Blaulicht

Gestohlene Signalglocken: Polizei nimmt 50-Jährigen fest – Zusammenhang mit tödlichem Unfall wird geprüft

Veröffentlicht Geändert
Solche Signalglocken geben das akustische Signal an einem unbeschrankten Bahnübergang (Symbolfoto).

Ein Mann soll Warnglocken an mehreren Bahnübergängen in Nordschleswig gestohlen haben – möglicherweise auch jene, die kurz vor einem tödlichen Zugunfall bei Klipleff verschwanden. Die Polizei ermittelt wegen Gefährdung von Menschenleben.

Die Polizei von Südjütland und Nordschleswig hat am Dienstagvormittag einen 50-jährigen Mann festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, bei sechs Bahnübergängen in Südjütland Warnglocken gestohlen zu haben – darunter auch an dem Übergang, an dem am vergangenen Sonnabend ein junger Mann bei einem Zusammenstoß mit einem Zug ums Leben kam.

Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts, andere durch sein Handeln in Lebensgefahr gebracht zu haben. Die Festnahme wurde am Dienstag in einer Pressemitteilung der Polizei für Südjütland und Nordschleswig bestätigt. „Es ist äußerst ernst, wenn jemand Sicherheitskomponenten wie Warnglocken an Bahnübergängen stiehlt“, sagte Polizeikommissar Martin Hess Pedersen.

Zusammenhang mit tödlichem Unfall wird untersucht

Die Polizei prüft nun, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den Diebstählen und dem tödlichen Unfall in Klipleff (Kliplev) gibt. Am Sonnabend war ein 24-Jähriger ums Leben gekommen, als er mit einem Kleinlaster einen unbeschrankten Bahnübergang am Kådnervej südlich von Apenrade überqueren wollte und mit einem InterCityLyn-Zug kollidierte.

Nach einem früheren Diebstahl war dort eine neue Signalglocke installiert worden – diese war jedoch kurz vor dem Unfall erneut verschwunden, wie Banedanmark gegenüber „TV Syd“ am Sonntagabend mitteilte.

Ob der nun festgenommene Mann auch für den Diebstahl der Warnglocke vor dem Unfall verantwortlich ist, wird aktuell ermittelt. Ebenso, ob er danach weitere Glocken entwendet hat.

Keine Untersuchungshaft – aber weiter im Fokus

Laut Polizei gibt es keine rechtliche Grundlage für eine Untersuchungshaft, der Mann wurde daher nach seiner Vernehmung wieder entlassen, bleibt aber Beschuldigter im laufenden Verfahren.

Die Unfallursache wird ebenfalls noch untersucht – in enger Zusammenarbeit mit der dänischen Havariekommission, die bei schweren Bahnzwischenfällen hinzugezogen wird.

Sicherheitslücken und Konsequenzen

Wie die Betreibergesellschaft Banedanmark am Montag erklärte, sind Warnglocken zwar Teil des Sicherheitssystems, aber nicht das Hauptwarnsignal: Dafür sind rot blinkende Lichter zuständig. Dennoch seien Glocken ein wichtiges akustisches Zusatzsignal, gerade für unaufmerksame Verkehrsteilnehmende. „Es ist vollkommen irre, dass jemand diese Glocken stiehlt – und damit das Leben anderer für einen kleinen Gewinn riskiert“, sagte Martin Harrow, Bereichsleiter für Qualität und Sicherheit bei Banedanmark.

Zwar gebe es landesweit kein generelles Problem mit Glockendiebstahl, in Südjütland jedoch häufen sich die Fälle. Der Hintergrund ist bislang unklar – die Glocken haben einen gewissen Metallwert, doch ob dieser für den Diebstahl ausschlaggebend war, ist offen.