Deutsche Minderheit

Sigrids Buchtipp: Die wahre und „fesselnde“ Geschichte der Schule am Meer

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Sigrid Walter an einem ihrer Lieblingsorte, der deutschen Bücherei in Tingleff

Eine Schule mit eigenen Gärten, Salzwasseraquarien und Theaterhalle. Und das direkt am Meer? Da würde sicherlich nicht nur Sigrid Walter wieder gern die Schulbank drücken. Doch so idyllisch es klingt, so rau ist das Leben an der Küste auch – und dann ist da noch der Aufschwung des Nationalsozialismus.

„Es gibt Autoren, die verstehen es, den Leser zu fesseln“, sagt Sigrid Walter nachdenklich. Genau das ist Sandra Lüpkes mit ihrem Roman Die Schule am Meer gelungen. „Mit einer Mischung aus gut recherchierten Fakten und literarischer Fantasie schafft sie ein Leseerlebnis, das die Geschichte der Schule auf eindrucksvolle Weise lebendig werden lässt“, sagt die gebürtige Deutsche, die vor knapp zwei Jahren von Südbaden nach Tingleff gezogen ist.

Juist, 1925: An der abgelegenen Nordseeküste gründen engagierte Lehrerinnen und Lehrer eine besondere Internatsschule. Sie wollen jungen Menschen eine freie, gemeinschaftliche und kreative Bildung ermöglichen – fernab von alten Strukturen.

Sandra Lüpkes, selbst auf Juist aufgewachsen, lässt in ihrem Buch ein Stück bedeutsame Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Doch das Leben auf der rauen Insel ist nicht einfach. Es kommt zu Spannungen – zwischen den Lehrkräften, aber auch mit den Inselbewohnerinnen und -bewohnern, die dem Projekt skeptisch gegenüberstehen, da viele der Schülerinnen und Schüler jüdisch oder kommunistisch sind. Als der harte Eiswinter 1929 Juist wochenlang von der Außenwelt abschneidet, wird das Zusammenleben auf eine harte Probe gestellt.

Gleichzeitig wird auf der Insel der wachsende Einfluss des Nationalsozialismus spürbar – und bedroht alles, was die Schule ausmacht: Freiheit, Offenheit und Menschlichkeit.

„Ich finde die Geschichte wahnsinnig spannend, da sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Trotz seiner über 500 Seiten habe ich das Buch in nur zwei Tagen durchgelesen“, sagt Sigrid Walter, die Stammgast in der Deutschen Bücherei Tingleff ist.

Die Farben des Covers fangen die Stimmung des Inhalts ein und schicken den Lesenden bereits visuell zurück in die 1920er-Jahre.