Rhetorik-Training

Der richtige Ton macht das Rennen

Ilse Marie Jacobsen
Ilse Marie Jacobsen Journalistin
Sonderburg/Sønderborg
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Oliver Niebuhr Foto: Karin Riggelsen

Oliver Niebuhr vom „Centre for Industrial Electronics“ (CIE) des Mads Clausen Instituts in Sonderburg hat gemeinsam mit Kollegen ein Computerprogramm entwickelt, das Stimmen auf ihre Überzeugungskraft testet und dabei hilft, die Rhetorik zu verbessern.

Die Sprache begleitet den Menschen überall hin – vom morgendlichen Aufwachen bis hin zum Gute-Nacht kurz vor dem Einschlafen.

„Die Sprache ist überall wichtig – natürlich auch in der Wirtschaft und der Wissenschaft“, stellt der akustische Phonetiker von Syddansk Universitet (SDU), Oliver Niebuhr, fest.

Deshalb haben er und ein mehrköpfiges Team des Mads Clausen Instituts vor fast vier Jahren das neue Konzept eines objektiven, akustisch-basierten rhetorischen Stimmtrainings in Angriff genommen. Sie haben ein ganz spezielles Computerprogramm entwickelt, das Stimmen auf ihre Überzeugungskraft hin testet. Denn nur wer redegewandt und ausgeglichen vermitteln kann, kann sein Produkt oder seine Idee gut und erfolgreich verkaufen.

Das hat schon vielen geholfen. „Alle konnten sofort hören, dass sie besser klingen“, versichert Oliver Niebuhr. Akustisch liegen diese Verbesserungen stets bei messbaren 20 bis 30 Prozent, mindestens, so Niebuhr. Gerade bei den Frauen lohnt es sich. Sie werden schneller besser als die Männer, wie er lächelnd sagt.

Gute Präsentation

Das ganze Projekt begann einst mit der Suche nach einem Thema, das die verschiedenen Forschungsinteressen im Alsion über Fachbereiche hinweg verbindet. Früher konnte ein Manager noch hinter den Kulissen an den Fäden ziehen. Heute müssen alle an den verschiedenen Strängen – auch Youtube und Twitter – ziehen, um erfolgreich zu sein. „Das gilt auch für die Ingenieure. Nur wer sein Produkt überzeugend präsentiert, kann exzellent verkaufen“, weiß Oliver Niebuhr.

Zusammen mit lokalen Industrievertretern und der SDU hat er eine eigene Firma gegründet. Sie heißt Allgoodspeakers.com, und sie widmet sich ab jetzt intensiv der Weiterentwicklung und dem internationalen Vertrieb der neuen digitalen Stimmen-Rhetorik, die für alle Entscheidungsträger und Verhandler von heute und morgen eine entscheidende Neuerung darstellt.

Bislang haben über 200 Personen eine Sprachprobe von mindestens 40 Sekunden abgeliefert. Diese wird vom Computer auf 16 verschiedene Parameter zwischen null und 100 eingeschätzt. 100 ist die beste Zensur.
So wird erkundet, ob zum Beispiel der Ton angehoben oder gesenkt oder ob schneller oder langsamer gesprochen werden sollte, etwa wenn man unausgewogen spricht, dann kommt die Botschaft manchmal überhaupt nicht beim Gegenüber an.

Wichtige Sache

„Es hat sich gezeigt, dass der richtige Ton die Worte überflügelt. Die Stimme und deren Sprechmelodie sind überaus wichtig“, so Oliver Niebuhr. In seinem Büro hat er ein ganzes Regal voller Ratgeber-Literatur zum Thema Sprache. Die Experten sind sich nicht ganz einig. „Es finden sich viele Widersprüche in den Ratgebern, die wir mit experimenteller Forschung auflösen konnten“, so Niebuhr.

Das SDU-Projekt, das eine Kooperation mit der Universität Nürnberg und der Technischen Universität in München eingeleitet hat, wird bald seine eigene Adresse erhalten.

Eigene Adresse

In dem CIE-Neubau direkt neben dem Alsion wird unter anderem ein schallgedämmter Raum für die akustische Gruppe eingerichtet. In den 50 Quadratmetern werden auch verschiedene Klangsituationen simuliert werden können, etwa wenn das Publikum nicht ganz andächtig lauscht oder wenn die Umgebung den Redner stört. Damit klarzukommen ist eine Sache des Trainings.

An der SDU oder wahlweise auch in den Räumen der Kunden vor Ort werden Seminare – halbtags bis zwei Tage – angeboten. Die Einnahmen der Kurse fließen der SDU zu. Zu den primären Zielgruppen zählen Gründer, Lehrer, Politiker, Manager und Bänker. Die Technik kann vielen verschiedenen Personen helfen, wie Oliver Niebuhr feststellt.
Oliver Niebuhr freut sich über die neuen Räumlichkeiten im CIE. Aber er hat einen Traum. Wenn seine Kunden sich eine Virtuell Reality-Brille aufsetzen könnten, dann könnte er die Kunden noch intensiver herausfordern.

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