Leitartikel

„German Angst kontra dänische Unbekümmertheit“

German Angst kontra dänische Unbekümmertheit

German Angst kontra dänische Unbekümmertheit

Kopenhagen/Nordschleswig
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Manövrieren in der Corona-Pandemie: Nationale Behörden und Politik reagieren unterschiedlich auf die Entwicklung. Aber auch persönlich muss man seinen eigenen Weg finden, schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen vor den dänischen Lockerungen nächste Woche.

Es ist schon eine verwirrende Zeit, in der wir leben. Das Coronavirus setzt die Tagesordnung; bestimmt über Freiheiten, Begrenzungen, Maßnahmen und Lockerungen. Was vor zwei Jahren richtig war, wird 2022 anders gesehen. Vor einem Jahr waren die Maßnahmen wesentlich härter als jetzt, wo die Zahl der Infizierten rasant steigt. Mussten wir anfangs noch beim geringsten Verdacht für 14 Tage in Quarantäne, können wir heute mit etwas Glück nach vier Tagen mit Corona wieder aus der Isolation heraus.

Die dänischen Behörden und die Politik machen sich die größte Mühe zu erklären und aufzuklären – mit Erfolg. Die Transparenz ist das A und O beim Krisenmanagement während der gesamten Corona-Pandemie gewesen.

Können sich Gesundheitsbehörden und Politikerinnen und Politiker denn nicht bald auf eine Linie einigen? Eine oft gestellte Frage, wenn die Verwirrung am allergrößten ist. Aber es sind eben nicht nur Experten oder Gewählte, die die Wege aufzeichnen. Das unbändige Coronavirus hat die ganze Zeit ein Wort mitzureden und bestimmt die Richtung sowie das Tempo.

Danach steuern – oder besser gesagt manövrieren – Behörden und Politik. So zählen heute andere Richtwerte als vor ein oder zwei Jahren, eben weil sich das Virus ständig anders verhält.

Für Grenzland-Bewohnerinnen und -Bewohner sind die unterschiedlichen Signale noch verwirrender, denn hier müssen wir uns zu den Maßnahmen und Regeln zweier Nationen verhalten: Während in Dänemark ab nächster Woche fast alle Maßnahmen wegfallen, hat Deutschland die Initiativen verlängert. German Angst gegen dänische Unbekümmertheit?

Das Coronavirus schwächelt. Ab Dienstag heißt es in Dänemark daher, runter mit der Gesichtsmaske, zurück aus dem Homeoffice und ab in die Disco. Es wird kaum mehr Begrenzungen geben.

Was für die einen die lang ersehnte neu gewonnene Freiheit ist, ist für andere wiederum, die sich mit Maske und am Computer zu Hause sicherer fühlen, beängstigend.

Auf der anderen Seite besteht kein Maskenverbot, und man muss sich auch nicht gleich mit tausend Menschen ins Rockkonzert stürzen.

Nicht nur Behörden und Politik müssen durch die Pandemie manövrieren, auch wir müssen uns immer wieder neu zurechtfinden und orientieren. Und das sicherlich nicht zum letzten Mal.

Auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt: Das Coronavirus bleibt weiterhin unter uns und wird uns noch eine Weile begleiten. Da müssen wir jede und jeder für sich, aber auch alle gemeinsam den richtigen Weg finden. Das wird nicht immer derselbe sein – aber so war es doch schon immer.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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