Deutsche Minderheit

„Grönland hat es mir angetan und mich nie losgelassen“

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Walter Turnowsky ist von der Insel fasziniert. Ein Selfie machte er vor dem Ukkusissat, dem Hausberg von Nuuk.

„Nordschleswiger“-Korrespondent Walter Turnowsky zog es mit fast 50 Jahren auf die größte Insel der Welt. Bei Vorträgen will er Aufklärungsarbeit betreiben. Die Deutsche Bücherei lädt am Dienstag, 20. Mai, zu einem Vortrag mit dem in Apenrade aufgewachsenen Journalisten ein.

Mit dem Einverständnis seiner Frau, die in Kopenhagen bleiben wollte, machte sich der Journalist Walter Turnowsky als 49-Jähriger auf in arktische Gefilde. Mehrere Jahre sollte der gebürtige Nordschleswiger in Grönland bleiben und arbeiten, bis ihn der Beruf wieder nach Dänemark zurückführte.

Am Dienstag, 20. Mai, hält er einen Vortrag über Grönland in der Deutschen Bücherei Tondern. Dabei wird es sich nicht ausschließlich um eine politische Veranstaltung handeln, obwohl der Titel „Grönland auf dem Weg in die Selbstständigkeit“ heißt.

„Ich werde über meine persönlichen Begegnungen sprechen und was ich von Grönland mitgenommen habe. Auch wenn man glaubt, viel über Grönland zu wissen, weiß man eigentlich verdammt wenig“, sagt er. Er will versuchen, Aufklärungsarbeit zu betreiben. Sein Anliegen bei seinen Vorträgen ist, „das Bild von Grönland zurechtzurücken“ und landläufige Vorstellungen über Grönland zu hinterfragen, etwa das Selbstbildnis Dänemarks als „gute Kolonialmacht“.

Der Wunsch der Inuit nach Selbstständigkeit wird er aber auch in seinem Vortrag thematisieren. Er sei „felsenfest davon überzeugt“, dass die Grönländer an dieses Ziel kommen, das sie so verinnerlicht haben.

Ich könnte natürlich mehrere praktische Gründe nennen, die gegen eine Selbstständigkeit sprechen, aber ich verstehe es sehr gut, dass die Bevölkerung den Wunsch hat, auf eigenen Beinen zu stehen.

Walter Turnowsky

„Es wird nicht morgen oder übermorgen sein. Aber sie werden selbstständig werden. Ich könnte natürlich mehrere praktische Gründe nennen, die dagegensprechen, aber ich verstehe es gut, dass die Bevölkerung wünscht, auf eigenen Beinen zu stehen, ohne dabei zu sagen, dass alles Dänische schlecht ist. Denn die Bande soll bewahrt bleiben. Aber die Inuit wollen als gleichwertiger Partner gesehen werden“, betont Turnowsky, der seit 2020 Kopenhagen-Korrespondent des „Nordschleswigers“ ist.

Was ihn getrieben hat, als 49-Jähriger nach Grönland zu ziehen und zu arbeiten? Auf dieses Abenteuer ließ er sich aufgrund seines Wunsches nach beruflicher und geografischer Veränderung ein. Dabei sollte sein Lebensweg nach einem Biologiestudium ein ganz anderer sein.

„Ich bin eigentlich nie länger als sieben bis neun Jahre an einem Ort geblieben. Dann musste etwas Neues passieren. Eine frühere Kollegin hatte mich auf eine Stellenanzeige auf Facebook aufmerksam gemacht. Ich bewarb mich und bekam den Job in Grönland. Seitdem hat mich diese Insel mit ihrer einzigartigen und überwältigenden Natur, das dortige Leben und die Stimmung nicht mehr losgelassen“, schwärmt Turnowsky von seiner Faszination für das Land. „Wenn ich in Nuuk aus dem Flugzeug steige, kommt in mir das Gefühl des Nachhausekommens auf.“

Faszinierendes Nordlicht mit dem Wohnblock im Hintergrund, in dem der Nordschleswiger wohnte.

Regelmäßig fliegt der heute 61-Jährige nach Grönland. Auch der diesjährige Sommerurlaub geht mit zwei Freunden ins ewige Eis. „Zum Angeln und Schauen, denn Grönland hat es mir angetan“, sagt der Journalist, der sieben Jahre für die grönländischen Medien KNR und Sermitsiaq gearbeitet hat.

Der Vortrag, der von Videos, Fotos und Musik begleitet wird, beginnt um 19 Uhr. Interessierte sollten sich gerne anmelden (tondern@buecherei.dk oder 74 72 33 59). Ist der Andrang zu groß, wird in die Schule umgezogen.

Der Vortragsabend ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des BDN, der Bücherei und des „Nordschleswigers“.