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„Dieses Mal wird es funktionieren“: So sollen die Olympischen Spiele nach Kiel kommen

Jo für Olympia in Kiel: Dirk Ramhorst, Barbara Ostmeier, Ulf Kämpfer, Magdalena Finke und Knud Hansen (v. l.).

Sechs Wochen vor dem Bürgerentscheid wirbt ein breites Bündnis für Olympia in Kiel. Doch was die Spiele kosten könnten, ist noch nicht klar.

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Zusammenfassung

  • In Kiel wirbt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer vor dem Bürgerentscheid für eine Bewerbung als Olympia-Segelstandort.
  • Geplant sind begrenzte Investitionen in Wohnraum, den Segelstandort Schilksee und eine neue Bootshalle, teils mit Fördermitteln von Bund und Land.
  • Wirtschaft und Sportverbände sehen große Chancen für die Region, während Kritiker und Skeptiker vor allem bei den Kosten noch offene Fragen haben.

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Für Ulf Kämpfer ist es das dritte Mal. Der Kieler Oberbürgermeister startet nach den vergeblichen Versuchen mit Hamburg und der Rhein-Ruhr-Region die dritte Olympiabewerbung. „Und dieses Mal wird es funktionieren“, glaubt der SPD-Chef. „Wir sagen Jo zu Kiel.“ Denn das ist das Motto der Kampagne.

Am Sonntag, 19. April, sind die Kieler aufgerufen, sich in einem Bürgerentscheid für oder gegen die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 auszusprechen. Die Briefwahl beginnt bereits an diesem Montag, 9. März.

Kiel bei allen Bewerbungen dabei

Kiel ist bei allen Bewerbungen als Austragungsort der Segelwettbewerbe im Boot. „Und wenn es Hamburg als Hauptaustragungsort werden sollte, auch mit anderen Sportarten wie Handball oder Rugby“, sagt Innenministerin Magdalena Finke (CDU), die die Bewerbung unterstützt. 

„Wir sind für nachhaltige Spiele, nach der Olympischen Idee, dass sich die Spiele an die Gastgeber anpassen sollen und nicht die Gastgeber an die Spiele.“

Deswegen will Kämpfer die Um- und Neubauten für die Spiele in Grenzen halten. Ein olympisches Dorf könne nach den Wettkämpfen als sozialer Wohnraum dienen, der in der Landeshauptstadt ohnehin dringend gebraucht werde. 

Rund 35 Millionen Euro veranschlagt Kämpfer für den Bau, noch einmal acht Millionen für den Umbau nach den Spielen.

„Fast schon ein Schnapper“: Das will Kiel für Olympia investieren

Dazu sollen zehn bis 15 Millionen Euro in die Sanierung des Segelstandortes in Schilksee fließen. „Auch da müssten wir ohnehin etwas tun“, sagt der Oberbürgermeister. Dazu kommen zehn Millionen Euro für den Bau einer zweiten Bootshalle, zu der der Bund 4,5 und das Land zwei Millionen Euro beitrage. „Den Rest trägt die Stadt Kiel“, sagt Kämpfer.

Außerdem gibt es Bewerbungskosten von einigen Hunderttausend Euro. Der Oberbürgermeister geht aber davon aus, dass es im Fall einer erfolgreichen Bewerbung Fördermittel des Bundes gibt. „Insofern ist das fast schon ein Schnapper.“ Wie viel Geld wofür genau benötigt werde, sei aber noch nicht raus.

Er sei in guter Verbindung zu den Hauptbewerbern in München, Hamburg und der Rhein-Ruhr-Region. Berlin hatte sich schon früh auf Rostock-Warnemünde als Austragungsort für die Segelwettbewerbe festgelegt. 

„Warnemünde ist ein nicht zu unterschätzender Gegner“, sagt die Präsidentin des Landessportverbands, Barbara Ostmeier. „Der Deutsche Olympische Sportbund wird auch darauf achten, wo die Zustimmung der Bevölkerung am größten ist.“

In München hatten sich jüngst 66 Prozent der Teilnehmer in einem Referendum für eine Bewerbung ihrer Stadt ausgesprochen. Das sei eine gute Vorlage, meint Kämpfer. 

„Es wird aber nicht in allen Regionen einen Bürgerentscheid geben.“ Den hat etwa die Bürgerschaft in Rostock für Warnemünde abgelehnt. In Hamburg sind die Bürger am 31. Mai zu einer Abstimmung aufgerufen.

„Es geht darum, die positive Stimmung an die Wahlurne zu bringen“, sagt der Regattachef der Kieler Woche, Dirk Ramhorst. 

Mit dem Segelevent zeige die Stadt jedes Jahr, dass sie Olympia könne. „Wir sind elfmal größer als die Olympischen Wettbewerbe.“ Denn zur Kieler Woche kämen rund 4500 Teilnehmer, zu den olympischen Wettbewerben nur 380.

Das sagt die Wirtschaft zu Olympia in Kiel

Dass die Spiele einen positiven Effekt auf ganz Schleswig-Holstein haben werden, da ist sich auch Knud Hansen sicher. 

„Die Wirtschaft ist überzeugt, dass das ein Booster für die gesamte Region wird“, sagt der Chef der Industrie- und Handelskammer Kiel. Jeder Euro, der mit öffentlichem Geld investiert werde, ziehe das Fünffache an privaten Investitionen nach sich.

Allerdings ist Hansen auch dafür, kritische Stimmen ernst zu nehmen, auch wenn Kämpfer sagt, dass es keine nennenswerte „No-Olympia-Bewegung“ wie etwa in Hamburg gebe. Landtag und Rat hätten sich eindeutig positioniert, allerdings ist etwa die Linke in Kiel nicht von der Idee der Spiele überzeugt.

Bereits am Sonntag, 8. März, will Kämpfer auf einem Bürgertag in Schilksee auch mit Skeptikern ins Gespräch kommen. Die gelte es zu überzeugen, sagt der Oberbürgermeister, der aber selbst bei einer erfolgreichen Bewerbung die Spiele in einer anderen Rolle erleben wird. Denn der Sozialdemokrat gibt sein Amt im kommenden Monat an Samet Yilmaz von den Grünen ab und will im Frühjahr 2027 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein werden – zum ersten Mal.