Historisches

Lebendige Grenzlandgeschichte in Schackenborg-Ausstellung

Grenzlandgeschichte in Schackenborg-Ausstellung

Grenzlandgeschichte in Schackenborg-Ausstellung

Mögeltondern/Møgeltønder
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Großformatige Fotografien, teilweise von Familienmitgliedern aufgenommen, sind Teil der Ausstellungsstationen. Auf dem Foto der künstlerisch begabte junge Graf Schack, der das Gymnasium in Lübeck besucht hat. Foto: Volker Heesch

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Originaldokumente aus dem Fundus von „Museum Sønderjylland“ und der Schackenborg-Stiftung geben Einblick in die Lebensgeschichte eines wichtigen Akteurs vor und nach den Volksabstimmungen 1920. Besucher erhalten nur Einlass in die zum Grenzjubiläum konzipierte Schau in Verbindung mit einer Führung durch das Schloss in Mögeltondern.

Die neue Ausstellung über das Leben und das Wirken Graf Otto Didrik Schacks, des ersten Amtmanns von Tondern (Tønder) nach den Volksabstimmungen 1920 und der Neuziehung der deutsch-dänischen Grenze auf Schloss Schackenborg in Mögeltondern, präsentiert sehr viele Originalgegenstände aus dem Leben des in dem 1664 erbauten Herrenhaus 1882 geborenen Adligen.

Aus dem Nachlass des Grafen Schack sind Gegenstände wie eine Postkarte, abgestempelt am Tag der Volksabstimmung in Nordschleswig, am 10. Februar 1920, zu sehen, frankiert noch mit einer deutschen Briefmarke. Foto: Volker Heesch

Die Familiengeschichte des vorletzten „Herrschers“ der Grafschaft Schackenborg, mit der der Feldherr in dänischen Diensten, Hans Schack, 1671 als gegen die Schweden siegreicher Reichsfeldherr belehnt worden war, liefert lebendige Grenzlandgeschichte. Die Ausstellung präsentiert Zeugnisse aus der Kindheit und Jugend Otto Didrik Schacks, der während der preußischen Herrschaft über die nach dem Krieg 1864 aus dem dänischen Gesamtstaat herausgelösten Herzogtümer Schleswig und Holstein das Gymnasium Katharineum in der damals noch unabhängigen Hansestadt und „Stadtrepublik“ Lübeck besuchte.

Museumsinspektorin Mariann Kristensen war maßgeblich an der Konzeption der Ausstellung beteiligt. Sie stellt Info-Stationen vor, wie die, an der als Tondokument die Rede Graf Schacks bei der „Wiedervereinigungsfeier" 1920 abgespielt werden kann. Foto: Volker Heesch

Seit 1905 Herr auf Schackenborg

Nach dem Abitur und bis zur Übernahme der Leitung der auch während der preußischen Herrschaft mit Sonderrechten ausgestatteten Grafschaft im Jahre 1905 studierte Schack in München Jura und Kunst. Erst vor wenigen Jahren auf dem Dachboden von Schackenborg entdeckte Bilder aus der Hand Otto Didrik Schacks sind zu sehen, der sich als ältester Sohn einer dänischen Adligen nach dem Tode des Vaters Hans Schack sich schrittweise der in Opposition zur preußischen Obrigkeit stehenden dänischen Bewegung anschloss.

Mitglied im Tonderner Kreistag

In dem nur in seinem südlichen Teil, heute zu Deutschland gehörenden Bereich, sowie in Tondern und Hoyer (Hoyer), deutsch geprägten Kreis Tondern war der junge Graf Mitglied des Kreistages, was nach seinem dänischen Engagement für Aufsehen und Anfeindungen sorgte. Die Schack‘sche Familiengeschichte ist ein interessantes Thema der Ausstellung. So war der 1905 verstorbene Hans Schack, Jahrgang 1852, bekannt als Gelehrter und Ägyptologe. Er hatte sich weitgehend aus den deutsch-dänischen nationalen Auseinandersetzungen herausgehalten, aber sich als religiöser Mensch und Mitglied der Kirchensynode für die dänische Sprache in den Gottesdiensten in dänisch geprägten Gebieten Schleswigs engagiert.

Der Direktor von „Museum Sønderjylland", Axel Johnsen, würdigte Otto Didrik Schack als einen Vorreiter einer deutsch-dänischen Verständigung. Foto: Volker Heesch

Der Direktor des Museumsverbundes „Museum Sønderjylland“, Axel Johnsen, hatte Otto Didrik Schack in seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung als einen Menschen charakterisiert, der stets seinen Nachbarn, aber auch Widersachern mit Respekt gegenübergetreten sei, oft in einem „idealistischen und naiven Zugang“. „1920 hatte er es als ganz und gar gerechtfertigt angesehen, dass H. P. Hanssen bei der Feier in Düppel das Wort erhalten sollte“, so Johnsen zur Rolle des Grafen, der von der Internationalen Kommission (CIS) im Januar 1920 noch zum Landrat des gesamten Kreises Tondern ernannt worden war und seit der offiziellen Abtretung Nordschleswigs durch Deutschland am 15. Juni 1920 dänischer Amtmann des neuen Amtes Tondern geworden war, das neben dem Nordbereich des alten Kreises Tondern auch den dänisch geprägten Teil des früheren Kreises Hadersleben (Haderslev) rund um Scherrebek (Skærbæk) umfasste.

