Deutsche Minderheit

Jugendliche am DGN: Holocaust ist auch Teil unserer Geschichte

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Die Schülerinnen und Schüler des DGN erzählen, warum ihnen das Erinnern an die Gräueltaten des Holocausts wichtig ist.

6.000.000 Jüdinnen und Juden wurden durch den Holocaust auf schreckliche Art und Weise ermordet. Um diese Verbrechen der Nationalsozialisten nicht zu vergessen, lud das DGN den Historiker Therkel Stræde für einen Vortrag ein. Einige Schülerinnen und Schüler haben dem „Nordschleswiger“ erzählt, warum dieser Teil der Geschichte gerade in den Köpfen der deutschen Minderheit immer präsent ist.

„Die Forschung hat gezeigt, dass die Mehrheit der Deutschen das nationalsozialistische Regime unterstützt hat“, sagt Therkel Stræde, als er vorn in der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig am Rednerpult steht.

Therkel Stræde ist emeritierter Professor für Zeitgeschichte an der Süddänischen Universität in Odense (SDU) und wurde vom Gymnasium eingeladen, um anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar über die Zeit zwischen 1933 und 1945 zu sprechen.

Während seines Vortrages geht er unter anderem auf das Vernichtungslager in Auschwitz und die Gräueltaten, die dort begangen wurden, ein. Außerdem spricht er darüber, wie die Nationalsozialisten mit politischen Gegnern umgingen, aber auch welche Arten von Widerstand es in der damaligen Zeit gab.

Historiker Therkel Stræde und die stellvertretende Schulleiterin Simone Sippel-Pedersen

Auch für Stræde selbst ist der Besuch an der Schule ein Anliegen: „Es ist wichtig, dass sich die jungen Leute der Thematik des Holocausts stellen und sich bewusst machen, was er für die Menschheit und ganz besonders für die Deutschen bedeutet.“

Wie gehen die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema um?

Ähnlich sehen das auch einige Schülerinnen und Schüler.

Für Stina Sørensen hat das Thema auch deshalb eine größere Bedeutung, weil sie der deutschen Minderheit angehört: „Wir sind ja aus der Minderheit und wir sind in Dänemark die Deutschen und werden immer gesehen, als wären wir Teil von den Nationalsozialisten und deswegen finde ich es wichtig, dass man da aufgeklärt wird.“

Mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Nordschleswig hatten die Nationalsozialisten einen verlängerten Arm in die deutsche Minderheit in Dänemark. Auch darum ist es dem 17-jährigen Lauritz Kley wichtig, sich an die Geschichte zu erinnern: „Ich habe leider auch Familienmitglieder, die zu dieser Zeit in der NSDAP-N überraschend aktiv waren. Deswegen ist es für mich sehr wichtig, dass ich darüber etwas weiß und auch heutzutage noch darüber geredet wird.“

Stina Sørensen findet, dass die Aufklärung über das Geschehene vor allem auch in der deutschen Minderheit eine große Rolle spielt.

Im Hinblick darauf, dass in Deutschland und dem Rest der Welt immer öfter versucht wird, die NS-Zeit zu verharmlosen, findet Cees Piepenbrock: „Dass der Schrecken des Rechtsextremismus jetzt wieder aufkommt und diese Zeiten einfach vergessen werden, ist erschreckend.“

Lauritz Kley ist es wichtig, dass weiterhin über die Geschehnisse gesprochen wird.

Die 16-jährige Lucia Bogovič beunruhigt auch die Entwicklung in den sozialen Medien: „Wenn man sich auf Instagram mal die Kommentare anschaut, dann sieht man auch, dass ganz viele diese Sachen verharmlosen und Witze darüber machen. Ich finde, das ist ganz schön besorgniserregend, wie viel Menschen sich trauen, wenn man nicht zurückverfolgen kann, dass sie das geschrieben haben.“

Cees Piepenbrock ist besorgt darüber, dass Rechtsextremismus und NS-Verharmlosungen wieder zunehmen.

Veranstaltung ist Gold wert

Lucia Bogovič ist besorgt über die Entwicklungen in den sozialen Medien zum Thema NS-Zeit.

Die stellvertretende Schulleiterin Simone Sippel Pedersen zeigte sich zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir wollten bei den Schülerinnen und Schülern erreichen, dass sie darüber nachdenken, was eigentlich damals passiert ist. Meines Erachtens ist es wichtig, dass wir in Erinnerung behalten, was geschehen ist, und dafür sind solche Veranstaltungen natürlich Gold wert.“

Stellvertretende Schulleiterin Simone Sippel Pedersen ist es wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema auseinandersetzen.