Leitartikel

Ab geht die Post

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Ab geht die Post

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Wer für eine Firma wie Postnord arbeitet, die 27 Kronen für eine Postkarte von Gravenstein nach Flensburg kassiert, der muss starke Nerven haben, meint Cornelius von Tiedemann.

Wie die Zeiten sich ändern. Früher waren Postbeamte hoch angesehen. Heute sind Postmitarbeiter eine aussterbende Gattung – und sie müssen sich, zusätzlich zur Sorge um die eigene berufliche Zukunft, nicht mehr nur mit keifenden Hunden am Zaun, sondern auch mit dem Frust – und vielleicht noch erniedrigender – dem Mitleid der Kunden herumschlagen.

Wer für eine Firma wie Postnord arbeitet, die 27 Kronen für eine Postkarte von Gravenstein nach Flensburg kassiert, der muss halt starke Nerven haben.

Es ist klar – Dänemark ist das vielleicht am weitgehendsten digitalisierte Land der Welt. Und dadurch entstehen uns hier sehr viele Vorteile. Und der Post eben der Nachteil, dass sie kaum noch Briefe zu verteilen hat – und die flächendeckende Postzustellung somit wirtschaftlich schwer aufrechtzuerhalten ist.

Doch es war Zeit genug, als nach der Umstellung auf eine Aktiengesellschaft und die aus heutiger Sicht fragwürdige Fusion mit der schwedischen Post 2009 neue Wege gegangen werden sollten. Schon damals gab es das Internet, E-Mails und Online-Formulare auf Behördenseiten. Deshalb erscheint es rückblickend fast unfassbar, dass die Unternehmensführung und die für die Postgesetzgebung verantwortlichen Regierungen nicht in der Lage waren, einen realistischen Kurs zu setzen. Einen Kurs, der berücksichtigt, dass die dänische Regierung, die mit der einen Hand die Post kontrolliert, dabei war, mit der anderen Hand den öffentlichen Briefverkehr weitestgehend abzuschaffen.

Bezahlen müssen dafür nun die Bürger mit Milliardenzuschüssen vom Staat. Und völlig überteuertem Porto – das bestimmt keine Wende bringen wird. Fast scheint es, als wolle Postnord aus Kostengründen möglichst verhindern, dass überhaupt noch Postkarten und Briefe verschickt werden.

Auf die Frage, weshalb es denn so teuer geworden sei, eine Postkarte von Gravenstein nach Flensburg zu schicken, sagte ein Pressesprecher von Postnord mir einmal, man müsse doch den Vorteil sehen, dass das Porto für bis zu 100 Gramm reiche. Dass die Menschen nur selten 100-Gramm-Postkarten verschicken wollen – auch dafür ist man bei Postnord in der durch die abwendbare Krise entstandene Spar-Panik offenbar blind.

Ja, die Post braucht Einnahmen, sie muss sich rechnen. Und ja, Pakete, vor allem aus dem Bereich Online-Shopping, und eben nicht Postkarten, sie sind die neue große Einnahmequelle. Aber solange die Post rote Zahlen schreibt, ist es fraglich, ob sie ihr Ziel erreicht, wenn sie mit absurden Preisen für vielleicht wenig rentable, dafür aber sehr populäre Produkte Kunden abschreckt.

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