Dänische Minderheit

Von Südschleswig bis Grönland, aber weder Fisch noch Fleisch

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Jens A. Christiansen im Kopenhagener „DK4“-Studio beim Interview mit Siegfried Matlok. Nach mehr als 24 Jahren tritt er am 1. Oktober als SSF-Generalsekretär der dänischen Minderheit zurück. Der 69-Jährige bewirbt sich nun um den Posten als FUEN-Präsident für die europäische Minderheiten-Union.

Mit seinem Gruß an Südschleswig in seiner ersten Neujahrsansprache hat König Frederik für Aufsehen gesorgt: Der Generalsekretär nennt die royale Rede „fantastisch“.

Minderheitenpolitik hat auch etwas mit Emotionen zu tun, und für die dänische Minderheit ist deshalb die Verbindung zum dänischen Königshaus seit 1920 von größter Bedeutung. König Frederik X. hat dabei – auch nach Ansicht von Beobachterinnen und Beobachtern – neue Grenzen gesetzt: von Grönland bis Südschleswig.

Hintergrund ist die Neujahrsansprache des neuen Monarchen, der im Oktober mit Königin Mary im Rahmen seines Deutschland-Besuchs in Südschleswig auch Gast der dänischen Minderheit war. Im Fernsehprogramm „Dansk-tysk med Matlok“ auf „DK4“ verweist der Moderator auf die historischen Verdienste von Königin Margrethe um die Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland. Jedes Jahr habe sie in ihrer traditionellen Neujahrsansprache warme Worte an die dänischen Südschleswiger gerichtet, aber – so Matlok – König Frederik sei in seiner ersten Fernsehansprache bemerkenswert einen Schritt weitergegangen. „Wir sind alle verbunden und jeder verpflichtet im Königreich Dänemark. Von der dänischen Minderheit – die jedoch außerhalb unseres Reiches lebt – den ganzen Weg bis Grönland. Wir gehören zusammen“, so die Worte von Frederik.

Jens A. Christiansen: Königlicher Händedruck auch Auftrag

Der Generalsekretär der dänischen Minderheit, Jens A. Christiansen, zeigt sich im „DK4“-Interview begeistert: „Eine fantastische Formulierung, die Königin Margrethe nie benutzt hat. Kein Zweifel, dass die Formulierung mit dem neuen Wappenschild des Königs zusammenhängt, das er sich gegeben hat und in dem die schleswigschen Löwen sogar ein eigenes Feld bekommen haben. Seine Botschaft und sein Händedruck gegenüber der dänischen Minderheit sind unglaublich konkret. Ja, der Händedruck gilt umgekehrt auch für die Verbundenheit und Verpflichtung Südschleswigs gegenüber dem Mutterland.“

Das dänische Bein trägt mehr als das deutsche

Diese Brücke und der Händedruck geben uns Motivation, hervorzuheben, dass das dänische Bein mehr tragen muss als das deutsche. Die Vorliebe für die dänische Sprache und Kultur sowie für die dänische Gemeinschaft ist entscheidend für die dänische Minderheit, ohne sich deshalb von der deutschen Seite abzugrenzen. Das ist auch ein Teil von uns und gehört zu unserer Geschichte. So ist es immer gewesen, denn wir sind als dänische Minderheit auch geprägt durch den Raum, in dem wir leben. Das Deutsche ist auch in uns, aber selbstverständlich ist es nicht möglich, dass es sich zu einer Gleichgültigkeit entwickeln kann. Dann wäre man am Ende weder Fisch noch Fleisch“, betonte Jens A. Christiansen.

Das gesamte Interview gibt es unter diesem Link:Dansk-tysk med Matlok: Jens A. Christiansen

König Frederik X. und Königin Mary im Oktober 2024 bei der dänischen Minderheit in Flensburg im Rahmen ihres offiziellen Deutschlandbesuchs.