Corona

Von verbrannten Bildern und Künstlerisolation

Von verbrannten Bildern und Künstlerisolation

Von verbrannten Bildern und Künstlerisolation

Anna-Lena Schiemann
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Heike Jacobsen vor fast genau einem Jahr. Damals sah das tägliche Leben der Künstlerin noch ein wenig anders aus. Foto: Karin Riggelsen

Die Corona-Krise greift vor allem die Kunst- und Kulturszene an. Gabriele Beismann und Heike Jacobsen, zwei Künstlerinnen der deutschen Minderheit, erzählen von ihren Erfahrungen.

„Ich empfinde die Situation gerade schon als wahnsinnig einschneidend“, erzählt Heike Jacobsen im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. Vor allem, dass die lange geplante und im Jubiläumsjahr so wichtige grenzüberschreitende Ausstellung „Møder i grænselandet / Begegnungen im Grenzland“ jetzt nicht wie geplant stattfinden kann, findet sie sehr bedauerlich. „Wir haben zwar eine Lösung für die Situation gefunden, aber damit geht das eigentliche Konzept der Ausstellung verloren.“
Die Präsentation war eigentlich als Wanderausstellung zwischen dänischen und deutschen Städten geplant, gestartet war sie in Sonderburg, jetzt befinden sich die Ausstellungsstücke in der Bücherei in Apenrade. Von dort aus sollte sie eigentlich nach Hadersleben, dann nach Ribe. Die Ausstellung in Hadersleben ist abgesagt, jetzt gehen die Kunstwerke direkt nach Ribe und werden dort aufbewahrt. Nur die Ausstellungsstation in Flensburg ab Juni ist bisher von der Krise unberührt.

Ausstellung im Hans Falcks Hus

Eigentlich hatte Heike Jacobsen mit ihrem Künstlerkollektiv „Kengasir“, zu dem außer ihr noch die Künstlerinnen Iris Fridriksdottir (Island) und Inga Momsen gehören, auch noch eine Ausstellung im Hans Falcks Hus geplant. Diese wird allerdings auf nächstes Jahr verschoben.

Trotz allem nutzt Heike Jacobsen die Corona-bedingte Isolation für sich: „Irgendwie begibt man sich als Künstler ja immer in eine freiwillige Isolation. Ich arbeite ja am liebsten alleine und nutze die Zeit jetzt dafür, Dinge auszuprobieren, die ich schon immer mal testen wollte.“

Auch Gabriele Beismann kann ihre Kunst im Moment nicht in Ausstellungen präsentieren. Foto: Karin Riggelsen

Ganz anders geht die lokale Künstlerin Gabriele Beismann mit dem Thema um. „Es hat mich in den zwei Wochen, die ich aufgrund der Erkrankung meines Sohnes an Corona in Quarantäne verbracht habe, nicht gereizt, ins Atelier zu gehen. Die Tage waren so sehr außerhalb der Zeit, wie ein Stillstand.“

Die Künstlerin hatte über die Ostertage eine Einladung zu einer Ausstellung in Norburg/Nordborg angenommen, die aufgrund der aktuellen Situation auf das nächste Jahr verschoben worden ist.
Anfang Juni beteiligt sie sich, sollte die Aktion stattfinden können, an den grenzüberschreitenden Offenen Ateliers. Außerdem ist sie am 6./7. Juni zu Gast bei Anke Müffelmann im Künstlerhaus Anscharpark in Kiel.

Tatsächlich habe ich nach Beendigung der Quarantäne Tabula rasa im Atelier betrieben, ein Feuer gemacht und alte Bilder verbrannt! Das hatte etwas Reinigendes!

Gabriele Beismann

In den vergangenen Jahren hat sich Gabriele Beismann vor allem mit dem Thema „Karte, Verortung und Heimat“ beschäftigt. So verarbeitete sie künstlerisch Widersprüchlichkeiten wie zum Beispiel die Lust am Baden bei steigendem Meeresspiegel.

Die Corona-Situation inspiriere sie nicht, erzählt die Malerin. Sie schließt aber nicht aus, das Thema irgendwann in den kommenden Jahren aufzuarbeiten. Nur zu einer Sache hat sie die Quarantäne doch gebracht: Nach Beendigung dieser verbrannte Gabriele Beismann einige alte Bilder. „Das hatte etwas Befreiendes“, sagt die Künstlerin.

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