Deutsche Minderheit

Mit ganzem Herzen Einsatz für die deutschen Büchereien

Mit ganzem Herzen Einsatz für die deutschen Büchereien

Mit ganzem Herzen Einsatz für die deutschen Büchereien

Apenrade/Aabenraa
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Für Claudia Knauer ist während ihrer rund 25-jährigen Tätigkeit in Nordschleswig das deutsch-dänische Grenzland zur Heimat geworden. Foto: Karin Riggelsen

Büchereidirektorin Claudia Knauer vollendet am Mittwoch, 10. Februar, ihr 60. Lebensjahr. Die studierte Politologin engagiert sich nach 25 Jahren leben und arbeiten in Nordschleswig für Kultur und Bildung innerhalb der deutschen Minderheit.

„Für mich waren die deutschen Büchereien kein unbekanntes Terrain. Gleich nach unserem Umzug nach Apenrade war bei uns der Besuch in der Deutschen Zentralbücherei am Sonnabendvormittag zur schönen Gewohnheit geworden“, berichtet die Direktorin der deutschen Büchereien in Nordschleswig, Claudia Knauer, die inzwischen seit gut fünf Jahren das Büchereiwesen der Minderheit als ein kulturelles Flaggschiff der deutschen Nordschleswiger leitet. 25 Jahre nach ihrem beruflichen Wechsel nach Apenrade vollendet Claudia Knauer am Mittwoch, 10. Februar, ihr 60. Lebensjahr.

„Nordschleswig und Dänemark sind für mich zur Heimat geworden“, bilanziert die studierte Politikwissenschaftlerin, die 1961 in Hattingen an der Ruhr geboren worden ist.

„Meine Eltern waren dort nach ihrer Flucht aus der DDR im Jahr vor dem Bau der Berliner Mauer gelandet“, berichtet die Büchereidirektorin und stellt in der Rückschau fest, dass auch sie vom schweren beruflichen Neuanfang der Eltern in Westdeutschland und dem familiären Hintergrund in Bad Düben in Sachsen geprägt worden ist.

„Nach der Einschulung in Koblenz sind wir nach Kiel gekommen“, berichtet sie über ihre Familiengeschichte.

Abitur und Studienabschluss in Kiel

In Kiel, wo sie zusammen mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder aufgewachsen ist, hat sie nach dem Abitur an der Ricarda-Huch-Schule studiert. Zum Studium der Politologie zählten auch die Nebenfächer Philosophie und öffentliches Recht.

„Ich habe auch eine Zeitlang Orientalistik studiert“, berichtet sie, doch nach einem wertvollen einjährigen Studienaufenthalt am State College im Bundesstaat Pennsylvania hat sie sich zunächst im Bereich der Politik engagiert. Mitgenommen hat sie aus den USA der 1980er Jahre, dass die Menschen dort sehr auf die eigene, oft recht enge Welt bezogen lebten.

„Ich war für die liberale Hochschulgruppe im Studentenparlament an der Christian-Albrechts-Universität“, erzählt sie.

Claudia Knauer
Für Claudia Knauer waren die deutschen Büchereien kein unbekanntes Terrain. Foto: Karin Riggelsen

Tätigkeit in Hamburger Bürgerschaft

Nach dem Abschluss des Studiums folgte eine Tätigkeit als Geschäftsführerin und Pressesprecherin der FDP-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg.

„Das war eine interessante Zeit. Die Hamburger FDP war sozialliberal geprägt, in einer Koalition mit dem Sozialdemokraten unter den Bürgermeistern von Dohnanyi und Henning Voscherau“, so Claudia Knauer, die nach dem Abschied aus der Politik, 1991 war ihr Sohn Erik geboren worden, verheiratet ist sie mit dem in Kiel beheimateten Soziologen Prof. Carsten Schlüter-Knauer, eine Tätigkeit als freie Journalistin aufgenommen hatte.

„Ich habe über Themen wie Bildung, Medien, Wissenschaft, aber auch Lokales geschrieben“, berichtet sie rückblickend.

Vor allem für die Kieler Nachrichten, aber auch überregionale Blätter wie „Die Welt“ oder die „Süddeutsche Zeitung“. Nach dieser Phase, in der sie auch spannende Themen wie ein Interview mit Professor Lars Clausen, den Überbringer des Lösegeldes vor der spektakulären Freilassung des 1996 entführten Unternehmersohns Jan Philipp Reemtsma bearbeitet hat, erfolgte im selben Jahr der Eintritt in die Redaktion des „Nordschleswigers“ in Apenrade.

Gleich nach dem Umzug der Familie, die sich 2000 um Tochter Sofie vergrößert hat, lernte Claudia Knauer die pädagogischen und schulischen Angebote der deutschen Minderheiten kennen und schätzen.

Kultur als Arbeitsbereich

Während ihr Mann als Hochschullehrer bis heute nach Kiel pendelt, wo er im Notfall bei Familienangehörigen übernachten kann, war Claudia Knauer froh über die Möglichkeiten der Betreuung ihrer Kinder, wenn sie für die Zeitung mit unregelmäßigen Arbeitszeiten im Einsatz war.

Ihre Kinder waren im deutschen Kindergarten, der Deutschen Privatschule Apenrade und am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig.

„Als Städterin hatte ich bei der Zeitung im ländlichen Nordschleswig auch schöne Erlebnisse, wenn mich zum Beispiel ein freundlicher Altbauer darauf aufmerksam machte, dass ich in einer Bildzeile einen stattlichen Bullen als Kuh tituliert hatte“, erinnert sie sich.

