Wildschweine

Forscher: Fliegen übertragen Schweinepest

Forscher: Fliegen übertragen Schweinepest

Forscher: Fliegen übertragen Schweinepest

Kopenhagen
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Wildschwein-Frischlinge in Ungarn. Foto: Gabor Vereb/Unsplash

Die im Schweinefleisch-Exportland Dänemark gefürchtete Afrikanische Schweinepest kann durch Stechfliegen übertragen werden. Das haben Forscher in Dänemark nachgewiesen. Fliegensichere Ställe würden viele Millionen kosten.

Fliegen können die Afrikanische Schweinepest übertragen – auch auf Schweine in dänischen Ställen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Veterinärinstituts der Dänischen Technischen Universität (DTU).

Wenn eine Stechfliege, von denen es in dänischen Ställen wimmelt, Blut eines infizierten Wildschweines einsaugt, kann sie die Infektion auf die Hausschweine übertragen, so das Fazit der Forscher.

Schweine brauchen die Fliegen nur zu fressen

„Was wir nachgewiesen haben ist, dass blutsaugende Insekten wie beispielsweise die Stechfliege in der Lage sind, einen neuen Wirt zu infizieren. Nicht dadurch, ihn zu beißen, sondern alleine dadurch, gefressen zu werden“, sagt Forschungsleiter Rene Bødker.

„Wenn die Fliege, die Blut eines infizierten Wildschweines gesaugt hat, in einen Schweinestall kommt und dort von einem Schwein gefressen wird, kann das Schwein die Afrikanische Schweinepest bekommen. Das ist neues Wissen“, sagt er.

Die neuen Forschungsergebnisse werden just zu dem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem der umstrittene Wildschweinzaun zwischen Deutschland und Dänemark in die erste Bauphase geht. 30 Millionen Kronen soll alleine der Bau der 70 Kilometer langen Anlage kosten, die im Herbst fertig sein soll.

Der Zaun soll Wildschweine daran hindern, nach Dänemark zu kommen, da just Wildschweine als Wirt und Überträger der Afrikanischen Schweinepest gelten. Die gefürchtete Krankheit wurde bei Hausschweinen in mehreren osteuropäischen Ländern und zuletzt auch in Belgien nachgewiesen.

Wahrscheinlichkeit des Szenarios noch gänzlich unbekannt

Sollten dänische Schweinebesatzungen infiziert werden, könnte dies zu Milliardeneinbußen im Fleischexport führen. Bødker zweifelt allerdings daran, dass es eine Fliege sein wird, die die Pest nach Dänemark bringt. Denn die Forschung hat auch gezeigt: Die Infektionsgefahr durch eine Fliege besteht lediglich für sechs bis zwölf Stunden. Und Fliegen legen gewöhnlich keine größeren Strecken zurück.

„Selbstverständlich könnte eine Fliege ein deutsches Wildschwein beißen und theoretisch gesehen am kommenden Wildschweinzaun vorbei in eine dänische Besatzung fliegen“, sagt er. „Doch da, wo wir primär das Problem sehen, sind Wildschweine, die man direkt vor den Besatzungen hat“, fügt er hinzu.

Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, müssten die Schweineställe gegen Fliegen gesichert werden. Doch das würde laut Bødker Millionenbeträge kosten und sei noch nicht angesagt. „Aber für einige der großen Besatzungen im Ausland, zum Beispiel in den baltischen Ländern, Polen und jetzt auch Rumänien, wo Wildschweine rund um die Besatzungen laufen, sollte man doch erwägen, ob man diese Investition nicht vornehmen sollte. Auch wenn wir noch nicht wissen, ob die Ansteckung durch Fliegen ein reales Problem ist“, so der Forschungsleiter.

Landwirte zweifeln nicht an Wildschweinzaun

Die neuen Erkenntnisse sorgen beim Landwirtschaftsverband Landbrug & Fødevarer derweil nicht für Zweifel am Wildschweinzaun. Im Gegenteil, sagt Veterinär-Direktor Jens Munk Ebbesen. „Wenn sich zeigt, dass Fliegen die Seuche von Wildschweine auf Hausschweine übertragen können, unterstreicht das nur die Wichtigkeit dessen, dass wir einen Wildschweinzaun bekommen, der sicherstellt, dass keine Wildschweine nach Dänemark kommen“, sagt er.

Wenn die Wildschweine auf Abstand bleiben, gebe es auch keine Seuche, die übertragen werden kann, so Ebbesen.

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