riesige Hai Megalodon. Nun gibt es Neuigkeiten zu diesem Schrecken der Meere, der einst in Gramm schwamm.

Ausgestorbenes, vor allem, wenn es groß ist und ebensolche Zähne hat, fürchtet der Mensch von heute und fasziniert ihn zugleich. Was in der Kreidezeit der Tyrannosaurus Rex, oder kurz T-Rex war, war in jüngerer erdgeschichtlicher Zeit, vor allem im Miozän, der riesige Hai Megalodon, der es wie der T-Rex auch auf die Leinwand geschafft hat, sogar gleich zweimal: Meg und Meg-2, Actionkracher mit Jason Statham. Von diesem Hai gibt es nun Neuigkeiten und das hat auch mit Gramm in der Kommune Hadersleben zu tun. Denn auch dort schwamm der Megalodon einst seine Bahnen.

Hai mit 16 cm Zahn

Dort in Gramm betreibt der Museumsverbund Museum Sønderjylland ein paläontologisches Museum mit Funden aus der nahen Tongrube, in der Fossilienliebhaberinnen und -liebhaber selbst suchen – und finden können. Der dortige einstige rund zehn Millionen Jahre alte Meeresboden gibt, wenn er willens ist, Muscheln und Schnecken, aber auch Größeres preis.

Ein stolzer Fund des Museums in Gramm ist der 16 cm große Zahn eines Megalodon. Wie das Museum schreibt, ähneln die Zähne des gewaltigen urzeitlichen Hais denen des heutigen Weißen Hais. Und so nahm man lange an, dass der Megalodon auch so aussah, wie der Weiße Hai, recht kompakt.

Das Problem: Dem Museum zufolge gibt es weltweit kein vollständig erhaltenes Skelett des Megalodon. Nun legt dem Museum zufolge eine wissenschaftliche Studie der DePaul University in Chicago nahe, dass der furchteinflößende Urhai von deutlich schlankerer Statur war und somit weniger bullig als angenommen.

Forschende um den Wissenschaftler Kenshu Shimada untersuchten eine elf Meter lange Wirbelstrecke eines Megalodon aus dem mittleren Teil des Rückgrats – Kopf und Schwanz waren nicht erhalten. Zum Vergleich untersuchten die Forschenden die Körperproportionen von 145 heutigen Haien, verteilt auf 20 Haiarten. Der Vergleich ergab: 16,6 Prozent der Länge entfallen beim Hai auf den Kopf, 32,6 Prozent auf den Schwanz. Der Megalodon aus Belgien sollte damit, so die Berechnung, 16,4 Meter lang gewesen sein und gar nicht mehr so kompakt.

So soll der Hai aus Gramm ausgesehen haben. Zur Sicherheit wird noch mal erwähnt, dass menschliche Taucher und miozäne Haie nicht zusammen schwammen und schwimmen.

Der Grammer Hai war länger als ein Sattelzug

Auch in der Grube Gramm tauchte ein Wirbel des Urhais auf, mit 23 cm deutlich größer als die aus Belgien mit einem Durchmesser von 15,5 cm. So kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA beim Grammer Hai auf eine Länge von sage und schreibe 24,3 Meter – also länger als ein gewöhnlicher Sattelzug mit Anhänger. Ein solcher Hai brachte gut und gern 94 Tonnen auf die Waage.

20 Haiwirbel konnten 1978 laut Mette Elstrup, Leiterin der Abteilung Naturgeschichte und Paläontologie vom Museum Sønderjylland, im Jahr 1978 in Gramm geborgen werden. „Ungefähr zur gleichen Zeit fand man an etwa der gleichen Stelle einen Zahn“, ergänzt sie.

Mette Elstrup, Abteilungsleiterin beim Museum Sønderjylland, hofft, dass sich im Sediment der Tongrube weitere Reste des Haies Megalodon erhalten haben.

Dieser Zahn lässt sich im Museum vor Ort gleich neben der Tongrube bewundern. „Wir haben noch zwei andere Zähne in unserer Sammlung, einer stammt ebenfalls aus der Tongrube Gramm, der andere aus einer anderen Grube in Nordschleswig, es ist aber nicht bekannt, aus welcher“, so Mette Elstrup.

Hoffnung auf neue Funde

Die Leiterin der Paläontologie kommentiert die neuen Forschungsergebnisse so: „Jetzt haben wir eine genaue Einschätzung, wie groß der Megalodon war und welche Form er hatte. Das ist fantastisch. Und wir können stolz darauf sein, dass Reste des größten Hais, der jemals gefunden wurde, aus Gramm stammen. Und wir wissen, dass es die Möglichkeit in Gramm für weitere Funde gibt. Und vielleicht finden wir ja eines Tages ein komplettes Skelett, auf das alle Forschenden so hoffen.“