Unterstützer H. P. Hanssens

„Mit seiner Unterstützung für H. P. Hanssen kam er in den Gegensatz zu rechten Kreisen und den König. Aber er wollte einen Kompromiss. Er schwebte jedoch als Graf und auch später als Amtmann über den Dingen“, so der Historiker unter Hinweis auf Hanssens Engagement für die bis heute existierende deutsch-dänische Grenze auf Basis einer demokratischen Abstimmung. Er würdigte die liberale Haltung Schacks gegenüber der deutschen Minderheit als Ausdruck seiner Überzeugung, dass Dänemark nicht die ungerechte Unterdrückungslinie der früheren deutschen Regierung in Nordschleswig gegenüber der dänischen Bevölkerung wiederholen sollte.

Einsatz für deutsche Schulen nach 1920

„So war es Schack zu verdanken, dass im Amt Tondern besonders viele deutsche Abteilungen in den kommunalen Schulen eingerichtet wurden, was aber auch Teilen der deutschen Minderheit nicht passte, die im Schulbereich Herr im eigenen Hause sein wollte“, so Axel Johnsen. Herausgefordert wurde die Rolle Schacks als Brückenbauer in den 1930er Jahren, als der Nationalsozialismus die deutsche Minderheit zunehmend erfasste.

Nach 1945 hart kritisiert

„Er stand dann fast ganz allein da, als er sich nach 1945 nach der Rechtsabrechnung weiter für die deutsche Minderheit einsetzte“, so der Fachmann für Grenzlandgeschichte, der auf Schacks Enttäuschung hinwies, einerseits über den Undank, den er vonseiten der durch die auf Nazi-Linie geschwenkten Deutschen erlebte, aber auch an hasserfüllten Reaktionen in Dänemark in der Nachkriegszeit, die seine letzten Lebensjahre überschatteten.

Der bei Kopenhagen lebende Unternehmer Niels Jørgen Frank hat mit Stiftungsgeldern die Ausstellung über Otto Didrik Schack gefördert. Frank wurde auf dem Hof Tøndermark geboren. Foto: Volker Heesch

Anwesend bei der Eröffnung der Ausstellung war auch der aus Tondern stammende Unternehmer Niels Jørgen Frank, der die neue Ausstellung durch Stiftungsmittel gefördert hat. Siegfried Matlok, der bei der Ausstellungseröffnung im Namen der Schackenborg-Stiftung sprach, verwies auf den Teil der Schau, in der die positive Entwicklung im Grenzland bis in die Gegenwart beschrieben wird. „Die hat er nicht mehr erlebt“, so Matlok über Schack und verwies darauf, dass diesem neben Poul Schlüter ein Denkmal am ehemaligen Amtmannspalais gewidmet sei. Beide hätten sich um die deutsch-dänische Verständigung verdient gemacht.

Moderne Vermittlungstechnik

Die Museumsinspektorin Mariann Kristensen, die nicht nur Mitverfasserin des neuen Buches über Otto Didrik Schack ist, sondern auch an der Ausgestaltung der Ausstellung beteiligt war, wies auf die moderne Vermittlungstechnik in der Schau hin, in der an den Exponaten alle Texte in dänischer und deutscher Sprache angebracht worden sind. Es ist auch möglich, sich die Rede Graf Schacks bei der dänischen Wiedervereinigungsfeier 1920 anzuhören. Auch werden auf Bildschirmen Filme aus der Zeit der Grenzziehung 1920 gezeigt. Beispielsweise vom Besuch König Christian X. auf Schackenborg im Juli 1920 in Verbindung mit seinem Besuch in Tondern, wo dieser vom deutschen Bürgermeister Oluf Olufsen willkommen geheißen wurde.

Otto Didrik Schack mit seiner Ehefrau Karin, die eine entfernte Verwandte des Lehnsgrafen war. Foto: arkiv.dk

Die Ausstellung ist nicht frei zugänglich. Besucher erhalten nur Einlass in die zum Grenzjubiläum konzipierte Schau in Verbindung mit einer Führung durch das Schloss in Mögeltondern. Die Termine für die kostenpflichtigen Führungen sind auf der Homepage Schackenborg.dk zu finden. Es empfiehlt sich eine Buchung per Internet.

https://www.nordschleswiger.dk/de/nordschleswig-tondern-daenemark-politik/geschichte-erleben-beispiel-otto-didrik-schacks

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