Nordfriesland

Vom Aussterben bedroht: Womit Landgasthöfe zu kämpfen haben

Jan-Erik Sönksen und Arne Andresen sind stolz auf ihren Familienbetrieb in Neukirchen.

In den ländlichen Gemeinden Nordfrieslands stehen die traditionellen „Dorfkrüge“ vor großen Herausforderungen. Drei Gastronomen berichten aus der Praxis und wagen einen positiven Blick in die Zukunft.

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Zusammenfassung

  • Viele Landgasthöfe in Schleswig-Holstein kämpfen mit Bürokratie, hohen Einstiegskosten und fehlenden Nachfolgerinnen und Nachfolgern.
  • Banken vergeben wegen des Risikos in der Gastronomie kaum Kredite, während engagierte Betriebe sich mit regionaler Verwurzelung und flexiblen Konzepten behaupten.
  • Gastronomen warnen, dass mit dem Sterben der Dorfkrüge ein zentraler sozialer Treffpunkt und ein Stück Dorfseele verloren gehen würde.

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„Landein und landaus schließen überall in Schleswig-Holstein gastronomische Betriebe und werden auch nicht mehr aufgemacht“, sagt Jörg Windheuser. Er ist nicht nur langjähriger Betreiber des Landgasthofs Achtruper Stuben, sondern auch Vorsitzender des Bezirksverbands Südtondern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga).

Insbesondere jüngere Gründer würden von einer überzogenen Bürokratie und hohen Einstiegskosten davon abgeschreckt, sich mit einem Restaurant selbstständig zu machen oder einen bestehenden Betrieb zu übernehmen. Etablierte Gastronomen, die sich zurückziehen möchten, fänden oft keinen Nachfolger. 

Windheuser ist selbst davon betroffen, denn er sucht seit einiger Zeit jemanden, der seinen Gasthof übernehmen möchte. Eines der Hauptprobleme sei, dass junge Gründer gerade in der Anfangsphase, in der zahlreiche Investitionen nötig sind, von den Banken keine Kredite mehr bekämen.

Hohe Einstiegskosten schrecken junge Gastronomen ab

Dies kann Patrick Kagel vom Kirchspielkrug in Ladelund bestätigen: „Als junger Mensch, der in der Gastronomie Fuß fassen will, braucht man gar nicht erst zur Bank zu gehen“, sagt er. „Dort wirkt die Gastronomie wie ein schwarzes Tuch“, sagt er. Wegen der Coronakrise und der zahlreichen Pleiten hätten die Banken das Vertrauen in das Gewerbe verloren.

Zusammen mit seiner Frau Katrin hat Kagel 2023 den Kirchspielkrug in Ladelund übernommen. „Wir sind ganz gut ausgelastet“, sagt Kagel, „denn wir fangen viel Betrieb aus der Region auf.“ Ladelund allein habe 50 Vereine, die regelmäßig im Gasthof Versammlungen und Feste feierten.

Die Kagels setzen auf saisonale und beliebte Gerichte wie Spargel oder Grünkohl und bieten zusätzlich Veranstaltungen wie Konzerte oder Theater an. „Die Bilanz ist positiv, wir sind durchaus zufrieden“, sagt er. Man versuche jedoch, sich der Nachfrage anzupassen und flexibel zu reagieren. Landgasthöfe sind von jeher ein wichtiger Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft: „Im Dorfkrug findet von der Taufe bis zur Trauerfeier, Vereinsversammlungen und Dorffesten alles statt“, erklärt Jörg Windheuser.

Der Gasthof ist die Seele des Dorfs

Dies ist auch im Landgasthof Fegetasch in Neukirchen so. Vereine aus dem Ort und dem Umland, darunter die Feuerwehren, Sportvereine, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Sozialverband, Senioren, Landjugend und Landfrauen treffen sich dort.

„Unser Gasthof ist als Familienbetrieb bereits seit 1923 erfolgreich“, sagt Jan-Erik Sönksen, „bei uns arbeiten drei Generationen Hand in Hand“. Sönksen leitet den Betrieb zusammen mit seinem Onkel Arne Andresen, beide wurden beim Sternekoch Jörg Müller auf Sylt ausgebildet.

Im Familienbetrieb und im betriebswirtschaftlichen Verständnis sowie in der Qualität des Angebots und vernünftigen Preisen sieht Sönksen den andauernden Erfolg des Betriebes begründet.

Reduzierte Öffnungszeiten – kein Mittagstisch mehr

Allerdings spürt man auch in Neukirchen einen Wandel: Wie so viele andere gastronomische Einrichtungen bietet man werktags keinen Mittagstisch mehr an und hat die Öffnungszeiten auf den Abend reduziert. „Die Menschen gehen lieber am Sonntag mal mit der Familie aus“, sagt Sönksen.

Einig sind sich alle, dass ein Wegfall der Gasthöfe große Lücken hinterlassen würde. „Stirbt der Gasthof im Dorf, stirbt auch die Seele“, sagt Windheuser, damit ginge auch immer ein Stück Geschichte verloren. Er sieht nicht zuletzt die Politik in der Verantwortung.

Zwar gebe es immer einen Aufschrei, wenn eine Institution wie ein Traditionsgasthaus schließe, aber Hilfen, um dies zu verhindern, gebe es kaum. „Früher hat man noch zugehört und Wege aufgezeigt, wie es gehen kann“, sagt er. Die neuerliche Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent bringe wahrscheinlich erst langfristig gesehen eine wirkliche Erleichterung.