Schon während ihrer Zeit beim „Nordschleswiger“, wo sie bis zu ihrem Wechsel ins Büchereiwesen viele Jahre die Funktion der stellvertretenden Chefredakteurin ausgeübt hat, galt Claudia Knauers Interesse dem Bereich Kultur, obwohl Organisatorisches ihre Hauptaufgabe bei der Zeitung war.

Sie war lange Mitglied im Kulturausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und auch der Bereich Büchereiwesen war nicht nur durch Besuch von Vorträgen, Generalversammlungen und Ausstellungen ihr Steckenpferd.

„Mein Mann war viele Jahre im Vorstand des Büchereiverbandes aktiv“, erzählt sie und fügt hinzu, dass er nur ungern aus dieser Funktion ausgeschieden ist, als sie die Position der Büchereidirektorin übernommen hat. Obwohl sie in der Leitungsfunktion viel Organisationsarbeit zu erledigen hat, schreibt sie weiterhin gern, vor allem auch für den „Nordschleswiger“.

Seit der Übernahme der Aufgabe versucht Claudia Knauer auch neue Akzente im deutschen Büchereiwesen zu setzen, in dem 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außer in der Zentralbücherei Apenrade in Büchereien in Hadersleben, Sonderburg, Tingleff und Tondern sowie in den Fahrbüchereien beschäftigt sind.

„Den Büchereien in Dänemark werden in jüngster Zeit vielfach neue Aufgaben als Treffpunkte für die Menschen zugeschrieben“, so die Büchereidirektorin, die aber nach wie vor die Versorgung der Bevölkerung mit Medien als Kernaufgabe sieht. „Wir sind das Schwarzbrot“, so ihr Motto und erinnert daran, dass die Büchereien zwar nicht Teil des Schulwesens sind, aber gerade auch im Bereich der deutschen Schulen in Nordschleswig eine wichtige Aufgabe erfüllen, die Lesefähigkeiten der Mädchen und Jungen zu fördern.

„Lesen lernt man nur, wenn man liest“, so Claudia Knauer, die vor allem Wert darauf legt, dass der Umgang mit Büchern in den Bibliotheken Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Spaß machen soll.

Raum für Diskurs bieten

„Ich sehe auch im Bereich der deutschen Minderheit die wichtige Aufgabe der Büchereien, Raum für Diskurs zu bieten“, stellt sie mit Hinweis auf Veranstaltungen während der vergangenen Jahre fest, in denen es beispielsweise um das Für und Wider einer möglichen Umbenennung des Langbehnhauses auf dem Knivsberg oder das heiße Eisen Sexismus ging.

„Wir sind nicht parteipolitisch festgelegt, aber unser Auftrag ist es, solche Debatten zu führen, als Teil der gesellschaftlich-demokratischen Debatte“, fügt sie hinzu.

Wichtige Büchereien in Corona-Krise

Wie wichtig das Angebot der deutschen Büchereien in Nordschleswig nicht nur für Leserinnen und Leser aus dem Kreis der deutschen Nordschleswiger ist, ist während der inzwischen fast ein Jahr andauernden Corona-Krise deutlich geworden.

„Wir erleben große Dankbarkeit der Nutzerinnen und Nutzer“, so Claudia Knauer, die beeindruckt von Einsatz ihrer Kolleginnen und Kollegen ist, die oft improvisieren müssen, um alle Wünsche erfüllen zu können. „Es zahlen sich jetzt auch unsere digitalen Angebote aus“, so die Büchereidirektorin, die darum bemüht ist, den Service des deutschen Büchereiwesens noch bekannter zu machen.

Sichtbare Bibliotheken

„Wir sind bei Ausbildungsmessen präsent, in Infopoints der Touristikwirtschaft oder empfangen Besuch von Arbeitsgemeinschaften aus deutschen wie dänischen Schulen. Wir freuen uns auch über dänische Interessenten, die sich an Reiseführern oder Speziallektüre wie zu Modelleisenbahnen bedienen“, erläutert sie.

Gerne werden auch Gruppen wie aus dem Deutschen Gymnasium Einführungen in die Nutzung des Medienangebotes oder der Fernleihe gegeben. Nach Jahrzehnten in Dänemark, wo ihre Kinder studieren und beruflich tätig sind, fühlt sie sich als Mitglied der deutschen Minderheit auch zunehmend mit der dänischen Gesellschaft verbunden.

Das wird ihr deutlich bei den zahlreichen Vorträgen, die sie hält, oder beim Empfang von Besuchergruppen im Haus Nordschleswig, die aus vielen Ländern die deutsche Minderheit kennenlernen wollen.

Claudia Knauer verrät, dass sie selbst aktuell Gefallen an Thrillern aus der Kategorie Urban Fantasy wie denen des Autors John Abramowitz hat.

„Und ich beschäftige mich mit Lyrik. Das reicht von Klassikern bis hin zu Gedichten von Peter Rühmkorf, Günter Kunert oder Erich Fried. Auch gefallen mir Werke von Inger Kristensen und ,Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten‘ mit Gegenständen des Britischen Museums London“, fügt sie hinzu.

Sehnsucht nach Wiederöffnung

Mit Sehnsucht blickt die Büchereidirektorin den Zeiten entgegen, wenn nach einem hoffentlich baldigen Ende der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wieder öffentliche Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der Büchereien stattfinden können.

„Es sind so viele Dinge ausgefallen“, so Claudia Knauer und spricht die Hoffnung aus, dass es gelingt, Autorinnen und Autoren wie Dörte Hansen, die durch ihre Werke „Altes Land“ oder „Mittagsstunde“ großen Eindruck hinterlassen hat, nach Nordschleswig zu holen, nachdem die Corona-Krise im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

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