Rente

Urgestein bei Hans Holm geht von Bord

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Tingleff/Tinglev
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Kurt Hartung ist seit 49 Jahren eine geschätzte Arbeitskraft bei der Maschinenhandlung Hans Holm. Foto: F. Hartung

Kurt Hartung hatte am Dienstag seinen letzten Arbeitstag als Mechaniker. In Rente geht auch seine alte Schultasche.

So etwas sucht schon seinesgleichen: Kurt Hartung aus Tingleff ist seit der Lehrlingszeit bei der Maschinenhandlung Hans Holm als Mechaniker beschäftigt. Seit 49 Jahren ist der einstige Werkstattleiter dort eine geschätzte Kraft. Nun geht der bald 65-Jährige in Rente.

Warum nicht die beachtliche Dienstzeit von 50 Jahren voll machen? „Ne, wieso denn? Ich arbeite nicht, um irgendwelche Rekorde aufzustellen“, sagt Hartung bescheiden. Am Dienstag war sein letzter Arbeitstag. Ob es denn wehmütig oder mulmig war, nach so vielen Jahren das letzte Mal den Arbeitsplatz zu betreten? „Irgendwie nicht. Ich habe den Entschluss, jetzt aufzuhören, ja schon vor längerer Zeit gefasst. In den nächsten Tagen wird sich aber sicherlich das eine oder andere komische Gefühl einstellen“, so das Hans-Holm-Urgestein.

Auch Ehefrau Kirsten, die fast 40 Jahre im Pflegeheim gearbeitet hat, läutet den Ruhestand ein. Das haben beide so vereinbart. Die Enkel wird es freuen. „Wir haben jetzt gerade Enkel zum Ferienbesuch da“, bemerkt Kurt Hartung, der seine freie Zeit künftig im Sommerhaus nutzen und sich als Vorsitzender weiter um das Tingleffer Wasserwerk kümmern möchte.

Die ominöse Schultasche. Sie hat fünf Jahrzehnte das Schul- und Pausenbrot von Kurt Hartung transportiert. Foto: F. Hartung

Treuer Begleiter

Mit in den Ruhestand nimmt Kurt Hartung seine alte lederne Schultasche. Seit der Lehrlingszeit hat er darin sein Pausenbrot und seinen Kaffee zur Maschinenstation getragen. „Ich habe sie bekommen, als ich in der sechsten oder siebten Klasse war. Es hat sich so ergeben, dass ich sie bis heute benutzt habe. Ich habe sie mehrmals flicken müssen, weil sie sonst auseinandergefallen wäre“, erzählt der Tingleffer mit einem Schmunzeln.
„Das Brot hat Kirsten (Ehefrau, red. Anm.) immer für mich geschmiert und reingelegt. Hier in der Firma haben wir spaßeshalber errechnet, dass die Tasche im Laufe der Zeit rund fünf Tonnen Brot transportiert hat“, ergänzt Kurt Hartung und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Einen Ehrenplatz hat er für die Tasche nicht vorgesehen. „Ich habe eigentlich vor, sie in den Müll zu werfen. Die Tasche ist vollkommen verschlissen. Sie hat ausgedient.“ Vielleicht ein Fall für das Schulmuseum? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine heruntergekommene Tasche Interesse hat“, so der baldige Ruheständler.

Wegen verbliebener Urlaubszeiten und Abbummeltage ist er noch bis Oktober als Mitarbeiter geführt. Und da viele Kollegen gerade selbst im Urlaub sind, hat es an Kurt Hartungs letztem Arbeitstag noch keine Verabschiedungsfeier gegeben. „Ich habe selbst darum gebeten, es zu verschieben, denn es sind ja nicht alle da. Ich möchte mich gern von allen verabschieden.“

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