Alternative Energieformen

Raus aus der Abhängigkeit dank mehr Biogas

Raus aus der Abhängigkeit dank mehr Biogas

Raus aus der Abhängigkeit dank mehr Biogas

Apenrade/Nordschleswig
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Sonnenblumen etwa können in Dänemark nur in begrenzten Mengen an Biogasanlagen geliefert werden. Foto: Karin Riggelsen

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Die Landwirtschaft in Nordschleswig liefert bereits Biomasse an Biogasanlagen. Der Wunsch, die Abhängigkeit von fossilen Energielieferungen aus Russland schneller zu beenden als es derzeit im Raum steht, erfordert nach Ansicht des LHN-Vorsitzenden Christian Kock allerdings weitere Zuschüsse, da der Gaspreis durch Biogas allein nicht niedriger wird.

Derzeit kommen 25 Prozent des Gasverbrauchs in Dänemark aus heimischen Biogasanlagen, wie aus einer Übersicht von „Energinet“ zur Erdgasversorgung im Jahr 2021 hervorgeht.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Branchenverbandes Biogas Danmark, Henrik Høegh, könne das bei den derzeitigen Gaspreisen allerdings noch wesentlich mehr werden.

Bessere Organisation der Lieferketten notwendig

Auch landwirtschaftliche Betriebe in Nordschleswig beliefern bereits seit vielen Jahren hiesige Biogasanlagen und tragen somit zu einer Alternative zu Energie aus fossilen Gasquellen bei. Um die Liefermengen weiter zu erhöhen, müssten die Landwirtinnen und Landwirte ihre Lieferungen jedoch noch besser organisieren, meint der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), Christian Kock.

„Wir bräuchten noch eine bessere Übersicht darüber, wo Gülle, Mist und Stroh zur Verfügung stehen, sodass die Landwirtinnen und Landwirte nicht auf der Straße aneinander vorbeifahren. Wenn man sich richtig platziert, könnte man beispielsweise in einem Umkreis von 15 Kilometern den Bedarf einer Biogasanlage gedeckt bekommen“, sagt Christian Kock gegenüber dem „Nordschleswiger“.

In Tondern wollen Landwirtinnen und Landwirte deshalb Anfang April einen Verein gründen, der die kommende Biogasanlage in Sollwig (Solvig) östlich von Tondern gemeinsam mit Gülle und Tierdung beliefern soll.

Beenden von russischen Gaslieferungen möglich

Dies könnte ein Beitrag sein, um dem politischen Ziel, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu beenden, einen Schritt näher zu kommen.

Beim Branchenverband Biogas Danmark, in dem sich die Akteure mit Interesse für Biogas wie Biogasanlagen, Lieferanten von Verwertungsprodukten oder Abnehmer von Biogas zusammengeschlossen haben, zeigt man sich überzeugt davon, das dies gelingen kann.

Der Branchenverband hat einen entsprechenden Plan ausgearbeitet, der zeigt, wie Biogas 75 Prozent des dänischen Gasverbrauchs bereits in der Heizsaison 2025-26 abdecken kann, und wie dieser Wert auf 100 Prozent bis Ende 2027 gesteigert werden kann.

100 Prozent nachhaltiger Gasverbrauch bis Ende 2027

Dafür müsste die Produktionsmenge von Biogas erhöht werden.

Der Vorsitzende von Biogas Danmark, Henrik Høegh, sieht dafür gute Perspektiven, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Hierzu zählt er unter anderem die Möglichkeit, bestimmte Finanzierungstöpfe, die im Rahmen der im Jahr 2020 geschlossenen Klimavereinbarung für den Energie- und Industriesektor vereinbart wurden, bereits zu einem früheren Zeitpunkt anzapfen zu können, um so den Ausbau von Biogas zu unterstützen.

Damit könnte Dänemarks Gasverbrauch bereits innerhalb von fünf Jahren zu 100 Prozent nachhaltig werden.

Das würde sich auch nachhaltig auf die Finanzzahlungen nach Russland auswirken. Bei den derzeitigen Gaspreisen wird mit einer Biogasproduktion im Wert von etwa 8 Milliarden Kronen an den Gasbörsen in diesem Jahr gerechnet. Dieses Geld könnte dann in Dänemark bleiben, statt in die russische Staatskasse zu fließen.

Biogasanlagen verteuern den Gaspreis

Der LHN-Vorsitzende Christian Kock gibt jedoch zu bedenken, dass die Gaspreise durch den Betrieb einer Biogasanlage in die Höhe schnellen. Mit dem derzeitigen hohen Gaspreisniveau könne eine Biogasanlage zwar ohne Zuschüsse einen Gewinn erzielen, aber in der Vergangenheit waren erhebliche Zuschüsse für den Betrieb einer solchen Anlage notwendig.

„Wenn man jetzt sämtliches Gas durch Biogas ersetzen möchte, dann ist das zwar möglich, aber ohne eine Bezuschussung würde der Gaspreis enorm hoch werden. Wir können uns gut selbst versorgen, aber wir können es nicht billig machen“, sagt Christian Kock.

Der Branchenverband Biogas Danmark verweist zudem darauf, dass es zum Erreichen der Zielsetzung, von russischen Gaslieferungen unabhängig zu werden, auch notwendig sei, weiterhin in Wärmepumpen und andere alternative Energieformen zu investieren, sodass der Gasverbrauch insgesamt zurückgeht.

In Dänemark keine nachteiligen Auswirkungen auf Lebensmittelproduktion

Bedenken, dass sich die Belieferung von Biogasanlagen mit Biomasse nachteilig auf die Produktion von Korn, Mais oder Sonnenblumen auswirke, müsse man in Dänemark – ganz im Unterschied zu Deutschland – allerdings nicht haben, versichert Christian Kock.

„Es gibt in Dänemark ein Gesetz, das vorschreibt, dass nur eine bestimmte Menge an Feldprodukten wie Mais oder Korn zur Produktion von Biomasse mitverwendet werden darf. In einigen Jahren dürfen das nur noch vier bis fünf Prozent sein, aber der Großteil kommt schon heute aus der Gülle. Somit steht die Produktion von Biomasse nicht in Konkurrenz zur Erzeugung von Lebensmitteln“, erläutert Christian Kock.

Wie wird Biogas gewonnen?

Biogas hat sich als eine gute Alternative für eine natürliche Energieerzeugung anstelle der Verwendung fossiler Naturgase bewährt.

Zur Herstellung von Biogas werden Exkremente von Nutztieren (Schwein, Kühe, Schafe) mit Pflanzen vermischt. Hier können Sonnenblumen, Weizen und Mais zum Einsatz kommen. Das Ganze wird in der entsprechenden Gärungsanlage zu einer Art Gülle aufbereitet. In diesem Gemisch wimmeln nun Millionen von Bakterien. Diese zersetzen langsam das Gülle-/Pflanzengemisch. Durch diesen Prozess entsteht das Methangas. Es ist entzündbar und kann entsprechende Motoren antreiben. Diese Motoren setzen wiederum Dynamos in Bewegung, welche letztendlich Strom erzeugen.

Die Nutzung der Hinterlassenschaften von Nutztieren reduziert gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen.

Quelle: BiomassMuse, „JydskeVestkysten“

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