Justiz

«Reichsbürger»-Prozess: Männer müssen lange ins Gefängnis

Lange Haftstrafen für zwei Männer aus einer «Reichsbürger»-Gruppe.

Im Prozess gegen zwei Führungsfiguren der «Reichsbürger»-Szene in Thüringen ist das Urteil gefallen. Das Abrutschen der beiden Männer in die Szene war auch Folge ihres persönlichen Scheiterns.

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Zusammenfassung

  • In Mühlhausen wurden zwei führende «Reichsbürger» wegen Angriffen auf die verfassungsmäßige Ordnung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
  • Sie hatten Behörden mit massenhaftem Schriftverkehr und hohen Geldforderungen gezielt unter Druck gesetzt, um den Staat zu lähmen.
  • Beide Männer radikalisierten sich nach persönlichen Krisen und während der Corona-Pandemie; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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In einem «Reichsbürger»-Prozess am Landgericht Mühlhausen sind mehrjährige Haftstrafen verhängt worden. Das Gericht verurteilte zwei mutmaßliche Führungsfiguren einer «Reichsbürger»-Gruppe zu fünf Jahren und sieben Monaten beziehungsweise vier Jahren Gefängnis. 

Die beiden Männer hätten versucht, die verfassungsmäßige Ordnung in Deutschland zu untergraben, sagte die Vorsitzende Richterin Sarah Teicher. 

«Sie wollten den Staat lahmlegen und mindestens dazu beitragen, dass das bestehende Staatssystem möglichst rasch zusammenbricht.» 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Massenhaftes Versenden von Schreiben

Die 53 und 55 Jahre alten Männer hätten versucht, die Behörden durch das massenhafte Versenden von Schreiben etwa an Stadtverwaltungen oder das Thüringer Finanzgericht zu blockieren. 

Ihre Schreiben hätten zudem auf die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes persönlich gezielt, indem hohe Geldbeträge von ihnen gefordert worden seien. «Durch die hohen Geldforderungen wollten sie die Behördenmitarbeiter einschüchtern.»

Radikalisierung während der Corona-Pandemie

Sogenannte «Reichsbürger» leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und lehnen die staatliche Rechtsordnung ab. 

Bei ihrer Urteilsbegründung zeichnete die Richterin eine nahezu klassische Karriere der beiden Männer ins Milieu der sogenannten Reichsbürger nach. 

So stamme der 55-Jährige aus einer Landwirtschaftsfamilie und habe bis in die 2010er Jahre ein eigenes Unternehmen geführt, das schließlich aber Millionenschulden angehäuft habe. Nachdem auch noch seine Frau schwer erkrankt sei, habe sich der Mann der «Reichsbürger»-Ideologie zugewandt, auch mit dem Ziel, die Zahlung von Steuern zu vermeiden. 

Als Teil dieser Vereinigung sei der 53-Jährige bald ebenfalls als Führungsfigur anerkannt worden, sagte die Richterin. Er habe angefangen, den Rechtsstaat in Deutschland infrage zu stellen, nachdem er in einem Familienrechtsstreit mehrfach unterlegen war. Dabei habe er erfolglos versucht, ein Umgangsrecht für seine drei Kinder zu erstreiten. Beide Männer hätten sich durch die Corona-Pandemie dann immer weiter radikalisiert.

Der 55-Jährige wurde unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen, weil nach Ansicht des Gerichts keine Fluchtgefahr mehr besteht.