Rudern

Für Willi Drexel schließt sich der Kreis

Für Willi Drexel schließt sich der Kreis

Für Willi Drexel schließt sich der Kreis

Bagsværd
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Willi Thal-Drexel am Bagsværd Sø, wo die dänische Ruderelite trainiert. Foto: DN

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Mit dem dänischen Leichtgewichts-Achter wurde der ehemalige NRV-Ruderer 1996 Vize-Weltmeister. Nun ist der 53-jährige Apenrader zum dänischen Ruderverband zurückgekehrt.

Für ihn ist es ein Traumjob. Der aus Apenrade (Aabenraa) stammende Willi Drexel, der seit seiner Heirat Thal-Drexel heißt, ist seit dem Frühjahr Physiotherapeut der dänischen Ruder-Nationalmannschaft, in der er selbst große Erfolge als aktiver Ruderer feierte.

„Ich habe das Gefühl, dass sich der Kreis schließt. Seitdem ich Physiotherapeut wurde, hatte ich im Hinterkopf, dass dies mein Traumjob sein muss. Als ich zufällig das Stellenangebot sah, habe ich mit meiner Ehefrau gesprochen, und sie hat gesagt, dass ich es selbstverständlich machen müsse, sonst würde ich es mein Leben lang bereuen“, sagt Willi Thal-Drexel im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Erfahrung mit Profisportlern

Nach den Olympischen Spielen 2021 in Tokio hörten beide Physiotherapeuten bei „Dansk Forening for Rosport“ auf. Hans Ørting und Willi Thal-Drexel wurden neu eingestellt.

„Der Verband wollte gerne einen Physiotherapeuten, der Ahnung vom Rudern hat und auch über Erfahrung verfügt“, sagt der 53-Jährige, der 2003 die Ausbildung abschloss und seitdem in anderen Sportarten Erfahrungen sammelte. Er war bei den Fußballern vom FC København, von Lyngby Boldklub und Randers FC sowie bei den Volleyballerinnen von LIVE in Lyngby tätig.

Willi Thal-Drexel schaut dem WM-Neunten im Einer, Bastian Secher, beim Training am Ruder-Ergometer über die Schulter. Foto: DN

Der Apenrader ist heute selbstständiger Physiotherapeut und arbeitet im Schnitt vier bis fünf Stunden wöchentlich mit der dänischen Ruder-Nationalmannschaft.

„Es ist aber ein Vollzeit-Job, wenn wir unterwegs sind. In diesem Jahr sind es zwei Wochen beim Trainingslager in Portugal, sechs Tage beim World Cup in Belgrad, eine Woche WM-Trainingslager in Österreich und eine Woche bei der WM in Racice gewesen“, erzählt Willi Thal-Drexel, der sich die Aufgaben mit Hans Ørting teilt.

Deswegen ist es auch nicht sicher, dass der Traum von den Olympischen Spielen verwirklicht wird.

Vizeweltmeister im Achter

„Das ist nicht mein Ziel gewesen, als ich den Job annahm. Wir können nicht beide zu den Olympischen Spielen fahren, aber es wäre natürlich ein wahnsinniges Erlebnis. Der Verband mietet immer ein Haus in der Nähe der olympischen Regattastrecke. Da gibt es sicherlich die Möglichkeit, ohne die volle Akkreditierung olympische Atmosphäre zu schnuppern“, so der Apenrader.

Als Ruderer hat es mit einer Olympia-Teilnahme nicht geklappt. Der Höhepunkt seiner Karriere war die Silbermedaille im Leichtgewichts-Achter bei den Ruder-Weltmeisterschaften 1996 in Glasgow, zwei Jahre später sprang bei der WM im französischen Aiguebelette der siebte Rang für den Leichtgewichts-Achter heraus.

Willi Thal-Drexel vor dem Bootspark des dänischen Ruderverbandes. Foto: DN

„Ich wäre nie zu den Olympischen Spielen gekommen. Da glaube ich nicht dran. Ich habe nach der WM 1997 aufgehört. Der Leichtgewichts-Achter, der 1995 Weltmeister geworden war, wurde aufgelöst, weil nicht genug Achter-Ruderer vorhanden waren. Ich habe eine Ausbildung in Angriff genommen, aber wenn ich heute zurückdenke, ärgert es mich, dass ich zu früh aufgehört habe. Ich war erst 28“, sagt Willi Thal-Drexel.

Der ehemalige Ruderer des Nordschleswigschen Ruderverbandes (NRV) stieg erst spät in den Leistungssport ein.

Hohes Niveau beim NRV

„Ich bin erst spät auf dieses Niveau gekommen. Wir hatten beim NRV eine feine Trainingsgruppe, und das Trainingsmilieu ist beim NRV immer auf einem hohen Niveau gewesen. Wir hatten einen wahnsinnig guten Trainer in Hans Borsinski, der uns sehr weit in die richtige Richtung bewegt hat, aber ich hätte den Sprung nach Kopenhagen früher machen müssen. Erst als meine damalige Freundin 1994 nach Kopenhagen zog, hat mich Hans Borsinski aufgefordert, den Sprung nach Kopenhagen zu machen“, erzählt der Apenrader, der den Wechsel in die Hauptstadt nicht bereuen sollte.

„Es war nicht zu spät. Ich habe 100-mal mehr erreicht als ich mir jemals vorgestellt hatte. Als ich beim ARV oder beim DRH trainierte, habe ich stets gedacht, dass ich zu alt wäre, aber ich hatte die rechte Einstellung und auch den Willen, mich durchzusetzen. Als ich erst nach Kopenhagen kam, ging alles sehr schnell“, so Thal-Drexel, der auch im Leichtgewichts-Vierer, dem Paradeboot der dänischen Ruder-Flotte der vergangenen Jahrzehnte, trainieren durfte.

Der Kraftraum des Leistungszentrums in Bagsværd ist in die Jahre gekommen – dennoch produziert der dänische Rudersport zahlreiche Weltklasse-Athleten. Foto: DN

„Als ich ankam, war der Leichtgewichts-Vierer gerade ins Leben gerufen worden. Mit Hinblick auf die Olympischen Spiele 2000 wusste man, dass einer oder zwei der Ruderer aufhören würden und ersetzt werden sollten. Man hat sich aber entschieden, auf junge Leute zu bauen, und dazu gehörte ich absolut nicht. Ich gehörte zu den Ältesten und wurde Ende 1995 aussortiert. Das war schon okay. Ich hatte drei, vier Monate mit dem Leichtgewichts-Vierer trainiert und hatte meine Chance bekommen. Wenn ich es zu den Olympischen Spielen hätte schaffen sollen, hätte ich früher den Sprung nach Kopenhagen wagen müssen“, meint der 53-Jährige.

Nach dem Karriereende machte er für drei, vier Jahre Pause vom Rudern, doch seit fast 20 Jahren hält er sich mit dem „Sonntags-Achter“ in Bagsværd fit, nimmt an verschiedenen Regatten teil, darunter bei den World Rowling Masters oder wie am vergangenen Wochenende in Hamburg.

Die nächste Generation

Der Apenrader lebt mit seiner Familie in Espergærde. Das Ruder-Talent hat Tochter Amalie geerbt. Die 13-Jährige rudert erst seit anderthalb Jahren, wurde kürzlich aber Zweite bei den dänischen Jahrgangsmeisterschaften.

„Sie hat den gleichen Willen wie ihr Vater und hasst es zu verlieren. Sie wird ihren Vater übertreffen. Der Kreis hat sich noch nicht ganz geschlossen“, lacht Willi Thal-Drexel.

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