Deutsche Minderheit

Sprachcharta: EU-Experten fordern Taten von Dänemark

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Kopenhagen
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Jan Diedrichsen
Jan Diedrichsen Foto: Karin Riggelsen

Fünfter Bericht der Expertenkommission liegt vor: Dänemark muss in zwei Punkten nachbessern. Es geht um Audio- und Videoangebote für die deutsche Minderheit in Nordschleswig.

Dänemark kommt weiterhin nicht all seinen Verpflichtungen zum Schutz der Minderheitensprachen nach und muss nachbessern. Zu diesem Ergebnis ist das Expertenkommitee der europäischen Sprachencharta gekommen. Die Mitglieder, die ihre Vorschläge nun dem EU-Ministerrat vorlegen, sind mit der generellen Entwicklung der deutschen Minderheit in Dänemark zufrieden, fordern aber Fortschritte in zwei konkreten Punkten.

Zum einen mehr Radioprogramme und TV-Beiträge auf Deutsch. Zum anderen „Maßnahmen zur Steigerung des Bewusstseins und der Wertschätzung des Deutschen als eine Minderheitensprache durch das Land Dänemark“, so der Wortlaut des Papiers.

Der Hintergrund: Die deutsche Minderheit in Nordschleswig fordert seit geraumer Zeit, die digitale Information der Minderheit zu stärken, um auch Radio und gefilmtes Material stärker publizieren zu können. In Zusammenarbeit mit dem Medium Der Nordschleswiger will man diese digitale Berichterstattung aus der – und über die – Minderheit verstärken.

Statt eines eigenen TV-Senders und Radiobetriebs will die Minderheit digital aufrüsten. Ein Wunsch, mit dem die Regierung in Kopenhagen vergleichsweise günstig wegkäme. Doch diese Forderung der Kommission – es ist ihr mittlerweile fünfter Bericht – haben bislang in Kopenhagen keine Umsetzung gefunden. Derzeit hofft die Minderheit, dass der Projektvorschlag für den ausgebauten digitalen Informationskanal im Haushaltsbudget der Regierung berücksichtigt wird. Rund 4,5 Millionen Kronen benötigt die Minderheit für das digitale Medienprojekt und den verstärkten Informationseinsatz.

Wird die Mahnung des EU-Expertenkommission auf Christiansborg diesmal Anklang finden? Jan Diedrichsen, Leiter des deutschen Sekretariats in Kopenhagen, hofft auf einen Durchbruch noch vor den Kommunalwahlen am 21. November. „Die Empfehlung der Kommission ist ja nicht bindend. Auch die Empfehlung des Ministerrates, der nun darüber zu entscheiden hat, wird es nicht sein. Es ist ein sogenanntes ,soft law‘, die dänische Regierung kann damit prinzipiell machen, was sie will. Aber Dänemark übernimmt in Kürze den Vorsitz des Europarates. Und ein Land, das den Vorsitz hat, aber den eigenen Ratifizierungen mit der EU zur Sprachencharta selbst nicht nachkommt, gibt kein gutes Bild ab. Daher hoffen wir, dass der Druck, nachzubessern, nun groß genug ist.“

„Radio und TV – in den 1990er Jahren gab es keine Alternativen“

Die Regierung hat zu den Forderungen der Sprachexperten Stellung genommen. Unter anderem argumentiert sie damit, dass „der zuständige Radio- und TV-Aufsichtsrat keine Bewerbungen erhalten hat, lokales oder regionales Radio oder TV auf Deutsch zu betreiben“. Und wo keine Bewerbung, da keine Bewilligung.
Die deutsche Minderheit hat sich aber doch um einen deutschsprachigen Kommuniktionskanal beworben. Sind die Einteilungen in lediglich Radio und TV im digitalen Zeitalter nicht längst hinfällig?
„Ja, schuld sind hier die alten EU-Formulare aus den 1990ern. Damals gab es technisch gesehen keine Alternativen. Heute können wir längst über Internetseiten Radio und bewegte Nachrichtenbilder senden. Dafür brauchen wir ja keinen eigenen Sender“, erklärt Jan Diedrichsen. Er nennt es einen „echten Schwachpunkt im Dokument des Europarates. Hier müsste man die Veränderungen des digitalen Wandels in den Text mit einfließen lassen. Sonst hat die dänische Regierung immer das Totschlagargument, dass sich ja niemand beworben hat.“

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