Deutsche Bücherei

Buchtipp des Monats: Historische Romane, die berühren

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Wieking empfindet vor allem die Themenwahl der Autorin als interessant.

Die Leitende Bibliothekarin in Apenrade, Ingela Wieking, nimmt uns im April mit auf eine Zeitreise. In unserem Format „Buchtipp des Monats“ stellen Expertinnen und Experten der deutschen Büchereien Werke vor, die ihnen besonders gefallen haben. Diesen Monat geht es auf eine literarische Reise nach Rumänien.

Im April liefert Ingela Wieking, Leitende Bibliothekarin in Apenrade, mit zwei Werken von Iris Wolff einen Einblick in das Leben unter der Diktatur in Rumänien.

„Die Unschärfe der Welt“ war 2020 sogar für den deutschen Buchpreis nominiert. Zu Recht, wie Wieking findet: „Sie hat einen sehr besonderen Stil und Aufbau in ihren Büchern.“

Auch Wolffs Roman „Lichtungen“ aus 2024 konnte die Bibliothekarin überzeugen: „Beim Lesen lernt man seine Freiheit wirklich zu schätzen.“

„Die Unschärfe der Welt“ ist ein „sehr umfangreicher Familienroman über vier Generationen“, erklärt Wieking.

Wolff arbeitet in dem Roman viel mit Rückblenden.

Insgesamt sieben Personen aus dem Banat begleitet der Roman: „Scheinbar unzusammenhängende Kapitel bilden dann doch ein großes Bild, indem sich die Menschen immer wieder begegnen. Die Familiengeschichte erschließt sich nach und nach.“

Iris Wolff wurde 1977 in Rumänien geboren, war selbst also erst zwölf Jahre alt, als die Mauer fiel. „Trotzdem bestimmt das in allen ihren literarischen Werken ihren Inhalt und die Themen“, weiß Ingela Wieking.

Es ist wichtig, dass man so etwas versteht, gerade heutzutage mit der aktuellen Weltlage. Es ist dann doch wieder so zeitlos.

Ingela Wieking

Die Bibliothekarin ist begeistert von Wolffs Erzähl-Stil: „Sie findet sehr bezaubernde und poetische Sprachbilder und schildert sehr eindringlich anschaulich das Leben in einer Diktatur. Also in Rumänien vor dem Mauerfall und dann nach dem Mauerfall die großen Veränderungen in ganz Osteuropa.“

Besonderer Aufbau für besondere Geschichten

In „Lichtungen“ begleiten die Leserinnen und Leser die Freundschaft von Lev und Kato: „Das Buch hat einen sehr besonderen Aufbau, weil Iris Wolff den Roman praktisch rückwärts erzählt.“

Die beiden Hauptfiguren lernen sich als Kinder in Rumänien auf dem Land kennen: „Sie wurden durch die politischen Veränderungen getrennt“, erklärt Wieking, „Lev entscheidet sich, in Rumänien zu bleiben. Kato sieht die Möglichkeit zu reisen. Sie geht in den Westen und probiert sich aus. Dadurch nimmt sie aber auch in Kauf, dass sie ihre Heimat und ihre Verbundenheit verliert.“

Ingela Wieking hätte bei dem Aufbau des Buches „eigentlich Lust, am Ende anzufangen“.

Vielseitige Blickwinkel

Aber ihre Wege kreuzen sich wieder: „Sie finden sich in der Gegenwart auf einmal in Zürich wieder. Er reist ihr dann hinterher, weil sie wieder den Kontakt aufnimmt. Sie versuchen dann an die alte Verbundenheit anzuknüpfen und erzählen sich ihre gegensätzlichen Lebensentwürfe. Dadurch gewinnt man viel Einblick in das sich verändernde Europa.“

Einblicke in eine fremde Welt

Wieking ist von den Werken überzeugt: „Sie bieten einen Einblick in eine Welt, die vielen verschlossen und fremd bleibt. Die Bücher sind unheimlich informativ, aber auch sehr berührend.‘‘ Für die Bibliothekarin sind die Bücher nicht nur von historischer Bedeutung, sondern auch zeitlos, da sie sich mit Diktaturen, Verfolgungen und Anfeindungen befassen – Themen, die leider auch heute noch aktuell sind.