Energiemarkt

Deshalb ist Strom in Nordschleswig deutlich teurer als in Kopenhagen

Deshalb ist Strom in Nordschleswig deutlich teurer als in Kopenhagen

Deshalb ist Strom in Nordschleswig teurer als in Kopenhagen

cvt/Ritzau
Kopenhagen/Apenrade
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Nachts die Spülmaschine laufen lassen – das war in Nordschleswig zuletzt fast dreimal teurer als in Kopenhagen (Archivfoto). Foto: Klaus Bo/Ritzau Scanpix

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Energiepreise: Im westlichen Dänemark muss zeitweise dreimal so viel pro Kilowattstunde gezahlt werden wie im Osten. Wie kann das sein? Die Antwort liegt auch in der Nähe zu Deutschland.

Derzeit zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher in Nordschleswig sowie dem restlichen Jütland und auf Fünen deutlich mehr dafür, nachts die Wasch- oder Spülmaschine laufen zu lassen als im östlichen Dänemark.

Zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens kostete eine Kilowattstunde Strom in der Nacht zu Donnerstag im östlichen Dänemark, sprich im Bereich Kopenhagen, Seeland und Lolland-Falster, 1 Öre. Im westlichen Dänemark waren es knapp unter 3 Öre. Dies zeigen laut „Børsen“ Zahlen der Strombörse Nord Pool.

Dänemark ist in zwei Preisbereiche aufgeteilt

Die Nacht war kein Einzelfall, das Muster hat sich im Laufe der Woche mehrfach wiederholt. Und es ist kein Zufall. Das sagt Kristian Rune Poulsen, Berater beim Branchenverband Green Power Denmark.

Dänemark sei in zwei Preisbereiche aufgeteilt, weil es einen Flaschenhals am Großen Belt gebe. Dort liegt ein Stromkabel im Meeresgrund vergraben.

Jütland eng mit deutschem Markt verwoben

„Im Moment ist der Engpass zwischen Ost- und Westdänemark sehr ausgeprägt, weil wir in Schweden, Ostdänemark und Nordnorwegen viel Energie haben, während es unter anderem in Deutschland an billiger Stromproduktion mangelt“, sagt er.

Westdänemark – und damit auch Nordschleswig – ist sehr eng an das deutsche System gekoppelt, während Ostdänemark mit Kopenhagen im Takt mit Schweden und Norwegen schwingt.

Und hier unterscheiden sich die Preise aus einem einfachen Grund: Der Strompreis wird nach einer gleitenden Skala festgelegt. Die höchsten Stufen sind zum Beispiel Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Öl und Gas. Sie sind teuer geworden.

Die niedrigsten und billigsten Stufen sind zum Beispiel Solar- und Windkraft.

Weil also aus unterschiedlich versorgten Netzen importiert wird und die Netzgesellschaft Energinet entschieden hat, um ein Gleichgewicht zu schaffen am Großen Belt eine Preisgrenze zu ziehen, gibt es östlich und westlich der Meerenge unterschiedliche Strompreise.

Kriegers Flak
Der Offshore-Windpark Kriegers Flak (Archivfoto) befindet sich in der Ostsee zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland. Seit der Inbetriebnahme im vergangenen September ist im Osten Dänemarks häufiger ein Stromüberschuss zu verzeichnen. Foto: Olafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix

Pipeline macht Sorgen

Auf der nordschleswigschen Seite des Beltes gehen die Preise auch deshalb gerade hoch, weil es in Deutschland Sorgen um die Gasversorgung gibt, was die Preise enorm hat ansteigen lassen.

Hintergrund ist, dass die jährlichen Instandhaltungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 begonnen haben, was bedeutet, dass die Versorgung zehn Tage lang eingestellt wird. Nun wird befürchtet, dass der Gashahn wegen des Krieges in der Ukraine gar nicht erst wieder aufgedreht wird.

Auf der anderen Seite profitieren Kopenhagen, Seeland und die Inseln im Osten davon, dass der Offshore-Windpark Kriegers Flak zwischen Seeland und Bornholm reichlich Strom liefert.

Experte: Vieles hängt von Putin ab

Kristian Rune Poulsen erwartet, dass der große Preisunterschied noch diese Woche annähernd ausgeglichen wird.

„Normalerweise sind es auf längere Zeiträume betrachtet nur ein paar Öre Unterschied, aber jetzt gerade ist es ein extremer Unterschied. Ich gehe davon aus, dass das nicht von Dauer ist, aber wir werden auch in Zukunft wieder Unterschiede sehen“, meint er.

„Langfristig gesehen muss man sich wahrscheinlich in Putins Kopf hineinversetzen, um das vorhersagen zu können, denn es hängt sehr stark mit den Gaslieferungen zusammen, die zur Destabilisierung des gesamten Energiemarktes beitragen“, so sein Fazit.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ein Leck in unserer Gesellschaft“