Jubiläum

450 Jahre Sankt Petri-Gemeinde: Ein Festgottesdienst, der seiner Bedeutung würdig war

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Hauptpastorin Prof. Dr. Rajah Scheepers (r.) und Morten Hennebichler, Jahresvikar der Sankt Petri Kirche, machten ein Selfie mit den anwesenden Gästen und Gemeindemitgliedern.

Die Sankt Petri-Gemeinde in Kopenhagen feierte ein eindrucksvolles Jubiläum – 450 Jahre deutsch-dänische Geschichte. Der Festgottesdienst vereinte Musik, bewegende Worte und hochrangige Gäste, die das historische Erbe der Gemeinde ehrten. Inmitten turbulenter Zeiten erinnerte die Feier an die Kraft des gelebten Friedens durch Brückenbau und Zusammenhalt.

Die deutschsprachige evangelisch-lutherische Sankt Petri-Gemeinde in Kopenhagen feierte am Sonntag, 23. Februar 2025, ihr 450-jähriges Bestehen. In der St. Petri Kirche, der ältesten Kirche der Kopenhagener Innenstadt, versammelten sich Hunderte Gäste zu einem feierlichen Festgottesdienst, begleitet von einem vielfältigen Rahmenprogramm.

Als Hauptpastorin Rajah Scheepers wenige Minuten vor Beginn der Feierlichkeiten für ein Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ in der Grabkapelle stand, war ihr die positive Anspannung anzumerken. „In erster Linie ziemlich viel Stress, Aufregung und Nerven“, gestand sie lachend bezüglich der Frage, welche Gefühle sie anlässlich des Festgottesdienstes in sich trage – denn die Vorbereitungen für dieses Jubiläum liefen seit eineinhalb Jahren.

Doch nun, mit dem Blick auf die perfekt arrangierte Feier, wich die Nervosität der reinen Freude: „Jetzt werde ich diesen besonderen Tag in vollen Zügen genießen. Ich hoffe, dass er nicht zu schnell vergeht.“

Unter den Ehrengästen waren die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, Bischof Peter Skov-Jacobsen, Minister Werner Schwarz als Vertreter der Regierung von Schleswig-Holstein und der deutsche Botschafter in Dänemark, Pascal Hector.

Beim Jubiläums-Gottesdienst der Sankt Petri-Gemeinde wurde vor allem die wichtige Brückenfunktion der Gemeinde im deutsch-dänischen Austausch gewürdigt.

Ein Festakt in bewegten Zeiten

Die Feierlichkeiten fanden in einem historischen Kontext statt: Der Tag des Jubiläums fiel mit der Bundestagswahl in Deutschland zusammen und lag nur einen Tag vor dem dritten Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Diese Themen spiegelten sich sowohl in der Predigt der EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber als auch in den Reden wider, in denen Sankt Petri als ein Vorbild und Symbol für Frieden, Dialog, Verständnis und Brückenbau gewürdigt wurde.

„Sankt Petri ist ein herausragendes Schaufenster eines deutsch-dänisch-internationalen Zusammenlebens“, betonte Botschafter Pascal Hector. „Sankt Petri ist auch ein fester Felsen im Leben und im Alltag für so viele. Das galt im Februar 1575 und das gilt heute – 450 Jahre später. Gerade in diesen unruhigen Zeiten ist eine solche Konstante wertvoll. Offenheit, Demokratie und Recht werden an diesem Ort alltäglich gelebt und gefördert.“

Prof. Dr. Pascal Hector, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Dänemark

Musik und bewegende Worte

Der Festgottesdienst war eine kraftvolle Demonstration der lebendigen Zweisprachigkeit der Gemeinde: Die Lieder erklangen abwechselnd in deutscher und dänischer Sprache, gesungen vom Sankt Petri Kinderchor, der Kantorei und begleitet vom Orchester. Die Musik berührte die Anwesenden tief, und die Darbietungen wurden mit stehenden Ovationen gewürdigt.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Feiernden auf dem Kirchhof, der zugleich der Schulhof der benachbarten Sankt Petri Schule ist. Zwischen den historischen Grabstätten der Gemeinde gab es Speisen und Getränke – ein Symbol für die einzigartige Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, Leben und Tod, die Sankt Petri ausmacht.

Die musikalische Begleitung des Festgottesdienstes, mit dem Kantor, den Musizierenden und dem Kinderchor, verlieh der Feier eine berührende Atmosphäre.

450 Jahre gelebte Geschichte

Seit ihrer Gründung im Jahr 1575 ist die Sankt Petri-Gemeinde mehr als nur eine kirchliche Institution. Sie ist ein lebendiger Ort der Begegnung und eine Brücke zwischen deutscher und dänischer Kultur. Mit knapp 1.400 Mitgliedern ist sie eine der bedeutendsten deutschen Auslandsgemeinden und ein fester Bestandteil der dänischen Volkskirche.

„Die Sankt Petri-Gemeinde ist einzigartig aufgrund der Balance zwischen Deutsch und Dänisch, zwischen Alt und Jung, zwischen Tradition und Moderne. Und weil hier so viele Menschen mit ganz viel Engagemant und Liebe mithelfen“, fasste es Hauptpastorin Rajah Scheepers treffend zusammen.

Auch Matthias Alpen, Senior der Nordschleswigschen Gemeinde, zeigte sich tief beeindruckt: „Dieser wunderbare Festgottesdienst hatte seinen Namen in jeder Hinsicht verdient: mit fantastischer Musik, unglaublich vielen engagierten Mitwirkenden, Rajah Scheepers, die hervorragende Arbeit leistet, einer starken Predigt von Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber und Reden auf ganz hohem Niveau. Das hat Spaß gemacht, das miterleben zu dürfen.“

Pastor Matthias Alpen folgte der Einladung gerne und reiste aus Nordschleswig nach Kopenhagen.

Sankt Petri

Die Sankt Petri-Gemeinde besteht seit 1575. Sie ist eine königliche Stiftung und bis heute über einen königlichen Patron mit dem Königshaus verbunden.

Vor der Reformation war die Sankt Petri Kirche eine der vier städtischen Pfarrkirchen Kopenhagens. Durch die Reformation kam sie in die Verfügungsgewalt des Königs. König Frederik II. stellte sie 1585 der deutschen Gemeinde zur Verfügung.

Die Petri-Gemeinde ist die einzige deutschsprachige Gemeinde der dänischen Volkskirche (Folkekirken).