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Das Runde liegt im Eckigen

Das Runde liegt im Eckigen

Das Runde liegt im Eckigen

Lügumkloster/Kiel
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Eines der kreisrunden, kleinen Kunst-Felder liegt bei Adelwatt (Adelvad). Foto: Monika Thomsen

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Criminal Crops, Kriminelle Ernten, lautet der Titel eines Kunstprojekts, für das man nicht ins Museum fahren muss. Es liegt am Wegesrand.

In dem Projekt Perspektivregion geht es ums deutsch-dänische Grenzland, um dessen Vergangenheit und dessen Zukunft. Kooperationspartner der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein ist unter anderem die Løgumkloster Højskole. Kunst ist ein Baustein der Perspektivregion; in Form von „Criminal Crops“ (Kriminelle Ernten) wächst ein Kunstprojekt gerade im Wortsinne heran – auf deutscher und dänischer Seite.

Der Künstler David Hahlbrock hat sich mit Landwirten, die ökologisch produzieren, auf dänischer und deutscher Seite zusammengetan. In einer vom Menschen geprägten, eckigen Kulturlandschaft finden sich an bestimmten Orten kleine runde Felder, mit Bohnen und einer alten Maissorte bepflanzt – eine unregistrierte Sorte mit bunten Körnern.

Die Landwirte, die mitmachen, kümmern sich um die kleinen runden Felder, dabei ist aber nicht klar, was am Ende rauskommt. Egal wie die Ergebnisse ausfallen, Mais und Bohnen sollen im Januar/Februar in Form einer Installation im Rahmen einer Ausstellung präsentiert werden.

Bei Landart im heutigen Sinne geht es nicht um Verschönerung, sie ist Intervention.

Heike Stockhaus, Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Landwirte helfen dem Künstler, die Landart zu erzeugen. Aber: Landart habe, so Heike Stockhaus von der Heinrich-Böll-Stiftung, nichts mehr mit dem Gestalten von Parks zu tun, wie ehemals. „Bei Landart im heutigen Sinne geht es nicht um Verschönerung, sie ist Intervention. Sie will auf etwas aufmerksam machen."

Und so geht es bei den kleinen runden Feldern um die Landwirtschaft, wie sie ist, wie sie vielleicht sein sollte oder könnte, darum, was sie macht mit Pflanzen, mit Tieren und mit den Menschen.

„Es geht um Sinn und Zukunft der Nahrungsmittelproduktion“, so Heike Stockhaus, die daran erinnert, dass heutzutage Landwirte jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen, im Unterschied zur Vergangenheit, in der Bauern einen Teil der Ernte zurückhielten, um im Frühjahr neu auszusäen.

Zum Mais kamen Bohnen

Ursprünglich schwebten dem Künstler kreisrunde Maisfelder vor. Dann kamen Bohnen hinzu. Diese Idee sei im Gespräch mit den betreuenden Landwirten entstanden, da die ins Spiel gebrachte Bohne Stickstoff aus der Luft ziehe und so als Dünger fungiere, so Stockhaus.

Eines der kleinen Felder ist an der Syddansk Universitet in Odense beheimatet. Nun im August zeigt sich der Einfluss der Umgebung auf das Feld, der, was das Gedeihen der Pflanzen betrifft, nach der Beschreibung von Heike Stochhaus eher bremsend ausfällt. Dort fehle es an Mutterboden. „Aber auch das gehört dazu“, sagt sie.

Neben dem Kunstprojekt Criminal Crops war ein Erinnerungsparlament am 4. Mai in Kiel Teil der Perspektivregion. In einem Zukunftsparlament Ende September in Lügumkloster (Løgumkloster) geht der Blick nach vorn.

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