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Ruf von SønderjyskE hat Kratzer abbekommen

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Hadersleben/Haderslev
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Foto: Scanpix/Henning Bagger

Die Moralapostel stehen Schlange, heben den Zeigefinger und finden es verwerflich, wenn nicht hundertprozentig auf Sieg gespielt wird. Das müsste auch so sein, aber wenn eine Struktur geschaffen wird, die nicht immer Siege belohnt, hat man ein dickes Problem. Ein Kommentar von Jens Kragh Iversen.

Matchfixing. Manipulation. Ohne Ethik und Moral. Unsportlich. Die Schimpfwörter sind durch die Luft geflogen, nicht zuletzt in den sozialen Medien.

Die SønderjyskE-Fußballer sind nach dem Auftritt am letzten Superliga-Spieltag ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Seitens einiger Brøndby-Fans war es sogar ein Shitstorm. Sie wähnten eine Wettbewerbsverzerrung im Meisterschaftskampf, weil SønderjyskE absichtlich dem direkten Titelkonkurrenten FC Midtjylland in der 90. Minute die Punkte hergeschenkt haben soll.

Niki Zimling hatte in der 86. Minute zum 1:1 ausgeglichen und sicherlich noch nicht mitbekommen, dass Horsens wenige Sekunden zuvor in Lyngby mit seinem Ausgleich die hellblauen Endrunden-Hoffnungen zunichte gemacht und SønderjyskE auf den verdammten siebten Tabellenplatz geschickt hatte, der SønderjyskE aufgrund der umstrittenen Superliga-Struktur wieder in arge Abstiegsgefahr bringen würde.

Ein Unentschieden war das Ergebnis, das unter allen Umständen vermieden werden musste. Nur ein Sieg oder eine Niederlage würde den Abstand zu den Abstiegsplätzen in der bevorstehenden Abstiegsrunde wieder anwachsen lassen. SønderjyskE warf alles nach vorne und nahm einen Gegentreffer in Kauf.

Der Favorit kam in der 90. Minute noch zum Siegtreffer. Das Defensivverhalten ließ zu wünschen übrig, aber niemand hätte was gesagt, hätte Christian „Greko“ Jakobsen in den Sekunden nach dem Schlusspfiff in einem Flash-Interview bei TV3 Sport nicht Öl ins Feuer gegossen.

„Es ist lächerlich. Mein Stolz ist verletzt, aber man tut ja, was am Besten für den Verein ist“, sagte ein sichtlich genervter „Greko“, der zwar die Frage, ob man absichtlich verloren habe, nicht beantworten wollte, aber mehr als andeutete, dass es ein Dekret von oben gegeben hat.

Hier liegt das Problem. SønderjyskE hat sich damit angreifbar gemacht und steht in einem schlechten Licht, obwohl es kaum einer den Hellblauen verdenken kann, auf die weitaus leichtere Gruppe zu spekulieren, nachdem die Endrunden-Chance verpufft war.

Die Moralapostel stehen Schlange, heben den Zeigefinger und finden es verwerflich, wenn nicht hundertprozentig auf Sieg gespielt wird. Das müsste auch so sein, aber wenn eine Struktur geschaffen wird, die nicht immer Siege belohnt, hat man ein dickes Problem.
Hand aufs Herz: Wer kann schon von sich behaupten, dass man sich freiwillig wieder in arge Abstiegsgefahr begeben will? Sechs Punkte hat man durch die Niederlage in Herning gewonnen.

SønderjyskE hat das gemacht, was die meisten in dieser Situation machen würden, wenn nicht sogar alle, hat sich dabei aber ziemlich blöd angestellt. Hätte man es beim 0:1 gelassen, hätte kein Hahn danach gekräht. Eine erwartete Niederlage beim Titelkandidaten. Andere sind schlauer gewesen. So werden keine Zeigefinger auf OB gerichtet, obwohl die Odenseer beim Tabellenvorletzten Randers FC mit 1:4 baden gingen und einen weiten Bogen um den unerwünschten siebten Tabellenplatz machten.

SønderjyskE hat vom Image her Kratzer abbekommen, verdient oder nicht. Der DBU-Disziplinarausschuss will die Angelegenheit behandeln, aber es wäre völlig vermessen, SønderjyskE wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen. Die Augen müssen auf die Macher der Superliga-Struktur gerichtet werden.

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