Nordschleswig

Rollstuhlathlet Stephan Laukamp fährt zum Worldcup

Veröffentlicht Geändert
Hat das Handbike-Wettkampffahren für sich entdeckt und ist darin erfolgreich: Stephan Laukamp.

Sich als Rollstuhlfahrer fit halten, aber alles in Ruhe, war die Devise von Stephan Laukamp aus Tingleff nach einem folgenschweren Unfall vor rund 15 Jahren. Das hat sich geändert. Der 43-Jährige hat es als Wettkampffahrer an die dänische Spitze geschafft und ist jüngst in die Nationalmannschaft berufen worden. Als Nächstes steht ein internationaler Wettbewerb in Belgien an.

„Freitag mache ich in der Regel nichts. Dann ist Ruhetag. Sonst wird jeden Tag trainiert, oft auch zweimal“, erzählt Stephan Laukamp in seinem Haus in der Tingleffer Hauptstraße. Der 43-Jährige, der seit einem Motorradunfall vor 15 Jahren querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, hält sich strikt an einen Trainingsplan.

Der Tingleffer gehört zur dänischen Handbike-Elite. Handbikes (Håndcykel) sind spezielle Behindertenfahrzeuge, die liegend per Hand- und Armeinsatz angetrieben werden.

Nach seinem Unfall hatte er sich sofort vorgenommen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten fit zu halten. Dazu gehörte auch das sportliche Fahren mit Rollstuhl – quasi als Ersatz fürs Joggen.

Stephan Laukamp wechselt fürs Trainieren nahezu täglich vom Rollstuhl aufs Handbike.

Handbikefahren für sich entdeckt

„Ich wollte es aber nicht übertreiben und nahm mir vor, gemächlich zu trainieren. Das änderte sich dann vor rund drei Jahren. Ich fand Gefallen am Handbike-Fahren und fing an, an Handbiketreffen und auch Wettbewerben teilzunehmen“, so Stephan Laukamp.

Das Sportgerät konnte er über den landesweiten Handbikeklub „Dansk Håndcykelklub“ leihen, dem Laukamp nicht nur als Aktiver, sondern auch als Vorstandsmitglied angehört.

Der sportliche Einsatz auf dem Hometrainer und auf nordschleswigschen Landstraßen zahlte sich aus. Bei den dänischen Meisterschaften für Rollstuhlfahrer im vergangenen Jahr belegte der Tingleffer in seiner Kategorie Platz drei.

Trainiert wird auf Radwegen und auf Landstraßen. Bei Touren steuert Stephan Laukamp auch schon mal Sonderburg an. 60 bis 70 Kilometer weite Fahrten gehören zum Standardprogramm.
Stephan Laukamp bei einem Wettrennen

„Ich war an dem Tag eigentlich nicht so gut drauf. Ich war nach dem Stundenrennen fix und fertig und wollte mich nichts ahnend auf den Nachhauseweg machen, als man mir sagte, dass ich gleich zur Siegerehrung müsse, da ich Dritter geworden bin. Da war ich schon überrascht“, sagt Stephan Laukamp.

Internationale Wettkämpfe

Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet. Bei den dänischen Meisterschaften gewann Stephan Laukamp die Bronzemedaille.

Es spornte gleichzeitig an, und nach einem Handbike-Treffen auf Lanzarote im Februar nahm die Sportlerkarriere des Tingleffers buchstäblich an Fahrt auf.

„Die Rollstuhl-Nationaltrainerin wurde auf mich aufmerksam und hat mich ins Team geholt. Es folgen zwei große Wettkämpfe – ein World-Cup in Belgien Anfang Mai und kurz darauf in Italien. Bereits am Sonnabend fahre ich mit den anderen Rollstuhlsportlerinnen und Sportlern zum belgischen Event“, erwähnt der Tingleffer, der das Trainingsprogramm der Nationaltrainerin akribisch einhält und auch auf die richtige Ernährung achtet.

Er sei natürlich ein wenig aufgeregt und gespannt, wie er sich bei seinem Debüt als Fahrer des dänischen Behindertensportverbandes „Parasport Danmark“ gegen die europäische Konkurrenz schlägt. „Ich gehe davon aus, irgendwo im Mittelfeld zu landen“, gibt sich der 43-Jährige zurückhaltend.

Das Trainingsprogramm ist ausgeklügelt. Es werden dafür Daten vorgegeben und erfasst, weshalb der Laptop eine wichtige Rolle spielt.

Bei den großen Handbike-Treffen auf Lanzarote mit Teilnehmenden aus ganz Europa habe er Vergleichswerte sammeln können. Es gebe langsamere Fahrer, aber eben auch schnellere.

Fast 30 km/h

Durch das intensive Training bringe er es bei seinen täglichen 60 bis 70 Kilometer weiten Touren durchschnittlich schon mal auf 28 bis 29 Kilometer pro Stunde. Die europäischen Spitzenfahrer können da noch einen Zahn drauflegen, weiß Stephan Laukamp. Vielleicht komme er da irgendwann ja noch heran, wie er verschmitzt lächelnd ergänzt.

In Belgien steht ein 50-km-Massenstart und ein knapp 20-Kilometer-Einzelrennen auf dem Programm.

Ist auf die bevorstehenden internationalen Wettkämpfe gespannt: Stephan Laukamp.

Als Nationalfahrer bekommt Stephan Laukamp Sportkleidung und Geräte gestellt. Dem Team stehen zudem Betreuer und Mechaniker für die Räder zur Verfügung. „Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung müssen wir aber selbst tragen. Im Klub und im Verband wird stets versucht, Sponsoren zu finden. Ganz ohne Selbstbeteiligung geht es aber nicht“, sagt Laukamp, der bei der Belgientour mit Ausgaben von etwa 5.000 Kronen rechnet.

Eigenes Bike angepeilt

Er würde sich allzu gern ein eigenes Hightech-Bike zulegen, denn wie in anderen Sportarten spielt das Material eine wichtige Rolle und kann den entscheidenden Unterschied ausmachen. „Ich spare dafür. Solch ein Fahrzeug kostet aber gut und gern 130.000 Kronen oder mehr“, so der Tingleffer, der gelernter Kfz-Mechaniker ist und im Bülderup-Bauer Elektronikversand „Matronics“ arbeitet.

Ob mit neuem Hightech-Fahrzeug oder dem alten Handbike: Den Traum eines jeden Behindertensportlers hat auch Stephan. „Bei den paralympischen Spielen dabei zu sein, wäre natürlich die Krönung. Man darf ja träumen“, so Laukamp mit einem Lächeln.

Stephan Laukamp schraubt an seinem Sportfahrzeug. Eine funktionierende Technik und Leichtgängigkeit sind Voraussetzung für gute Ergebnisse bei Wettkämpfen.

Spitzenleistungen auch im reiferen Alter möglich

2028 wäre die nächste Gelegenheit. Dass er dann 46 Jahre alt ist, muss nicht zwangsläufig ein Hindernis sein. „Es gibt einen Topfahrer in der Handbike-Szene, der über 50 Jahre alt ist. Man muss halt in Form bleiben“, sagt Stephan Laukamp und macht schon mal die Getränkeflasche für die Trainingstour klar, die gleich nach dem Interview ansteht.

Am ersten Maiwochenende geht es dann beim Wettkampf in Belgien rund.